"Seit 05:45 Uhr wird zurückgeschossen!" - Erinnerungen an den Beginn des Zweiten Weltkrieges. (26.02.07)



Die Zahl der Zeitzeugen, die den Beginn des Zweiten Weltkrieges bewußt miterlebt haben, wird immer kleiner. - Die exakte Erinnerung verblaßt immer mehr. Damit wird aber auch die Gefahr, daß schwerwiegende Fehler wiederholt werden, immer größer. Gewisse Parallelitäten treten gar nicht mehr ins Bewußtsein.

Auch meine Erinnerungen an den Sommer 1939 verblassen. Deshalb will ich hier einiges niederschreiben, solange ich mich noch erinnern kann, und damit helfen, daß bei gefährlichen Entwicklungen vielleicht noch rechtzeitig gegengesteuert werden kann.

Ich war im Juni 1939 18 Jahre alt geworden. (Damals wurde man erst im Alter von 21 Jahren mündig.) - Seit es im Herbst 1938 fast zum Kriege mit der Tschechoslowakei gekommen wäre, war die Kriegsgefahr durchaus schon im Bewußtsein. Aber, welche Informationen bekamen wir? - Wir waren auf Presse, Rundfunk und die Wochenschauen im Kino angewiesen. Ausländische Sender zu hören war gefährlich. - Es gab auch nicht die Vielfalt, die wir heute haben.

Wir hörten von Übergriffen von Tschechen und Polen auf die deutschen Bevölkerungsgruppen - vor allem im 'Polnischen Korridor', einem Gebiet, das nach dem Ende des Ersten Weltkrieges Polen zugesprochen worden war und Ostpreußen vom Deutschen Reiche trennte.

Im Frühjahr 1939 hatte Hitler schon die Tschechoslowakei überrumpelt und als 'Protektorat Böhmen und Mähren' unter deutsche Aufsicht gestellt. - Die Begründungen weiß ich nicht mehr. Gegenüber der Bevölkerung gab es aber immer ein 'Mäntelchen des Rechts'.

Jetzt kamen immer wieder schlimme Meldungen aus Polen von Übergriffen auf Volksdeutsche und die Drohung, daß man sich das nicht mehr lange gefallen lassen könne. - Als dann der Überfall auf den deutschen Sender Gleiwitz in Oberschlesien erfolgte, war das Maß voll und Hitler erklärte am 1. September 1939: "Ab 05:45 Uhr wird zurückgeschossen!" - Damit begann Hitler den Zweiten Weltkrieg als 'Verteidigungskrieg'. Erst lange nach dem Ende des Krieges erfuhren wir glaubhaft, daß Hitler diesen Überfall selbst inszeniert hatte. - Seine Mitverantwortlichen wurden deshalb in Nürnberg zu Recht wegen 'Vorbereitung und Durchführung eines Angriffskrieges' verurteilt.

Die 'Nürnberger Prozesse' könnten wegweisend für das Internationale Recht sein, wenn man nicht immer wieder Beispiele dafür bekäme, daß heute immer noch mit zweierlei Maß gemessen wird. - Wie weit sind wir denn heute wirklich vom Grauen des 'Dritten Reiches' entfernt, wenn Angriffe gegen den Irak - und drohende gegen den Iran mit Hilfe von Falschmeldungen als 'Verteidigung gegen den Terrorismus' umgemünzt werden. - Die Bundesrepublik darf keine Angriffskriege führen! - Wie weit sind wir aber schon durch die internationalen Verbindungen hineingezogen worden?

Gegen den Terrorismus kann man wahrscheinlich nur erfolgreich kämpfen, wenn man die Gründe für seine Entstehung beseitigt. Die liegen z.Teil auch in der Überheblichkeit der westlichen Industrienationen.

Bei Beginn des Zweiten Weltkrieges waren wir jungen Menschen überzeugt, daß wir unser Vaterland verteidigen müssen. Ich habe mich deshalb als Kriegsfreiwilliger gemeldet. Es hat recht lange gedauert, bis ich den Fehler eingesehen habe. - Wir können die Fehler heute nur vermeiden, wenn wir erkennen, daß wir wieder auf einem schlechten Weg sind, falls wir uns nicht für ein Gegensteuern engagieren. - Wer bringt die Verantwortlichen heute vor ein Kriegsverbrecher-Tribunal?

Atomwaffen sind in den Händen jeder Nation gefährlich. Es gibt keine Rechtfertigung für den Einsatz von Streubomben und Anti-Personen-Minen und ähnlichen Kriegsmitteln, die vorwiegend die Zivilbevölkerung schädigen. Schon Wirtschaftssanktionen wirken sich meist mehr auf die Zivilbevölkerung aus.

Wenn ich die heutige politische Entwicklung verfolge, wenn ich lese, daß für den Tod von 170 US-Soldaten der Iran verantwortlich gemacht werden soll, um damit 'Beweise' für eine 'devensive Militäraktion' zu haben, kann ich meinem Gedächtnis nicht verbieten, an den angeblichen 'Angriff' von Ende August 1939 auf den Sender Gleiwitz zu denken. - Wer stellt heute die Verantwortlichen für die Vorbereitung eines Angriffskrieges vor Gericht?

Sicher ist es äußerst bedrohlich, Atomwaffen in den Händen von Fanatikern zu wissen. Wer aber kann sicherstellen, daß solche Waffen nicht von Fanatikern in den derzeitigen Atommächten eingesetzt werden?

Ich habe nicht den Eindruck, daß heute die Öffentlichkeit mehr Aufmerksamkeit und Mut zeigt als 1939, um eine äußerst gefährliche Entwicklung zu verhindern, eine Entwicklung, die auch die kommende Klimakatastrophe noch gefährlicher machen dürfte. - Es ist leicht, sich im Fernsehen Filme über die Geschichte des Hitlerreiches anzusehen. Es denkt sich leicht: "Was waren das damals nur für Menschen!" - Ich fürchte, daß die meisten der jetzigen Generation nichts daraus gelernt haben.

Handle jeder mit Mut, um den Frieden zu erhalten! - Handeln wir, ehe es zu spät ist!


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