Die Klimakatastrophe zwingt uns zur Weltgemeinschaft!

(Februar 2007)


Am 07.12.1995 brachte der deutsch-französische Fernsehsender Arte von 20:40-0:35 Uhr einen Themenabend 'Klimakatastrophe - Droht das ökologische Desaster?' - Anlaß war die Klimakonferenz in Berlin. In der Einleitung zu diesem Thema war u.a. ein warnendes Transparent von Robin Wood zu sehen:
    Global reden

    Banal denken

    Fatal handeln
Gefordert wurde der Abschied vom Wachstum! und darauf hingewiesen: "Wir haben heute zu verantworten, was morgen mit unseren Kindern geschieht." -

(Folgende Themen wurden in der Sendung angesprochen:
'Die Natur rächt sich', 'Resümee der Umweltgipfel Rio 1992 und Berlin 1995, Konferenzen der Hilflosigkeit', 'CO2 - Ein Gas hält Klimaforscher in Atem', 'Alpengletscher in Gefahr', 'Eiszeit - Heißzeit - Gletscher Schlüsselindikatoren der Klimaveränderung', 'Die Angst vor dem Restrisiko - Alternative Kernenergie?' und 'Koyaanisquatsi - US-Filmcollage über den Mißbrauch der Erde'.)


Inzwischen sind 11 Jahre vergangen. Und wieder hat eine Klimakonferenz stattgefunden. Damals wurde darauf hingewiesen, daß eine Änderung dringend erforderlich sei, daß nur ein kleiner Zeitrahmen bestehe, in dem noch eine Abwendung der Katastrophe möglich wäre, die aber auch nur in einer Minderung der Auswirkungen bestehen könne.

Ich habe mir die Aufzeichnung des Themenabends noch einmal angesehen und frage mich, ob denn die genannten Themen heute einfach übernommen werden könnten, weil praktisch inzwischen nichts wirklich Wirksames geschehen ist.

Mit Bitterkeit erinnere ich mich an eine Satire, die ich vor Jahrzehnten einmal im Rundfunk gehört habe. In meinem Gedächtnis stellt sie sich so dar: Ein Lehrer ist mit den derzeitigen Verhältnissen über die Dauer der Schulausbildung nicht zufrieden und läßt sich deshalb einfrieren, um in besseren Tagen wieder ins Leben zurückgerufen zu werden. Nach 10 Jahren wird er aufgetaut und hört: "Bayern steht kurz vor der Einführung des 13. Schuljahres." - Da läßt er sich besser wieder einfrieren und nach 10 Jahren wieder auftauen. Er hört auch dann: "Bayern steht kurz vor der Einführung des 13. Schuljahres." - Das geht viele Jahrzehnte so weiter. .....

1995 wurde - wohl nicht zum ersten Male - über eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf Autobahnen nachgedacht. Es geschah nichts. - Jetzt sind 11 Jahre vergangen und wieder wird darüber geredet, aber nur geredet. - Wie lange noch?

Inzwischen hat die EU ihre Forderungen nach Verminderung des CO2-Ausstoßes von Kraftfahrzeugen wieder abgeschwächt und zwar auf Druck von zwei Deutschen, dem EU-Kommissar Verheugen und der Bundeskanzlerin Merkel, die als gelernte Physikerin eine bessere Einsicht haben müßte.

Industrievertreter warnen, daß die Autoindustrie Einbußen hinnehmen müsse, wenn die Auflagen zu streng würden. Aber, seien wir doch ehrlich! Die Autoindustrie muß eingeschränkt werden, weil wir uns nicht mehr so viel Individualverkehr leisten können. Wir brauchen eine sparsamere Verkehrsstruktur. Die Wege im Gütertransport müssen verringert werden. Wie wäre es mit einer Mehrwegsteuer? - Da käme wohl mancher Arbeitsplatz wieder zu uns zurück.

Den Verkehr umweltfreundlicher zu gestalten, ist gewiß eine lobenswerte Maßnahme. Aber sie reicht bei weitem nicht aus, um für spätere Generationen eine Welt zu erhalten, in der man mit Freuden leben kann. - Es sind viel grundsätzlichere Verhaltensänderungen in aller Welt erforderlich. Keinesfalls geht es nach dem Satz: "Wasch' mir den Pelz, aber mach' mich nicht naß!" - Wir alle müssen bereit sein, Einschränkungen auf uns zu nehmen.

