"Der Tanz mit dem Teufel"- so aktuell wie vor 50 Jahren



1958 erschien in 1. Auflage ein Buch von Günther Schwab mit dem Titel "Der Tanz mit dem Teufel - Ein abenteuerliches Interview". Heute ist es in der 16. Auflage von 2004 zu haben. (Adolf Sponholtz Verlag, Hameln, ISBN 3-87766-040-1) Damals lieh es mir eine Witwe, die über die Kernwaffenversuche sehr besorgt war und überall Radioaktivität zu spüren meinte.

Obwohl der behandelte Stoff hochinteressant war, begeisterte mich 1958 die Art der Darstellung nicht allzusehr: Der Teufel hat den Auftrag, die Menschen zu vernichten, weil sie sich nicht in die Regeln der Natur über das Zusammenspiel aller einordnen. So engagiert er Unterteufel (Dezernenten), die jeweils auf einem Gebiet das Handeln der Menschheit so beeinflussen, daß sie sich auf den Weg zum Abgrund begibt. Sie sind in ihrem Äußeren von heutigen Wirtschaftsmanagern nicht zu unterscheiden. - Der Teufel will neue Mitarbeiter gewinnen und läßt deshalb - im Beisein der Anwärter - die Dezernenten über ihre Arbeit und ihre Erfolge berichten.

Die einzelnen Kapitel heißen z.B.:
II. Der Schritt fort vom Leben - Bericht des Dezernenten für Fortschritt und Lebensstandard
III. Alarm Giftgas - Bericht des Stinkteufels über die Verpestung der Atemluft
IV. Der Stich in die Schlagader - Erfolgsbilanz des Dezernats 'Durst und Dürre' über die Verwirtschaftung des Wassers
V. Jauche im Blut - Referat über die Verseuchung der Gewässer
usw.

Es ist bemerkenswert, daß die vielen Behauptungen und Zahlenangaben nicht aus der Luft gegriffen sind, sondern durch einen Literatur- und Quellennachweis belegt werden. Auch ein Stichwortverzeichnis erleichtert die Orientierung.

Durch Zufall habe ich das Buch nun nach fast 50 Jahren wieder in die Hand bekommen und bin diesmal schockiert, weil ich erkennen muß, daß bei allen Entwicklungen, die Günther Schwab damals als bedrohlich ansah, bis heute nur wenig zu erkennen ist, das den Fehlentwicklungen Einhalt gebietet.

Zwar wird an verschiedenen Stellen im Buch darauf hingewiesen, daß es auch Aktivitäten gibt, die den Weg der Menschen in den Untergang aufzuhalten versuchen. Doch wird dafür gesorgt, daß diese Stimmen nicht gehört werden oder daß die Warner lächerlich gemacht werden oder ihre Meinung als absurd abgewertet wird. Das zeigt auch ein Zitat (S. 185) (Die Seitenangaben beziehen sich auf die 16. Auflage): "Sten (Dichter und kritischer Anwärter für die Dienste beim Teufel): Es sind nicht alle guten Kräfte tot. Es gibt noch Menschen, die der Erkenntnis fähig sind! - Der Teufel: Ihre Zahl ist gering, und wir erschlagen jeden, der gegen uns aufsteht. Sie mögen predigen, und man wird sie nicht hören. Man mag sie hören, und man wird sie nicht verstehen. Man mag sie verstehen, aber es werden die Kräfte fehlen, verspätete Erkenntnisse ins Leben umzusetzen." - Sehen wir uns heute nicht selbst in dieser Lage? -

Woran liegt es aber, daß die Menschen immer wieder den falschen, den teuflischen Weg gehen? - Der Teufel erklärt das so: (S. 98): "Und das ist das Merkmal des Teuflischen in der Welt, daß es selbstverständlich, notwendig, natürlich, logisch, unvermeidbar und vor allem wirtschaftlich ist!"

