Die Kühnheit, trotzdem ja zu sagen ....



"Die Kühnheit, trotzdem ja zu sagen. - Warum der einzelne mehr Macht hat, als wir glauben" ist "ein Buch gegen die tägliche Resignation" des Schweizer Mathematikers und Arztes Albert Zeyer, das 1997 im Scherz Verlag erschienen ist.

Zeyer befaßt sich mit der Chaosforschung, die u.a. aussagt, daß sehr kleine Anstöße zu sehr großen Änderungen führen können. Als ein Beispiel wird immer wieder der sogenannte Schmetterlingseffekt angeführt. Man sagt, daß der Flügelschlag eines Schmetterlings in Mittelamerika in der Karibik einen Hurrikan auslösen könne. Das gilt u.a. aber auch in der Politik.

Als ich das Buch Anfang des Jahres las, kam ich gleich auf die Idee, diesen Titel für meinen 'Weihnachtsbrief 99' zu verwenden. - Aber, haben uns die Ereignisse des zu Ende gehenden Jahres ermutigt, diesen Standpunkt einzunehmen? - Nach dem Regierungswechsel in Bonn gab es Chancen für einen wirklichen Politikwechsel. Der hätte unserem geschundenen Erdball vielleicht durch seine Signalwirkung oder auch als Schmetterlingseffekt helfen können. Doch diese Möglichkeiten wurden nicht genutzt. Vieles, was ich mir anders gewünscht hätte, kann man in meinem Buch nachlesen.

Die 'Ökologische Steuerreform' wurde völlig verwässert, indem die Industriezweige ausgenommen wurden, die ganz erheblich zur Umweltbelastung beitragen. Diese könnten aber gerade durch Verteuerung der Energie zu besseren Arbeitsweisen veranlaßt werden. 'Verlust von Arbeitsplätzen' ist das 'Totschlagargument', mit dem jeder Schritt zu einer Verbesserung hintertrieben wird. Dabei könnten durch ökologisch sinnvolle Maß nahmen viele neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Beim 'Ausstieg aus der Kernenergie' sollte 'Konsens' mit der Atomindustrie erreicht werden, also mit Managern, die noch einen möglichst hohen Gewinn aus ihren Reaktoren ziehen wollen, Reaktoren, die durch die riesigen Summen von staatlichen Fördergeldern erst ermöglicht wurden.

Um aus der 'Schuldenfalle' zu kommen, werden immer mehr Betriebe der öffentlichen Hand privatisiert, obwohl man gerade mit denen auf die Wirtschaft im guten Sinne Einfluß nehmen könnte,. - Die wahren Herrscher auf der Erde sind nicht die Politiker sondern die international verflochtenen Konzerne und Banken.

Die Grünen haben ihr eigenes Profil verloren. Bezeichnend dafür ist u.a., daß Bundeskanzler Schröder bei öffentlichen Auftritten immer in der Ichform spricht. Von Teamgeist ist nichts zu spüren. Die Minister sind nur noch Erfüllungsgehilfen seiner Vorstellungen von der notwendigen Richtung in der Politik. So mußte Umweltminister Trittin im Juni auf der EU-Konferenz zur Altautoverordnung gegen seine Kollegen eine sinnvolle Lösung blockieren, weil es die Autoindustrie, um Kosten zu sparen, so wollte. Ich frage mich: Was wäre geschehen, wenn Herr Trittin auf der Konferenz in Brüssel seinem Gewissen gehorcht und gegen den Befehl des Bundeskanzlers die Altautoverordnung gemeinsam mit den anderen Umweltministern auf den richtigen Weg gebracht hätte? Dann hätte allerdings als Konsequenz seines Verhaltens der Rücktritt erfolgen müssen. - Ich glaube, es wäre in aller Welt ein positives Signal für viele gewesen, die bei politischen Entscheidungen sich nicht länger dem Diktat der Großkonzerne beugen wollen, aber bisher noch nicht den Mut zum Widerstand gefunden haben. - Seinen Eid als Minister hätte Herr Trittin nicht gebrochen - im Gegenteil -; denn er hat geschworen, sich zu bemühen, Schaden vom Volke abzuwenden. - Von Konzerninteressen und Aktienkursen ist in der Eidesformel nicht die Rede.

