Kooperation statt Konkurrenz


Wie ist die Erde noch zu retten? - 15.04.07


    Vorbemerkung:

    In diesem Beitrag finden sich Gedanken, die an anderer Stelle schon einmal ausführlicher behandelt wurden. Um nicht zu viel zu wiederholen, wird mit Links auf diese Stellen verwiesen.

Es ist zum Verzweifeln. - Immer wieder hört oder liest man bei der Erörterung wirtschaftlicher, gesellschaftlicher oder politischer Probleme die gleichen Argumente, die auf ein möglichst großes Wachstum hinauslaufen. Es war ja immer die Lösung, warum sollte es jetzt anders sein? - Doch es muß anders werden, weil wir an den Grenzen des Wachstums angekommen sind. Wenn wir das nicht erkennen oder nicht wahrhaben wollen, wird es in absehbarer Zeit für die Menschen keine Zukunft mehr geben.

In den Jahrtausenden menschlicher Geschichte haben wir eine immer schnellere Entwicklung durchgemacht, die von den 'Jägern und Sammlern' zu einer Menschheit führte, die die Naturgesetze erkannte und zu immer wirksameren technischen Einrichtungen nutzte. - Aber eines hat sie bis heute nicht begriffen, nämlich, daß die Natur auch dafür sorgt, 'daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen'.

Die Filmschauspielerin Jane Fonda hat einmal gesagt: "Wir gehen mit dieser Erde um, als hätten wir noch eine zweite im Kofferraum." - Wir haben keine zweite, und der Gedanke, daß die Menschheit auf einen anderen Planeten auswandern könnte, ist völlig irreal. Es mag einmal Expeditionen zu anderen Planeten geben, aber nicht die Möglichkeit, Milliarden von Menschen in Raumschiffe zu verladen, die dann Riesenentfernungen überwinden müßten. - Wir müssen also auskommen mit dem, was wir haben. Und das wird immer weniger, während die Bevölkerungszahl immer weiter und schneller zunimmt.

Wachstumsgrenzen

Oder anders ausgedrückt: Die menschliche Entwicklung folgte bisher einer Wachstumskurve, die immer schneller anstieg. Jetzt kommt sie aber ebenso schnell in den 'Sättigungsbereich', in dem eine völlig andere Strategie erforderlich ist. - Wenn wir das nicht sehen oder nicht sehen wollen und unser Verhalten nicht ändern, sehe ich keine Chancen für die folgenden Generationen. Dann wird sich die Hoffnungslosigkeit vermutlich mit furchtbarer Gewalt entladen. - Wenn wir jedoch Gewalt verhindern wollen, müssen wir schnellstens dafür sorgen, daß die Entwicklung einen Sättigungsverlauf bekommt.

Vieles, was heute von der Politik angestrebt wird, paßt nicht zusammen. Da will z.B. die Familienministerin von der Leyen daß sich möglichst viele Familien für mehr Kinder entscheiden und schafft dafür Anreize. Wenn aber die Wirtschaft in Bezug auf die drohende Klimakatastrophe nicht umsteuert, wird diesen Kindern, wenn sie erwachsen sind, die Lebensgrundlage entzogen worden sein. - Schon in der Studie des Club of Rome "Die Grenzen des Wachstums" wird darauf hingewiesen, daß die Interessen der meisten Menschen eine viel zu geringe Reichweite haben. So hofft unser Wirtschaftsminister Glos, daß er mit dem Thema 'Steuersenkung für den kleinen Verdiener' die nächste Wahl gewinnen könne. Er läßt völlig außer acht, daß Deutschland eine so gewaltige Schuldenlast vor sich herschleppt, daß eigentlich die Frage angebracht wäre: "Wem gehört denn die Bundesrepublik, wenn die Gläubiger verlangen, daß die Politik in Zukunft nur ihren Interessen folgen darf?"

Wir tragen die Verantwortung dafür, daß den folgenden Generationen eine lebenswerte Welt bleibt. Da unser Verhalten heute - viel stärker als es früher einmal war - die Lebensverhältnisse in der Zukunft beeinflußt, können wir auch nicht mehr dem Grundgedanken von Adam Smith für eine Marktwirtschaft folgen. Er behauptete, daß, wenn jeder in der Wirtschaft nach seinen eigenen Interessen handle, die 'unsichtbare Hand des Marktes' dafür sorgen würde, daß es allen gut gehe.

Die globalisierte Wirtschaft hat dafür gesorgt, daß die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer geworden sind. Jeder von uns, auch wenn er noch so verantwortungsbewußt zu leben versucht, wird von den Menschen in den Hungerländern als Verschwender angesehen werden. Die Zeit ist längst verstrichen, in der der Markt noch sinnvoll regeln konnte.