Schwab befaßt sich mit allen wesentlichen Problemen unserer Welt, auf die ich hier nicht eingehen kann. Es lohnt sich schon, das Buch selbst zu lesen. Ich will sie nur stichwortartig in der Reihenfolge erwähnen, wie sie im Buch behandelt werden:

Die Fragwürdigkeit des Fortschritts, die Verpestung der Luft durch Industrieabgase, Wasserprobleme wie z.B. Flußbegradigungen, Trockenlegungen, Grundwasser-Absenkung, Wasserverschwendung und Gewässerverschmutzung. Er stellt fest, daß Lärm und Hast das Leben entwerten, kümmert sich um das Problem der gesunden Ernährung.

Günther Schwab ist vom erlernten Beruf Forstmann. So liegt es nahe, daß die Vernichtung der Wälder ihn sehr bedrückt. Aber auch 'die Zerstörung der Arbeitsmoral durch Mechanisierung und Automation' ist sein Thema. Und auf S. 182 sagt der Teufel: "Ich sorge dafür, daß Arbeit und Reichtum nicht auf demselben Baum wachsen."

So ist in unserer Welt ein steigendes Sozialprodukt notwendig (damit alle mehr haben - die einen nur etwas und die anderen viel mehr). Andernfalls müßten bei Wachstumsstillstand die einen weniger bekommen, damit die anderen, die schon sehr viel haben, noch mehr bekommen können.

Doch damit ist der Teufel noch längst nicht am Ende seiner Einflußbereiche. Er befaßt sich mit der Zerstörung des Bodens durch die Bauten der Menschen und mit der Zersiedelung der Landschaft. Er führt den Kampf gegen den Geist und hat dazu den Teufel der Dummheit engagiert. Oberflächlichkeit, Probleme der Schulbildung, Medien, Experten, die gesamte Kultur und der vermeintliche Fortschritt sind seine Themen. Auf S. 245 erklärt er: "Das Gefälle zwischen Wissen und Erkennen ist unüberbrückbar geworden. Ich lasse zwar zu, daß der Mensch Lesen und Schreiben lernt. Aber ich verwehre ihm, seine Fertigkeiten zur Erkenntnisgewinnung einzusetzen. Er liest und schreibt Worte, aber er erfaßt keinen Gedanken mehr. Deshalb sind auch die gewaltigsten Geisteswerke der Vergangenheit für ihn unverständlich und ungenießbar geworden."

Wenn wir versuchen, alle die Themen zu finden, bei denen die Entwicklung falsch - nämlich in Richtung auf langfristige Zerstörung - läuft, so macht uns das wohl Schwierigkeiten. Doch bei Günther Schwab können wir darüber lesen. Da ist es z.B. die Zerstörung des Bauerntums, die Förderung des Bewegungsmangels (Auto, Computerspiele usw.). Da geht es um Pflanzenschutz und Schädlingsbekämpfung (damals vor allem auch mit DDT). Trotz höherer Lebenserwartung droht den Menschen die Vernichtung durch Krankheiten und durch Fremdstoffe und Gift in der Nahrung.

Zwei ganz wesentliche Themen finden sich fast am Ende des Buches. Da befaßt sich Schwab mit der Atombombe und den Kernwaffenversuchen und mit der Verniedlichung der Gefahren, auch der Atomkraftwerke. Und schließlich sieht er die größte Gefahr in der Massenvermehrung der Menschheit, in der Bevölkerungsexplosion. -

Aber es gibt auch Hoffnung. Der Dichter sagt: (S. 460) "Solange in Millionen reiner Menschenherzen die Liebe, die Güte, die fromme Sehnsucht lebendig sind, hat der Satan kein Recht auf die Welt!"

