Verschobene Perspektiven (2) - Ich habe Angst!



Heute, am 'Hiroshimatag 2006', mahnt mich das Wort, das zum Leitwort meines lebenslangen Einsatzes geworden ist: "Wer das weiß und schweigt, macht sich mitschuldig!" - Tausende in Deutschland (vor allem auch Berichterstatter in den Medien) mögen so denken wie ich. Sie könnten zu einer Änderung beitragen. Aber sie schweigen, weil sie Angst haben. - Und auch ich habe Angst.

Muß man Angst haben etwas zu sagen, das man nicht sagen darf - in einer Welt, die die Freiheit sich auf die Fahnen geschrieben hat? - Leider ist es heute wieder so. Deshalb muß ich eines vorwegschicken: Ich bin kein Antisemit! - Ich messe die Menschen nach ihrer charakterlichen Einstellung und nach ihren Taten, nicht danach, welcher Rasse, Religion oder Weltanschauung sie zugehören. - Ich bin auch kein 'Haßprediger'! - Wer die anderen Texte auf dieser Homepage liest oder sich mit meinem Lebensweg befaßt, wird erkennen, daß im Gegenteil der Frieden und die allumfassende Liebe mein höchstes Ziel ist. -

Im April 2002 habe ich einen Artikel mit dem Titel "Verschobene Perspektiven" veröffentlicht. - Heute muß ich mich wieder zu diesem Thema äußern:

Täglich hören wir von den Ereignissen im Libanon und im Norden Israels. Dabei haben offenbar die meisten schon vergessen, wie es anfing - oder sie wollen es nicht mehr wissen: Da wurde im Gaza-Streifen ein israelischer Soldat von radikalen Palästinensern gekidnapt und wenig später 2 israelische Soldaten im Norden Israels von Leuten der Hisbollah. - Es geht also - angeblich - um das Leben von 3 Israelis.

Und dann wurde uns gemeldet, daß Ministerpräsident Olmers die Herausgabe der Gefangenen mit der Drohung gefordert habe, er werde andernfalls "den Libanon 20 Jahre zurückbomben." - Und wir müssen erleben, daß er die Drohung wahrmacht. Dann sterben in Israel viel mehr als 3 Menschen, um '3 Menschen zu retten' - ganz zu schweigen von der weit größeren Zahl auf der anderen Seite.

Ich war 18 Jahre alt, als Hitler den 2. Weltkrieg machte. (Er ist nicht ausgebrochen wie ein Vulkan, den wir nicht beherrschen können.) - Der vorgeschobene Grund war damals der angebliche Überfall von Polen auf den Sender Gleiwitz. (In Wirklichkeit wurden KZ-Häftlinge in polnische Uniformen gesteckt. Alle wurden umgebracht, um den wahren Hergang zu vertuschen.) Doch wir wußten das nicht und konnten es auch nicht wissen. Wir glaubten, unser Vaterland verteidigen zu müssen. - Der folgende 'Feldzug der 18 Tage' wurde zum 2. Weltkrieg mit Millionen von Toten auf beiden Seiten und mit Millionen ermordeter Juden. - Müssen wir deshalb heute schweigen, wenn es um Israel geht?

Ich war damals als Kriegsfreiwilliger Soldat, wie in meiner Autobiographie zu lesen ist. Aber ich habe 'meine Lektion gelernt', und deshalb kann ich, darf ich nicht schweigen.

Als es in den ersten Jahren meines Einsatzes für den Frieden vor allem um die Kernwaffen ging, habe ich häufiger in Vorträgen folgendes Beispiel gewählt: "In einen bewohnten Wolkenkratzer ist ein Schwerverbrecher eingedrungen, der sich irgendwo in einem der oberen Stockwerke versteckt hat. Dann darf ich doch nicht den Wolkenkratzer in die Luft sprengen, um den Verbrecher unschädlich zu machen!" - Ist das Geschehen im Libanon etwas anderes? - Wenn man das nicht als 'Kriegsverbrechen' bezeichnet, frage ich mich, was ist denn sonst ein Kriegsverbrechen? -

Aber plötzlich ist nicht mehr von den entführten israelischen Soldaten die Rede sondern von 'Selbstverteidigung' gegen die Angriffe der Hisbollah. Die wollten einen solchen Krieg, den sie nicht gewinnen können, bestimmt nicht. Als sie die israelischen Soldaten entführten, war das ein Verbrechen, mit dem sie eigene Leute freipressen wollten. Die Eskalation vom Verbrechen zum Kriegsverbrechen ist von Israel ausgegangen. - Jetzt sterben möglicherweise Tausende von Unschuldigen auf beiden Seiten. - Ist es vorstellbar, daß ein solcher Krieg, wie er jetzt abläuft, 'aus dem Stand', also ohne wochenlange, möglicherweise monatelange Vorbereitung gestartet werden konnte? - Die USA haben für die Vorbereitung des Irakkriegs mehrere Monate benötigt. - Dann kann aber die Entführung der Israelis nur vorgeschoben sein.

Der Krieg ist im Gange. Wir können ihn nicht ungeschehen machen. Aber wir müssen alles tun, damit er schnellstens beendet wird. Der Schlüssel dazu liegt im wesentlichen bei der Regierung der USA. Doch bis jetzt hat sie den sofortigen Waffenstillstand u.a. durch ihr Veto im Sicherheitsrat der UNO verhindert. (Das Vetorecht der 'Großmächte' ist eine fatale Schöpfung bei der Gründung der UNO. Da kann immer wieder Recht zu Unrecht gemacht werden.)

Besonders die derzeitige Regierung der USA beruft sich auf eine 'göttliche Mission' in Bezug auf ihre Politik. - In den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat der damalige Kirchenpräsident Martin Niemöller die rethorische Frage gestellt: "Hätte Jesus am 6. August 1945 als Kopilot in dem Flugzeug gesessen, das die Atombombe über Hiroshima abwarf?" - Die USA-Regierung sollte sich heute fragen, ob Jesus in 'göttlicher Mission' nicht schon alles getan hätte, um den unseligen Krieg im Libanon zu beenden. - Jeden Tag, jede Stunde vor dem Ende sterben (vielleicht neben einigen Schuldigen) viele Unschuldige oder sie werden ins Elend getrieben. - Jeder Krieg - auch dieser - ist ein untaugliches Mittel zur Lösung zwischenstaatlicher Probleme. - Es wird höchste Zeit ein Ende zu setzen!

Unsere Aufgabe ist es, die Weltöffentlichkeit zu einem entschiedenen Nein zu bringen. Ich bin überzeugt, daß der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern schon vor Jahrzehnten hätte beendet werden können, wenn auf beiden Seiten die Friedfertigen die Lösung hätten bringen können. - Solange um Vorteile gepokert wird, ist ein gutes Ende nicht in Sicht.

Jeder, der diesen Beitrag liest möge daran denken: "Wer das weiß und schweigt (oder die Dinge verdreht) macht sich mitschuldig!"


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