Kernenergie und Verantwortung für die Zukunft

zum Energiegipfel in Berlin 03.04.06


In Berlin soll über die Energiepolitik für die Zukunft debattiert werden. Zunächst war vorgesehen, nicht am Ausstiegsbeschluß der alten Regierung zu rütteln. - Jetzt haben es die Konzerne wohl fertiggebracht, daß das Thema doch auf die Tagesordnung kommt. - Es soll also weitergehen mit der Kernenergie.

Wir Bürger wissen nicht, was wirklich besprochen werden wird. - Ein wesentliches Argument wird - jedenfalls in der Öffentlichkeit - ausgeklammert:

Energieerzeugung in Kernkraftwerken führt unweigerlich zu einer sehr großen Produktion von radioaktiven Abfällen, die über Jahrtausende ihre Gefährlichkeit behalten! Es gibt keine Möglichkeit einer sicheren Lagerung! - Wir gefährden über unabsehbare Zeit das Leben auf der Erde schlechthin!

Gibt es in unserer Gesellschaft den Begriff "Verantwortung" nicht mehr? - Stellen wir uns doch einmal vor, daß die, die heute die Entscheidungen in Richtung Kernenergie treffen, sich später einmal vor einem Weltgerichtshof zu verantworten hätten. Welche Höchststrafe wäre noch denkbar? - Gäbe es irgendeine Entschuldigung, die mildernde Umstände rechtfertigte? -

Die heute Verantwortlichen werden wohl tot sein, wenn der Gerichtshof tagen wird. Die Behauptung, daß es nicht anders geht, kann in unserer Verschwendungsgesellschaft nicht gelten. Es sind Milliarden in die Kernenergieentwicklung geflossen. Ähnliche Summen benötigen wir, um den alternativen Energien zum Durchbruch zu verhelfen.

1977 habe ich unter dem Pseudonym 'Günther Frisch' in unserer Zeitschrift 'Information - Zukunfts- und Friedensforschung' (Heft 1/2 1977, S.3-5) einen Leitartikel 'Planstellen für das Jahr 3000' geschrieben. Darin heißt es am Schluß:

"Mancher mag solche Argumentationen für absurd halten, spätere Generationen aber bestimmt nicht. Wir haben es einfach noch nicht gelernt, daß wir nicht nur für unsere leiblichen Kinder, sondern auch für Menschen in viel größerem zeitlichen Abstand verantwortlich sind, wenn unsere Maßnahmen die Welt für solche Zeiträume verändern. Auch die Menschen des Altertums haben Wüsten geschaffen. Sie überblickten aber die Folgen ihres Handelns nicht. Unsere Schuld gegenüber der Nachwelt kann viel größer werden, da wir die Folgen in gewissem Umfang übersehen können.

Wer heute sein Ja für die Entwicklung der Kernnergie in der bisherigen Form abgeben will, möge sich im Gedankenexperiment prüfen, ob und mit welchen Argumenten er bereit wäre, seine Entscheidung vor einem Tribunal des Jahres 3000 zu rechtfertigen und welche davon noch Bestand haben dürften, auch, wenn die heutige Situation berücksichtigt würde."


Seit ich diese Worte schrieb sind fast 30 Jahre (eine Generation) vergangen. Daß wir diese Verantwortung für eine fernere Zukunft tragen, haben wir offenbar immer noch nicht gelernt.


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