In diesem Jahr hat mich aber am meisten enttäuscht, daß sich unsere Regierung dem Diktat der USA beugte und sich an dem völkerrechtswidrigen und von keinem UNO-Beschluß getragenen Angriff gegen Serbien beteiligte. Das, was die Serben im Kosovo den Albanern angetan haben (aber auch umgekehrt), ist nicht zu rechtfertigen, wurde aber nach den Luftangriffen erst noch ge waltig gesteigert. Bis heute ist nur das Leid zu sehen, aber kein Weg, wie durch dieses militärische Eingreifen die Befriedung des Landes möglich werden soll.

Das sind nur einige Hauptpunkte des Geschehens in diesem Jahre, die alle in die falsche Richtung gehen. - Wie sollen wir da trotzdem noch die Kühnheit zum Jasagen besitzen?

Es geht nicht um die Frage, ob vielleicht alles halb so schlimm ist, wie es uns erscheint, sondern darum, ob genügend Menschen bereit sind, dem Unheil entgegenzusteuern. Wenn wir uns also durch die täglichen bösen Meldungen nicht zur Gleichgültigkeit treiben lassen, können wir an vielen kleinen Stellen auch eine Menge Positives entdecken. Überall in der Welt gibt es Menschen, die sich mit viel Mut und Ausdauer dem Strom des Bösen entgegenstellen und z.B. den Menschen in ihrer Umgebung zeigen, daß der wahre Wert des Lebens nicht von der Höhe des Bankkontos abhängt, sondern von der Liebe, die uns in unserem Denken und Handeln begleitet. Diese darf sich nicht nur auf die Menschen in unserer nächsten Umgebung beziehen, sondern auf den gesamten Planeten Erde. Der ist unsere einzige Bleibe und soll es auch noch für viele spätere Generationen sein.

Wir sollten auch nicht übersehen, daß es gerade unter den Jugendlichen viele gibt, die neue Ideen für einen besseren Umgang mit anderen und mit der Welt haben. Leider gehen die Informationen darüber meist unter, weil für unsere Medien und die damit verbundene Werbung Meldungen aus der anderen Gruppe interessanter sind. Verbraucher sind eher die, die in den Tag hineinleben und nichts mit sich anfangen können. - Es gibt aber die vielen guten Ansätze. Das sollte uns Mut machen.

Zu den vielen guten Beispielen gehört auch eine Arbeit, die Schülerinnen und Schüler des Käthe-Kollwitz- Gymnasiums in Hannover in Rahmen eines Expo-Projektes zusammen mit ihren Lehrern durchgeführt haben. Sie trägt den Titel "Wir gehören der Erde" und ist in C.C.Buchners Verlag, Bamberg veröffentlicht. Es sind Literaturauszüge zusammengestellt. Sie beginnen mit: "Als die Erde ihren Anfang nahm" und enden mit "Die Erde gehört uns nicht". Es ist ein Weg durch die Geschichte, der die Jugendlichen zum Nachdenken über das Ganze bringt und ist kein Geschichtsunterricht, wie wir ihn früher kannten, wobei im wesentlichen die Jahresdaten der Herrscher und der Kriegsereignisse zu lernen waren.

Es wird für jeden von uns einmal die Zeit kommen, in der wir erkennen, daß es kaum von Bedeutung ist, ob wir reich oder arm sind. Ja nicht einmal die Frage, ob wir gesund oder krank sind, spielt dann noch eine Rolle. Was werden wir uns dann fragen? - Gilt heute noch: "Macht Euch die Erde untertan!"? - Nein, die letzte Frage lautet: "Was hast Du getan als Dank dafür, daß Du auf diesem wunderschönen Planeten leben durftest? - Hast Du nur empfangen oder auch gegeben?" - Dann kann nichts mehr nachgeholt werden. Deshalb müssen wir schon heute daran denken. Es genügt aber nicht, mit einigen mehr oder weniger großen Spenden unser Gewissen zu erleichtern. Der Einsatz unserer ganzen Person ist gefordert. - Können wir aber etwas bringen, wenn wir vor all den negativen Ereignissen verzagen, klein beigeben? - Nein, wir müssen wissen, daß in allem positiven Handeln die Hoffnung des 'Schmetterlingseffektes' liegt. Und aus dieser Erkenntnis erwächst uns 'die Kühnheit, trotzdem ja zu sagen.'


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