"Wenn die Blumen weinen könnten,

weinen so wie ich, hätten all die schönen Blumen Tränen im Gesicht. ...." So sang neulich Nicole. Man mag über die Sängerin denken, wie man will. Mir kommt es nur auf diesen Text an.

Was ist es aber, das mich so betroffen macht? - Es ist der Gedanke, daß diese wunder­volle Erde, die in so vielfältiger Weise voller Leben steckt, durch unsere Gedankenlosigkeit und durch unseren Egoismus immer weiter zerstört wird, ja zum absoluten Ende des Lebens ge­bracht werden könnte.

Wieder einmal ist Weihnachtszeit. - Wenn dieses Schreiben die Empfänger erreicht, wird das Fest vorüber sein. - Ich sehne mich nach den tiefen Gefühlen, nach der Innigkeit, die ich noch als Kind empfinden konnte, als es noch keinen Unterschied gab zwischen dem Erleb­ten und den vielen rühren­den Weihnachtsgeschichten, in denen selbst den Ärmsten noch Glück zuteil wurde - weil nicht die Größe der Gabe, sondern das Gefühl des Geliebtwer­dens das Glück bestimmte.

Wer kann heute noch so unbeschwert und ursprünglich Weihnachten feiern? - Wahr­scheinlich sind es meist ältere Menschen, die nur die Botschaft des Evangeliums hören, aber die reale Welt um sich herum nicht sehen oder nicht begreifen.

Die meisten der Mitmenschen zeigen das typische Verdrängungsverhalten. Sie treiben sich in Aktionismus, rennen von Kaufhaus zu Kaufhaus, in der Hoff­nung, mit möglichst vielen Gaben auch Weihnachtsglück schenken zu können. Doch die Beschenkten haben meist auch nur das Gefühl der Leere. Ihr "Pro­gramm" für die Weihnachtstage schützt sie davor, Zeit zum Nachdenken - zur Besinnlichkeit - zu finden.

Und dann gibt es die, die in diesen Tagen vielleicht noch etwas intensiver als sonst über unsere Welt nachdenken und die tiefe Kluft erkennen, die zwischen dem Anspruch des Weih­nachtsfestes und dem, was wir daraus gemacht haben, besteht. Sie bauen sich keinen Wall von Geschenken auf, der sie da­vor bewahren könnte, "die Blumen weinen zu sehen".

Doch es reicht nicht aus, nur zu erkennen, daß etwas falsch läuft in un­serer Welt, sondern wir müssen auch nach den Ursachen suchen und nach We­gen der Wandlung zum Besseren.

Für mich stellt sich ganz hart die Frage, ob es nicht ein großer Fehler ist, dem Menschen immer wieder zu sagen, er müsse seine eigenen Interessen erkennen und sie durchzusetzen versuchen. Bezeichnenderweise ist das eine Einstellung, die sowohl unserem kapitalistischen Wirtschaftssystem zugrun­de liegt, als auch von den Linken vertreten wird, die den Kapitalismus be­seitigen wollen. Der Unterschied liegt nur in der Art der Interessen.

Zwangsläufig sieht jeder die Welt aus seiner eigenen Perspektive. Wir wis­sen aber auch, daß dann die Größenverhältnisse nicht stimmen. Wenn wir al­les auf unsere eigenen Interessen beziehen, - und das kann auch die ganze Bundesrepublik sein, - so ist unser "Denkradius" viel zu klein; denn unsere Erde existiert ca. 4 Milliarden Jahre, die Bundesrepublik aber erst 34 Jahre. Und das Schicksal der gesamten Lebewelt steht heute auf dem Spiel! - Eine solche Betrachtungsweise entspricht noch dem Ptolemäischen Weltsystem. Als sich der Blick weitete, so nannten wir das die "Kopernikanische Wende", die wir nun dringend auch in der Ethik brauchen, wenn wir unserer Welt nicht den Untergang bereiten wollen. Hierzu gehören auch Überlegungen, die ich im Sommer unter dem Titel "Das GRUNDGESETZ DER SCHÖPFUNG und die Nachrüstung" dargelegt habe.

Diese andere Art, die Probleme zu analysieren und zu bewerten, ist dringend nötig. Damit allein retten wir aber die Welt noch nicht. Es fehlt noch et­was anderes: Wir brauchen dringend wieder mehr Gefühl - Herz -, wenn wir so wollen. Wir brauchen die Liebe - nicht nur zu unserem Nächsten - sondern zur gesamten Schöpfung.

Könnten wir das doch wieder als Weihnachtsbotschaft empfinden! - Könnten wir doch - wirklich befreit von Sorge - im Schlußchor zu Beethovens "Neun­ter" mitsingen: "Seid um­schlungen, Millionen! Diesen Kuß der ganzen Welt." Dann könnte uns die Verheißung "Friede auf Erden!" auch wieder neue Hoff­nung geben.


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