Es lohnt sich schon, dieses Buch gründlich zu lesen und für das eigene Leben die Konsequenzen zu ziehen, z.B. zu Verantwortungsbewußtsein und Engagement für bessere Strukturen in der Menschenwelt. Denn das, was Günther Schwab seinerzeit verfremdet als 'Teufelswerk' dargestellt hat, entspricht heute durchaus der Realität. Denken wir doch nur an die drohende Klimakatastrophe oder den Betrieb von Kernkraftwerken. Immer wieder finden sich 'Experten', die behaupten, daß die Warnungen falsch oder übertrieben seien, daß alles so weitergehen könne wie bisher. - Wenn ich an meine jahrzehntelangen Bemühungen denke, ein gründlicheres Wissen über die Zusammenhänge unserer Probleme zu verbreiten, so muß auch ich feststellen, daß es bei mir vermutlich auch unbekannte Gegner gegeben hat, die dafür sorgten, daß mein Einfluß nicht weit genug reichen konnte.

Es werden all die Dinge behandelt, bei denen der Mensch in seinem Fortschrittswahn die Entwicklung in die falsche Richtung lenkt. Bei vielem ist den normal gebildeten Menschen gar nicht bewußt, daß die Richtung falsch ist. Doch schließlich zählt der Teufel selbst im 18. Kapitel die Gründe auf, warum er die Menschheit vernichten muß. Es lautet: "Die Hinrichtung findet morgen statt - Gipfelreferat des Satans persönlich über seinen Kampf gegen die Menschheit" - Da eine riesige Naturkatasttrophe zu viel unschuldiges - tierisches und pflanzliches - Leben mit vernichten würde, muß die Menschheit ihre Vernichtung selbst bewerkstelligen. So sagt u.a.. der Teufel: "Ich habe gerade jenes Organ, durch dessen Oberentwicklung der Mensch sich der Botmäßigkeit entziehen zu können glaubte, das Gehirn, dazu verdammt unablässig und in krankhafter Steigerung zu arbeiten, zu erfinden und zu entdecken, bis es die Mittel des eigenen Untergangs entwickelt hat." ..... "Seine eigene, der Natur entgegengesetzte Welt wird das Todesurteil an ihm vollstrecken. Diese Welt anerkennt und lobpreist alles, was dem Untergang dient, und ich sorge dafür, daß sie alles ächtet, bekämpft und unterdrückt, was auf der Seite des Lebens steht." (S. 421) - Wir können auch heute bei ernsthaftem Nachdenken wohl beliebig viele Beispiele finden, die diese Aussage bestätigen.

Günther Schwab, der 1904 in Prag geboren wurde und in Österreich gelebt hat, hat in seinem Buche alle Lebensbereiche aufgegriffen, in denen der Mensch gegen die Natur arbeitet. Er gründete 1960 den "Weltbund zum Schutze des Lebens". Im Laufe seines Lebens erhielt er viele Auszeichnungen und ist im Jahre 2006 im hohen Alter von 102 Jahren in Salzburg gestorben. In Deutschland ist er und der 'Weltbund' wegen angeblicher 'rechter Tendenzen' angegriffen worden. Der Ansatzpunkt ist vermutlich die Eugenik, die durch das Hitlerreich belastet ist. Sie spielt aber im Buch keine herausragende Rolle und sollte auch hinterfragt werden. Denn, wem heute die befruchtete Eizelle - und im Falle der Eugenik allein die Ei- oder Samenzelle - heilig sind, weil ein hervorragender Mensch daraus entstehen könnte, sollte sich fragen lassen, wieso man dann einfach zuläßt, daß - z.B. wegen unserer falschen Wirtschaftspolitik - Millionen von bereits geborenen Kindern sterben müssen, die ebenfalls hervorragende Erwachsene werden könnten. - Vielleicht stecken hinter den Anfeindungen auch die, denen seine Mahnungen zu gefährlich erscheinen.


Klicken Sie auf Home, wenn Sie links keine Navigation sehen: Zur Homepage: 
www.zukunft-frieden-schulze.de 
Zukunft und Frieden als Lebensaufgabe