Demonstration am 02.06.07 in Rostock gegen den G8-Gipfel
War sie ein Erfolg?



Das Ergebnis dieser Demonstration hat einen bitteren Beigeschmack. Sie hat leider - wegen der Ausschreitungen der 'Autonomen' nicht das errreicht, was sie wollte. Meine Frau und ich haben von 16 - 18 Uhr die Live-Übertragung im Sender Phönix gesehen und dann das, was die normalen Nachrichtensendungen gebracht haben.

Auf der Abschlußkundgebung der Demo waren kluge Argumente gegen G8 zu hören. - Die Nachrichten brachten dagegen praktisch nur Bilder von den Ausschreitungen am Rande der Veranstaltung.

Ich muß zugeben, daß die Veranstaltungleitung sich anfangs auch nicht klug und deeskalierend verhielt: Offenbar gab es schon Probleme mit der Polizei am Rande. Da forderte einer von der Veranstaltungsleitung die Polizei auf, nicht selbst eine Eskalation zu produzieren. Das war ja vernünftig. - Völlig ungeeignet war aber die Wortwahl. Er spach von 'Bullen' und rief mehrfach: "Haut ab!" - Mit solchen Worten verhärtet man doch nur die Fronten.

Als ich 1960 - 1963 an den Ostermärschen der Atomwaffengegner teilnahm - 1962 war ich verantwortlicher Marschleiter der Gruppe Hannover - sagten manchmal uns begleitende Polizisten vertraulich, daß sie lieber in unseren Reihen mitmarschieren würden. - Dienstlich mußten sie aber auf der anderen Seite stehen. - Wer meint denn wirklich, daß er die Situation verbessert, wenn er Polizisten als 'Bullen' beleidigt? - Wenn jemand den Polizeiberuf ergreift, so doch normalerweise nicht deshalb, weil ihm Schlägereien Spaß machen.

Wie steht es aber um die 'Autonomen'? - Uns hat man seinerzeit zu Unrecht verdächtigt, daß wir von der Sowjetunion 'gesponsert' würden. Gibt es 'Sponsoren' für die Autonomen? - Es berührt mich tief, wenn ich solche vermummten Gestalten sehe, die doch nicht die Ziele der G8-Gegner vertreten sondern deren Einsatz eher zunichte machen. - Wenn ich etwas erreichen will, muß ich dafür einstehen. In den Jahrzehnten meines Engagements für den Frieden und die Zukunft bin ich immer mit meinem Namen für meine Auffassungen und Taten eingetreten. (Daß ich manchmal das Pseudonym 'Günther Frisch' bei Veröffentlichungen verwendete, hatte andere Gründe.)

Diese 'Autonomen' sind keine G8-Gipfel-Gegner; denn sie machen bewußt das kaputt, wofür 'attac' und viele andere einstehen. Sie liefern unserer Regierung die Rechtfertigung für die nach meiner Meinung weit überzogenen Sicherheitsmaßnahmen. Sie sorgen dafür, daß die sachlichen Argumente gegen den G8-Gipfel nicht gehört werden, weil die Medien lieber Bilder und Berichte von den Krawallen bringen.

"Eine andere Welt ist möglich!" war das Motto der Gegendemonstration. - "Wir sind schon diese andere Welt" wurde ermunternd gesagt. - Doch, wenn eine andere nichtkapitalistische Grundhaltung diese bessere Welt ermöglichen soll, kann das nur eine friedliche Welt sein. - Der Weg dahin ist sehr schwer. Aber wir müssen ihn finden. Auch ich suche noch in meinem Alter von fast 86 Jahren und habe den 'attac-Slogan' auch auf dieser Homepage verwendet. - Wenn ich 40 Jahre jünger wäre, so wäre ich vermutlich in Rostock und um Heiligendamm dabei - aber keinesfalls als 'Autonomer'.

03.06.07 - Lothar Schulze


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