Kooperationsspiel 'Alle können gewinnen!'

(Ein Rollenspiel - Auszug)


15.03.90

Erstes Gespräch

Werner:
Es ist doch immer wieder dasselbe Leiden: Wenn man die Zeitung aufschlägt, liest man von Kriegen und Bürgerkriegen. Immer wieder wird die Konfrontation gewählt, obwohl wir uns diese in der allgemeinen Weltsituation gar nicht leisten können. Wir sind ja auf dem besten Wege, unsere Lebensgrundlagen zu zerstören. Mit mehr Kooperation - auch, wenn vielleicht unterschiedliche Interessen vorhanden sind - kämen wir doch erheblich weiter und würden nicht so vielen Menschen Leid zufügen.

DELPHIN: Das ist es, was auch mich immer wieder beschäftigt. Es genügt aber sicher nicht, wenn wir einige wenige auf diesen Weg führen. - Da gibt es ja schon Gruppen genug. - Wir müßten möglichst viele zu einer anderen Haltung bringen.

Mechthild: Das geht meines Erachtens nur über das Fernsehen; denn in Vortragsveranstaltungen erreicht man immer nur eine kleine Gruppe. Das sind dann zum großen Teil auch noch solche Menschen, denen das, was wir sagen, schon in Fleisch und Blut übergegangen ist. - Beim Fernsehen kann man, wenn man Glück hat, Millionen erreichen.

Werner: Diese Millionen erreichst du aber nicht mit Vorträgen oder Diskussionen im Dritten Programm. Da müssen wir uns schon etwas einfallen lassen, das mehr Spannung erzeugt und doch die gewünschte Wirkung hat.

Mechthild: Die Menschen müßten spielerisch das richtige Verhalten lernen. - Für Spiele ist doch immer Begeisterung da. Ich denke da an die vielen Quizsendungen. - Man müßte da aber auch den geeigneten Showmaster finden, dem es nicht nur auf die Einschaltquoten ankommt, sondern der sich auch für die Sache begeistert und einsetzt.

Werner: Ich weiß nicht, wer da jetzt infrage kommt. Aber vielleicht hätte man früher einmal Frank Elstner gewinnen können - als er die Sendung 'Wetten daß ...' im Frühjahr 1987 abgegeben hatte und nach etwas neuem suchte. - Inzwischen ist es ja um ihn still geworden, nachdem die Reihe 'Nase vorn' bis heute nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat. Ich las nach dem Abschluß von 'Wetten daß ...' einmal über ihn, daß er es nicht gut fände, wenn eine Show auf Kosten der Kandidaten gemacht werde, man sie also vor einem Millionenpublikum bloßstellte, wie das wohl vor allem in Amerika geschieht. Außerdem interviewt er ja auch Nobelpreisträger. Das zeigt doch, daß er über umfangreiches Wissen verfügt.

Mechthild: Er hat sich auch über Böhms Hilfswerk in Äthiopien positiv, ja bewundernd, geäußert - für mich ein Zeichen, daß ihn das Schicksal von Menschen bewegt.

DELPHIN: Mir fällt leider auch kein Showmaster ein, den man heute für eine solche Sendung gewinnen könnte. - Und es muß ja auch die Programmdirektion mitmachen. - Vielleicht könnten wir aber doch etwas weiterkommen, wenn wir einmal ein Rollenspiel versuchen, um festzustellen, wie es hätte gehen können, wenn wir uns damals an Frank Elstner gewandt und ihm eine neue Spielidee, also ein Kooperationsspiel, vorgeschlagen hätten. - Ich finde, solche Rollenspiele können oft Klarheit in ein Problem bringen.

Mechthild: Wie stellst du dir aber vor, wie wir vorgehen könnten?