Unser derzeitiges kapitalistisches eigennutzgesteuertes Wirtschaftssystem basiert im wesentlichen auf der Verzinsung von Kapital. Zins und Zinseszins folgen aber dieser Exponentialkurve, die immer schneller ins Unendliche führt. Ein steigender Verbrauch ist die Vorbedingung für steigenden Wohlstand. Die Geschäfte werden zu 'Einkaufstempeln'. Das 'Einkaufserlebnis' wird zum Freizeitvergnügen. - Wir haben den 'Tanz ums Goldene Kalb' in moderner Form. Es geht uns umso besser, je mehr wir verbrauchen. - Ich möchte das ganze System als Verbrauchswirtschaft bezeichnen. Doch diese führt im Sättigungsbereich - also an den Grenzen des Wachstums - zur Katastrophe; denn wir können nicht verbrauchen, was nicht mehr vorhanden ist. Und wir können auch die Umwelt nicht beliebig belasten. Die drohende Klimakatastrophe sollte uns Warnzeichen genug sein.

Wenn es uns gelänge, die Menschheit zu einer völlig anderen Lebenseinstellung zu bringen, die das Materielle nicht mehr so überbewertet, wie das heute geschieht, so könnte eine Versorgungswirtschaft uns bei der Lösung der materiellen Probleme im Sättigungsbereich helfen.

Doch diese andere Lebenseinstellung wird von vielen als Bedrohung empfunden. Sie sehen im Extrem ein 'Zurück in die Steinzeit'. - Das wird aber nicht verlangt. Es geht anders. Es muß nicht der Krieg sein, um das zu beweisen. - Da wurde in den beiden Weltkriegen durch die Einführung von Lebensmittelmarken und Bezugsscheinen dafür gesorgt, daß von den knappen Gütern jeder etwas bekommen konnte. - Heute probieren viele im Urlaub - z.B. im Camping - einfachere Lebensweisen aus und stellen häufig fest, daß es 'wundervoll' war. Es geht einfach darum, zu erkennen, daß nicht das Materielle, das 'Haben', sondern das 'Sein' den Wert des Lebens bestimmen.

Viele unserer Zeitgenossen sehen die Freiheit, die 'Selbstverantwortung' als verlockende Grundlagen ihres Lebens an. - Es wäre schön, wenn das Zusammenleben in unserer Zeit damit funktionieren könnte. - Es geht aber nicht. Die Bevölkerungszahlen sind inzwischen viel zu hoch. Unsere Freiheitsrechte stoßen viel zu früh an die unserer Mitmenschen. Wenn wir dann auf unsere Freiheit pochen, setzen wir uns sehr schnell ins Unrecht. - Eine 'freie Gesellschaft' mag noch so schön sein. Wenn die Menschheit damit die Erde zugrunde richtet, darf es diese Form von Freiheit nicht geben. (Beispiel: Verkehrsregeln)

Es hilft nichts. Die größere Dichte erfordert eine andere Organisation, eine Unterordnung unter das Gesamtinteresse weltweit. Frederic Vester hat das mit seinem Beispiel von den Amöben und dem Schleimpilz deutlich gemacht. - Wir mögen über bestimmte Einschränkungen noch so sehr jammern. Wenn wir uns aber unserer Verantwortung für den Fortbestand der Menschheit bewußt sind, bleibt kein anderer Weg. Wenn wir das Umbiegen der Wachstumskurve in den Sättigungsverlauf schaffen wollen, müssen wir vor allem auch die Belange des gesamten Planeten Erde berücksichtigen. Wir brauchen also ein Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, das bestimmte Regeln für den gesamten Erdball ermöglicht. Folgende Grundsätze müßten realisiert werden, die ich in ähnlicher, aber ausführlicherer Form an anderer Stelle als Raumschiffdenken bezeichnet habe:
1. Energieverbrauch so gering wie möglich
2. Ressourcenverbrauch so gering wie möglich
3. Umweltbelastung so gering wie möglich
4. Humane Lebensverhältnisse für alle Menschen
5. Begrenzung der Weltbevölkerung auf möglichst niedrigem Niveau (selbstverständlich ohne Krieg oder andere Gewalt)
6. (entsprechend Forderung 3) Verringerung der Güter-Transportwege
7. Respekt vor der übrigen Lebewelt bzw. der Natur

Im Bereich der Wirtschaft heißt das, daß nicht mehr die Konkurrenz als Motor für immer mehr Verbesserungen und ein immer größeres Angebot nötig ist. An ihre Stelle muß die Kooperation treten, deren Ziel es ist, die verschiedenen Bedürfnisse aller Menschen unter größtmöglicher Sparsamkeit bei Energie und Rohstoffen und mit größter Rücksicht auf die Schonung der Umwelt zu befriedigen. (Vorschläge über eine Steuerungsmöglichkeit befinden sich z.B. in meinem Beitrag über das Organismusmodell.)