In der Zeitung fand ich Äußerungen von jungen Menschen zum Thema 'Klimawandel - Und was tust du?' - Es waren eine ganze Reihe sehr positive Ansichten zu lesen, aber auch einige sehr enttäuschende. Da sagte z.B. ein 19-jähriger, der in der Ausbildung zum Erzieher steht: "Außer auf Haarspray zu verzichten, tue ich nichts gegen den Klimawandel. Anderes im Leben ist mir wichtiger." - Ganz bedrückend ist folgende Antwort eines 18-jährigen Schülers: "Die Langzeitfolgen betreffen meine Generation doch gar nicht mehr, warum soll ich mich dann darum kümmern?" -

Wir lösen das Problem nicht, wenn wir nur an unsere Wünsche denken. Wir brauchen eine Weltanschauung, die weltumfassend ist und die Ansprüche und Rechte der anderen - auch die der späteren Generationen - ebenso ernst nimmt, wie die eigenen. Das ist die beste Voraussetzung für eine friedvolle Welt, und nur die kann Wege zur Rettung finden und einschlagen. Aber derzeit sieht es ganz anders aus.

Der Grund liegt u.a. darin, daß das Leitmotiv in unseren 'fortschrittlichen' westlichen Industrienationen das 'Haben' ist. Notfalls auch mit kriegerischer Gewalt - zumindest aber mit 'struktureller Gewalt' (z.B. durch den wirtschaftlichen Druck der 'Globalisierung') - wird diese Weltanschauung in der übrigen Welt durchzusetzen versucht. - Wir sollen 'eigenverantwortlich' handeln. - Wo ist aber der Maßstab? - Wer zieht uns zur Rechenschaft?

Wenn es für unsere wunderschöne Erde noch eine Rettung geben soll, so ist eine Lebenseinstellung erforderlich, welche die Funktion des gesamten Planeten berücksichtigt. Die Extreme will ich darstellen.

Auf der einen Seite sehe ich auf mancher Zigarettenreklame den Cowboy, der in der Weite der kalifornischen Wüstenregion dargestellt wird und das Gefühl der 'Freiheit' genießt, der aber auch damit rechnen muß, daß er stürzt und einen qualvollen Tod stirbt, weil ihn in der Weite niemand findet. - Das andere Extrem ist der 'Bienenstaat', - wohl noch jenseits von Huxleys 'Schöner neuen Welt' - ein Horrorbild, das ganz und gar unserer Vorstellung vom Menschsein widerspricht. Doch, können wir den Staat der Insekten überhaupt verstehen?

Wegen der gewaltigen Zahl von Menschen auf dem Erdball ist der 'Cowboy' ein ideales Bild aus längst vergangener Zeit. Zum 'Bienenstaat' sollte es nicht kommen. Unsere Lebensgestaltung muß dazwischen liegen. Denn durch unsere 'technischen Errungenschaften' in Verbindung mit einer gewaltigen Zunahme der Bevölkerung stellt die Menschheit eine gefährliche Einflußgröße im globalen System dar. Wie bedenklich das ist, zeigt gerade die drohende Klimakatastrophe.

Da, wie Frederic Vester immer wieder betont hat, 'unsere Welt ein vernetztes System' ist, müssen wir uns die Folgen eines Klimawandels viel weitreichender vorstellen, als es gemeinhin geschieht. Es denken heute doch viele - wie auch die Schüleräußerung zeigt - nach dem Schema: "Was geht es mich an, wenn in einigen Jahrzehnten der Meeresspiegel um einen Meter steigt. - Ich lebe heute und im Mittelgebirge. Sollen sich doch andere darum kümmern!" - Nein wir alle - weltweit - sind verantwortlich!

Da der Verlauf - zum Bösen oder zum Guten - u.a. auch von unserem persönlichen Verhalten abhängt, liegt hier unsere Verantwortung. - Schön wäre es, wenn jeder Einzelne dies erkennen und entsprechend handeln würde. Da das nur zum Teil der Fall sein dürfte, muß die menschliche Gesellschaft durch Regeln und Gesetze eingreifen.

Bei den Verkehrsregeln ist uns das selbstverständlich geworden. Und doch gibt es viele, die z.B. eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung als unnötigen Zwang empfinden. Solche Menschen fühlen sich eingeengt, während wirklich Verantwortungsbewußte sich frei fühlen, weil sie diese Regeln als unbedingt notwendig bejahen.

Wir tragen auch die Verantwortung dafür, welcher Art die Politiker sind, die uns vertreten. Die 'Sicherheitskonferenz' in München zeigt wieder einmal, wie fatal das ist, wenn weltweit Menschen mit einer zu engen Sichtweise - und vor allem mit Machtdenken - die Politik bestimmen. Es geht nicht darum 'unseren Interessen' gegenüber denen anderer Staaten oder Staatengemeinschaften zum Durchbruch zu verhelfen, sondern endlich zu erkennen, daß wir alle Passagiere im 'Raumschiff Erde' sind. Der Untergang droht uns, wenn mehrere Kapitäne jeweils einen anderen Kurs steuern wollen. Unsere Interessen haben keinen höheren Wert als die anderer. Unser gemeinsames Interesse steht weit darüber und heißt 'Schutz unseres Raumschiffes Erde'. Oder - anders ausgedrückt -: In erster Linie sind wir alle Weltbürger und erst in zweiter Angehörige eines bestimmten Volkes oder Staates!


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