DELPHIN: Da gibt es kein fertiges Rezept. - Wir müssen einfach anfangen und dann sehen, wie das weiterläuft. - Da ich auf dem Gebiet solcher Rollenspiele einige Erfahrung habe und mich auch mit der Frage von Kooperationsspielen schon längere Zeit befaßt habe, werde ich - wenn es euch recht ist - die Einleitung übernehmen. Ich werde einen fiktiven Brief verfassen, wie ich ihn damals vielleicht geschrieben hätte. Den schicke ich euch dann, und wir sehen zu, wie es weitergehen könnte. - Um jedoch darzustellen, daß es sich um eine Fiktion handelt, werde ich nicht 'Elstner' sondern 'Nestler' schreiben, und mein Name in dem Rollenspiel wäre einfach 'Meyer'. - Wenn ihr damit einverstanden seid, sollten wir hier erst einmal abbrechen.

Der fiktive Brief

26.10.87
Herrn Frank Nestler .......

'Alle können gewinnen!' - Kooperationsspiele als Fernsehshow
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Sehr geehrter Herr Nestler,

schon im April waren einige Dinge zusammengekommen, die mich veranlaßten, einen Brief an Sie zu entwerfen. Vielleicht wäre es auch besser gewesen, wenn er damals abgegangen wäre. Ich fand aber nicht die Muße, um meine Vorschläge so zu formulieren, daß sie auch überzeugt hätten. Dann hätte mein Brief aber auch keinen Sinn gehabt.

Folgendes brachte mich damals auf den Gedanken, Ihnen zu schreiben. Ich hatte Ihre letzte Sendung 'Wetten, daß ...?' gesehen und gleichzeitig auch in HÖR ZU über Sie gelesen, daß Sie es nicht gut finden, wenn eine Show auf Kosten der Kandidaten gemacht wird, diese sich also vor einem Millionenpublikum bloßstellen müssen. Außerdem hörte ich Ihre bewundernde Äußerung über Herrn Böhms Hilfswerk in Äthiopien. Damals verlautete, daß Sie eine Denkpause einlegen wollten, um danach mit etwas Neuem die Fernsehzuschauer zu begeistern.

Ich möchte Ihnen hiermit über eine andere Art von Fernsehshow einige Gedanken vortragen, die mich schon lange beschäftigen, aber nie ausgereift sind. Mir fehlte bisher auch der geeignete Ansprechpartner. Nach dem, was ich über Sie gehört habe, hoffe ich, diesen vielleicht in Ihnen finden zu können.

Meine Gedanken laufen darauf hinaus, daß man Fernsehshows nicht nur zur Unterhaltung, sondern darüberhinaus - mittels Lerneffekts - zum Nutzen der Menschen, ja sogar des gesamten Lebens auf der Erde machen sollte. - Natürlich kann das nur ein kleiner Beitrag sein, im Bemühen, die Dinge zum Besseren zu wenden.

Wenn das, was mir vorschwebt, von Ihnen realisiert werden könnte, hätten Sie eine gewaltige Möglichkeit, mit Ihren Fähigkeiten zum Wohle der Welt beizutragen. Ich hoffe, daß ich in der Lage bin, Sie davon zu überzeugen.

Es liegt natürlich nahe, Vorschläge mit einem so hohen Anspruch als 'Spinnerei' abzutun, vor allem, wenn man den nicht kennt, von dem sie stammen. Deshalb müßte ich Sie zunächst etwas über meine bisherigen Aktivitäten informieren. Ich will das aber lieber mit einem Abriß und Material in der Anlage tun. Hier möchte ich gleich meine Vorstellungen entwickeln:

'Nullsummendenken' als eine Ursache für die Unfähigkeit zur Problembewältigung

Wenn man sich um die Sicherung des Lebens auf unserer Erde Sorgen macht, so fragt man sich natürlich oft, warum so wenig in der richtigen Richtung geschieht, obwohl doch die meisten Gefahren und ihre Ursachen bekannt sind. Meines Erachtens liegt vieles darin begründet, daß uns immer wieder ein falsches Verhalten eingetrimmt worden ist. Wir treffen unsere Entscheidungen meist nach den Regeln der sogenannten 'Nullsummenspiele', d.h. was der eine gewinnt, verliert der andere (die Summe von Gewinn und Verlust ist also Null). Gerade auch im Bereich der Spiele werden wir zu einem solchen Denken immer wieder angeregt, auch, wenn das Fernsehen z.B. dafür sorgt, daß der Verlierer selbst nicht bezahlen muß, sondern mit einem Trostpreis abgespeist wird. Ein typischer Fernsehtitel für solche Konkurrenzspiele ist 'Einer wird gewinnen!'

Immer wieder lernen wir in unserer Gesellschaft, daß wir besser sein müssen als die anderen, daß es deren Pech ist, wenn sie im Lebenskampf auf der Strecke bleiben. Das gilt ja z.B. auch in der Wirtschaft, besonders auch in der Weltwirtschaft. Wir wollen z.B. nicht wahrhaben, daß der Bedarf an bestimmten Produkten sinkt oder aus Umweltgründen gedrosselt werden sollte. Wir wollen uns dann auf dem schwächer werdenden Markt behaupten, indem wir auf Kosten von Arbeitsplätzen rationalisieren und mit höherer Technologie die anderen ausstechen. Daß die Not der Schwächeren z.B. in den Entwicklungsländern dadurch steigt, ist dann deren Problem.

Unsere Welt erfordert heute kooperatives Denken und Handeln.

Die Natur kennt in vielen Bereichen die Kooperation - als einfachstes Beispiel die Bestäubung der Blüten durch Insekten und ihre Belohnung durch Nektar. Viele Probleme des menschlichen Zusammenseins entstehen hingegen dadurch, daß wir das Konkurrenzdenken der Kooperation vorziehen. Daß das nicht gut ist, merken wir manchmal in der Wirtschaft, wenn der Abgeschlagene nun, weil er finanziell am Ende ist, als Kunde ausfällt. - Die Spieltheorie hat neben den 'Nullsummenspielen' auch 'Nicht-Nullsummen-Spiele' untersucht. Das sind Spiele, die die Kooperation einüben sollen. Doch diese sind den meisten Menschen nicht geläufig.

'Nicht-Nullsummen-Spiele' sollten die kooperative Haltung einüben.

Ich meine, daß wir durch Spiele dafür sorgen müßten, daß es vielen Menschen in Fleisch und Blut übergeht, daß kooperatives Verhalten ihnen und den anderen nützlich ist, ja, daß nur auf diese Weise eine menschliche Gesellschaft entstehen kann, die mit den Problemen unserer Zeit und der Zukunft fertig werden kann.

Ich habe mich schon länger mit dieser Frage beschäftigt und bin auf die sogenannte Spieltheorie gestoßen. Da gibt es z.B. 'Prisoner's Dilemma' und ein 'Speditionsspiel', welches Verkehrsprobleme produziert, als Kooperationsspiele. Auf deren Erläuterung möchte ich allerdings hier verzichten. Sie finden etwas dazu in der Anlage. - Leider habe ich nie die Zeit gefunden, mich mit diesen Fragen gründlicher zu befassen und einen eigenen Entwurf vorzustellen. Bisher waren aber auch die Voraussetzungen für einen Erfolg noch nicht so gut.

'Alle können gewinnen!' als Fernsehshow

Ich will nun versuchen, Ihnen möglichst übersichtlich darzustellen, welche Punkte nach meiner Auffassung wesentlich wären, wenn eine Fernsehshow zum spielerischen Einüben kooperativen Handelns geschaffen werden soll. Sie soll den Arbeitstitel 'Alle können gewinnen!' haben und im Haupt-Abendprogramm laufen, also auch genügend attraktiv sein.