Das Darwinsche Ausleseprinzip, das dem Konkurrenzdenken zugrunde liegt, hatte seine Bedeutung während der Wachstumsphase, die nun schnellstens beendet werden muß, ehe wir schockartig an die Grenzen stoßen. - Aus 'wirtschaftlichen Gründen' ist das Handeln oft nicht optimal, ggf. sogar gefährlich.

Einige Beispiele:

    Das 'Zukunftsauto' existiert bereits als Versuchsmuster. Da man aber über Jahre immer wieder Autos verkaufen will, wird zunächst nur ein kleiner Teil der Neuerungen realisiert, gerade soviel, daß der Anreiz für einen Neukauf gegeben ist. Im Folgejahr gibt es dann wieder kleine Verbesserungen usw. - Da aber ein Auto nicht nur die Umwelt belastet, wenn es fährt, sondern auch, wenn es gebaut oder wenn es 'entsorgt' wird, richtet diese Strategie unnötigen Schaden an.

    Auch das Patentrecht steht oft vernünftigen Lösungen im Wege: Prinzipiell ist es manchmal nicht möglich, irgendein Gerät zu kaufen, das seine Dienste bestmöglich tut. Es kann sein, daß ein Fabrikant sein Modell mit dem patentierten 'Teil A' anbietet, der andere hat dagegen das patentierte 'Teil B'. Ein Gerät, das wünschenswert wäre, mit den Teilen A und B zusammen, kann man nicht bekommen.

    Mediziner bemühen sich, die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen weiter heraufzusetzen. Um das Rentenproblem zu lösen, sollen dann aber mehr Kinder geboren werden. D.h. die Bevölkerungszahl steigt weiter stark an. Aber eines ist sicher: Jeder Mensch, selbst wenn er noch so ökologisch orientiert ist, belastet die Umwelt, ob er will oder nicht. Deshalb bringt eine größere Kinderzahl keine Verbesserung der Situation. Das Generationenproblem muß anders gelöst werden. Nicht mehr, sondern eher weniger Menschen sollten die Erde bevölkern.

Es lassen sich noch beliebig viele Beispiele finden, die zeigen, daß wir mit dem derzeitigen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell nicht weiterkommen können. Dazu brauchen wir Kooperation statt Konkurrenz. Das 'freie Spiel der Kräfte' kann das nicht schaffen. - Auch, wenn wir die Regeln für das Zusammenleben der Menschen nicht von heute auf morgen völlig ändern können, so müssen wir uns doch die Probleme immer wieder bewußt machen und versuchen, wenigstens in die richtige Richtung zu gehen. Doch heute wird immer wieder mit größter Sturheit der eingefahrene aber falsche Weg gewählt. - Gedanken, wie es besser weitergehen könnte, finden sich in mehreren anderen Beiträgen auf dieser Homepage. (z.B. Gesucht: Ein zukunftsfähiges Wirtschaftssystem!, Eine andere Welt ist möglich!, Die Klimakatastrophe zwingt uns zur Weltgemeinschaft.)

Die derzeitige Lebenseinstellung ist zu sehr ichbezogen. 'Eigenverantwortung' ist das Stichwort. Doch wo finden wir die 'Ichmenschen', bei denen auch die Verantwortung für das Schicksal der Erde großgeschrieben wird? - "Ich will auf der Autobahn so schnell fahren, wie ich will. Welche anderen Probleme dadurch entstehen, interessiert mich nicht!" - "Ich will auch nicht auf private Flugreisen verzichten oder sie einschränken. Ggf. bin ich bereit mich loszukaufen. Dann können die für mich sparen, die auf mein Geld angewiesen sind." - "Wir Amerikaner verschmutzen pro Einwohner die Umwelt zwar zehnmal so stark wie die Chinesen. Dafür gibt es aber auch viel mehr Chinesen als US-Bürger." -

Wir brauchen dringend als Richtschnur das 'Gaiadenken', die 'Kopernikanische Wende in der Ethik'. Wir können nicht davon ausgehen, daß wir in den Industrienationen - und voran die 'Weltmacht USA' - am besten wissen, was gut und böse ist. Versuchen wir doch, uns immer wieder einen 'außerirdischen Beobachter' vorzustellen, der - unbeeinflußt von eigenen Interessen - das Geschehen auf der Erde verfolgt. Der wäre vielleicht in der Lage, uns den rechten Weg zu weisen. - Ein Versuch, in dieser Richtung voranzukommen, findet sich in meinem Buch 'Unternehmen DELPHIN gescheitert. ...'

Eines ist sicher: Je später wir das Einbiegen in den Sättigungsverlauf beginnen, desto schwerer und einschneidender wird es. Es kann auch schon zu spät sein. Es kann sein, daß das 'Umkippen' bereits eingesetzt hat. Dann wäre allerdings keine Rettung mehr möglich. - Hoffen wir, daß wir noch Chancen haben!


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