Atomenergie - Nein danke! - Der Atommüll - das unlösbare Problem!

(11.07.08)


Im Juni 1977, also vor 31 Jahren, erschien in unserer Zeitschrift 'Information - Zukunfts- und Friedensforsachung' (Heft 1/2 1977, S. 3 - 5) unter dem Pseudonym 'Günther Frisch' ein Leitartikel von mir mit der Überschrift 'Planstellen für das Jahr 3000'. Er befaßte sich mit dem Problem der sicheren Lagerung der radioaktiven Abfälle bei der Kernenergiegewinnung. (Wegen der großen Mengen und den langen Halbwertszeiten hätte ich auch das Jahr 30 000 oder 300 000 nennen können.)

Damals habe ich meine Bedenken noch etwas zurückhaltend formuliert. Aber, wie auch heute, wurde das Problem mehr oder weniger totgeschwiegen. - Der genannte Artikel ist in dem Bereich 'Aufsätze' auf dieser Homepage eingeordnet, um nicht alles wiederholen zu müssen. Gedanken, die mir ganz wesentlich scheinen, will ich hier aber darstellen.

Gegenüber der durch die Kernspaltung entstehenden Radioaktivität ist die natürliche, der das Leben immer ausgesetzt war, um Größenordnungen kleiner. Es muß also durch strengste Überwachung sichergestellt werden, daß die belebte Welt keinen Schaden nimmt. - Möglicherweise geraten die sogenannten Endlager aber ganz außer Kontrolle, wie das Beispiel 'Asse' zeigt.

Sehr viele Menschen der späteren Generationen müssen also mit Überwachungsaufgaben und Katastrophenschutzmaßnahmen beschäftigt und dafür bezahlt werden. Sie bringen maximal eine Gefahrenabwehr, aber keinerlei Nutzen und sind nur entstanden, weil wir, die derzeit Lebenden, zu anderen Lösungen nicht fähig waren oder sie nicht wollten, weil die Wirtschaft nur an möglichst hohen Gewinnen interessiert ist. Oder auch, weil wir in den Industrienationen nicht bereit sind, unsere Lebensansprüche (nicht die von Hartz-IV- Empfängern) etwas herabzusetzen.

Da es bereits viele Kernkraftwerke gibt, die auch schon Jahrzehnte in Betrieb sind, existiert das Problem bereits heute und läßt sich nicht mehr aus der Welt schaffen. - Nun aber wird wegen der sich immer deutlicher abzeichnenden Klimaproblematik gefordert, zur Verminderung des CO2-Ausstoßes wieder stärker auf die Kernenergie zu setzen und in der Bundesrepublik den 'Ausstieg aus dem Ausstieg' zu beschließen. - Nach meiner Auffassung war der Ausstiegsbeschluß der damaligen rot-grünen Regierung schon ein sehr fauler Kompromiß, weil er darauf abzielte, daß er schon bei den vergangenen Bundestags-Neuwahlen bei geeigneter Stimmverteilung von der CDU hätte gekippt werden können. Da aber die SPD mit in der Regierung sitzt, war das nicht möglich, wird aber jetzt für 2009 angestrebt.

Wie ich schon vor 31 Jahren schrieb, ist, wegen der Probleme mit den radioaktiven Abfällen, die Kernenergiegewinnung nicht zu verantworten. - Gäbe es überhaupt eine Rechtfertigung, wenn die Gefährdung des Lebens auf der gesamten Erde die Folge ist?

Als Gründe für den Einsatz der Kernenergie werden doch nur Probleme genannt, die erst von den Menschen unserer Generationen produziert werden. Diese müssen auch von uns wieder beseitigt werden, ohne sie späteren Generationen aufzubürden. Das Argument eines Notstands ist nicht vorzubringen; denn wir könnten die Dinge ändern, wenn wir nur wollten. Allerdings gilt hier ein Wort von Albert Einstein: "Man kann die Probleme nicht mit den Denkweisen lösen, die zu ihnen geführt haben." - Notwendig für den Erfolg ist eine weltweit verbreitete Bewußtseinsänderung, bei der nicht mehr das 'Haben' sondern das 'Sein' im Vordergrund steht.