1. Es müssen interessante Spiele erfunden oder gefunden werden, bei denen zwei oder mehr Spieler vor ein Problem gestellt werden, bei dem jeder, wenn er sich gegenüber dem oder den anderen durchsetzen könnte, einen maximalen Gewinn hätte. Die anderen können aber diese Durchsetzung mehr oder weniger behindern, so daß Verluste eintreten, wenn man nicht zu einem kooperativen Handeln kommt. Beim idealen Spielverlauf gäbe es dann keinen Maximalgewinn, sondern für alle Spieler (ggf. unterschiedlich hohe) optimale Gewinne. Beim Beharren auf dem Konkurrenzverhalten muß es Verluste geben.

2. Was man im Fernsehen sieht, kann zu Hause anschließend geübt werden, wenn die Spiele gleichzeitig auch als Computerspiele für den Heimcomputer entwickelt werden. Der Computer müßte auch auf der Bühne eine Rolle spielen. Zu Hause könnten dann die Aufgaben nachgespielt werden; denn auch das kooperative Handeln lernt man nur durch intensives Üben. - Wie vor sehr langer Zeit Monopoly durch das Fernsehen bekannt wurde, müßte es jetzt die Möglichkeit geben, daß aus den Sendungen 'Alle können gewinnen!' Spiele für den Heimcomputer werden.

3. Diese Taktik ist selbst ein Beispiel für kooperatives Handeln. Sie verspricht guten Erfolg aus den folgenden Gründen: Die Software-Entwickler sind an dem Geschäft sehr interessiert. Das Fernsehen macht kostenlos Reklame, indem es die Spiele vorstellt. Der Home-Computerfan wird durch das Fernsehen angeregt, ein Spiel zu spielen, mit dem er zum Nutzen aller auf spannende Weise etwas lernen kann. Dabei merkt er vielleicht gar nicht, daß er von den 'Schießspielen' abgelenkt wird und ein anderes Lebensverhalten lernt. Im Fernsehen wird aber über das Nachspielinteresse auch eine große Sehbeteiligung erreicht.

4. Für den Erfolg ist es natürlich außerdem von Bedeutung, daß das Spiel für die Zuschauer 'ins rechte Bild gesetzt werden kann'. Es muß also so gestaltet werden, daß es auf der Bühne eindrucksvoll erscheint.

5. Mir scheint es wichtig, daß die Spiele nur unter dem Namen 'Alle können gewinnen!' (Kooperationsspiele) allgemein bekanntgemacht und angekündigt werden. Der beabsichtigte weitreichende Lernprozeß sollte nicht herausgestellt werden, damit nichts abgeblockt wird; denn es entspricht nicht unserem normalen Weltbild, von vornherein die Interessen des anderen im eigenen Handeln mit zu berücksichtigen. Es gilt ja der als der beste Politiker, der 'zum Nutzen seines Volkes' am besten pokern kann.

6. Die Spiele sollten so interessant sein, daß sie die üblichen Konkurrenzspiele aus dem Felde schlagen, daß also die Menschen lieber Kooperation spielend erlernen.

7. Ich habe noch keine Vorstellung, wie die Spiele aussehen könnten. Als Anregung könnte Prisoner's Dilemma und das Speditionsspiel dienen (siehe Anlage!). Eine wirksame Gestaltung für das Fernsehen können nur Medienfachleute schaffen. Ich bin aber gern bereit, in einem Brainstorming mitzuwirken, um solche Spiele und ein detaillierteres Konzept zu entwickeln.

8. Ein kommerzielles Interesse habe ich nicht. Mir geht es nur um die Sache. Ich verspreche mir mehr Erfolg, wenn das Unternehmen unter Ihrem Namen in Gang käme.

Das ist nur eine knappe Darstellung meines Vorschlags. Ich weiß nicht, ob Sie bereit und in der Lage sind, ihn aufzugreifen. Sollte das nicht der Fall sein, so können Sie mir aber vielleicht einen Rat geben, wer an Ihrer Stelle weiterhelfen könnte.

Für eine Antwort wäre ich Ihnen dankbar.

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