Hüten wir uns aber bei unseren Bemühungen vor einer Argumentation: 'Erst, wenn alle mitmachen - oder gar, wenn die anderen anfangen - bin ich bereit, mich auch umzustellen!'

Seit meiner Jugend ist eine Äußerung des Dichters Walter Flex aus dem 1. Weltkrieg ein Leitgedanke für mein Leben: "Es ist nicht damit getan, sittliche Forderungen aufzustellen, sondern man muß sie an sich vollstrecken, um ihnen Leben zu geben." Hören wir also nicht hin, wenn die anderen sagen: 'Alle anderen Länder setzen auf Kernenergie, nur Deutschland nicht!' - Was richtig oder falsch ist, wird nicht durch eine Mehrheitsmeinung bestimmt, deren Zustandekommen dazu noch sehr fragwürdig ist. - Wie hoch mögen die Summen sein, die die Kernenergielobby bei der nächsten Wahl aufwenden wird?

Wo muß denn das Umdenken ansetzen? -

Das menschliche Glück hängt nicht von der Höhe des Bankkontos ab. Ein gewisses Guthaben ist nötig. Nach oben ist der Spielraum sehr groß und hängt von unserer Einstellung zum Leben und von unserer Lebensweise ab. Bei größeren Vermögen nimmt das wirkliche Glück eher wieder ab. Auf der Erde existieren Völker mit sehr unterschiedlichen Vermögensverhältnissen. Man kann nicht sehen, daß die weniger reichen auch weniger glücklich sind. Muß es denn Bali sein? - Oder bietet uns eine deutsche Nordseeinsel die bessere Erholung?

Das Gefühl der Liebe ist sehr stark mit dem Glück verbunden. Haß und Bitterkeit entwerten das Leben. Deshalb bin ich der Meinung, daß wir ruhig unsere materiellen Ansprüche an das Leben zurückschrauben können, ohne dabei etwas Wesentliches zu verlieren. Wer, wie ich, Krieg und Nachkriegszeit erlebt hat, weiß, daß Glück in materiellen Dingen eine relative Größe ist. Die Wachstumsideologie ist Gift für die Welt. - Ich will es ganz deutlich sagen: Wir, in den Industrienationen, müssen unsere Ansprüche deutlich herabsetzen, damit die Menschen in den ärmeren Ländern ihren Lebensstandard auf ein menschliches Maß anheben können, ohne die Gefahr für die Natur noch zu vergrößern. Wenn wir vernünftig sind und uns von einigen Ideologien befreien, brauchen die Einschränkungen vermutlich gar nicht sehr groß zu sein.

Die Wirtschaft hat dem Menschen zu dienen, nicht dem Einzelnen, sondern der Gesamtheit. Das Gewinnstreben darf nicht maßgebend für unsere Entscheidungen sein. Der 'Markt' und die 'Globalisierung' können das offenbar nicht leisten. - Zu diesem Thema habe ich an anderer Stelle schon viel geschrieben.

Die Industriestaaten dürfen also ihre hohen Ansprüche nicht zu Lasten der ärmeren Völker und der späteren Generationen aufrechtzuerhalten versuchen. Ein böses Wort für die falsche Richtung ist die 'Ausbeutung' von Rohstoff- und Energiequellen. Unsere Tätigkeit heute darf zukünftiges Leben nicht gefährden. Deshalb ist der Weiterbetrieb und Neubau von Kernkraftwerken ein Verbrechen an der Schöpfung. - Diese Behauptung mag heute manchen empören. Wenn aber, irgendwann in der Zukunft, die schrecklichen Folgen alles bedrohen werden, wird diese Haltung ein Anklagepunkt sein, wenn es dann überhaupt noch jemanden gibt, der Anklage erheben kann. - Die Anzuklagenden werden dann nicht mehr leben. Sollten sie aber nicht doch heute schon darüber nachdenken?


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