DELPHINs Vermächtnis

(Auszug - Schluß des Buches - ab Seite 379)

10.05.96

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Barbara: Da gibt es aber viele Einzelne und meist kleinere Gruppen, die sich - wie man so schön sagt - vor Ort um die vielen Probleme ihrer Mitmenschen oder auch der Umwelt bemühen. Wie siehst du denn deren Arbeit? Die befinden sich doch auch in der 'Antiwelt des Seins', arbeiten ehrenamtlich und opfern viel Freizeit. Viel Dank können sie meist nicht erwarten.

DELPHIN: Ich schätze einen solchen Einsatz hoch ein. Wir sprachen ja schon davon, daß das nötig ist. - Um auf das chinesische Sprichwort zurückzukommen: Sie alle sind dabei, kleine Steine wegzutragen. Und nur aus einer sehr großen Zahl von verschiedenen Aktivitäten kann dann das Ganze gelingen. Wenn wir aber den Berg versetzen und nicht nur abtragen wollen, muß jeder wissen, wohin er seine Steine bringen soll. Er muß sich also fragen, wie sich sein Tun auf die Lösung der globalen Probleme auswirkt. Wir kommen damit immer wieder zu dem Ergebnis, daß ein 'Gaia-Denken' Voraussetzung für das Gelingen ist.

Barbara: Ich zähle mich eher zu der Gruppe der einfacheren Menschen, habe kein Hochschulstudium vorzuweisen. Du gibst mir Mut, mitzuhelfen an der großen Aufgabe, die du uns gezeigt hast. Ich habe von dir gelernt, daß es für jeden Menschen einen Bereich gibt, den er ausfüllen kann.

Ich versuche einmal, mir unsere Fahrt zum Col de Bavella als Symbol für das vorzustellen, was zu tun ist: Vor uns liegt der kurvenreiche und gefährliche Aufstieg vom Solenzarafluß zum Paß. Das heißt, es werden erst große Schwierigkeiten zu überwinden sein. Doch dann erreichen wir den Paß mit der alten Pinie, das Symbol des Lebens, das schon Jahrmillionen währt und geschützt werden muß. Sie liegt im Nebel. - Ist es ein Nebel giftiger Abgase, der sie bedroht? - Nun kommt unsere Umarmung. - Vielleicht sollten wir sie als Umarmung aller auffassen, die guten Willens sind. - Das heißt wir finden Mitstreiter, fühlen uns gemeinsam stark. Darauf folgt der Abstieg auf einer breiteren Straße, die auch nicht ohne Gefahr ist. Wir sind aber durch die Umarmung erfüllt mit Hoffnung, daß wir gemeinsam unser Ziel erreichen können. - Schließlich ist unser Blick nicht mehr von Bergen verstellt. Die weit verzweigte Bucht von Porto Vecchio tut sich vor uns auf. Sie ist für mich ein Symbol für die vielen wunderbaren Möglichkeiten, die die Menschheit hat, wenn sie sich nur aus den vielen Verstrickungen lösen kann, deren Ursprung bei allen in der 'Welt des Habens' zu finden ist. - Oh, könnte ich einmal diesen Weg gehen!

DELPHIN: Das hast du sehr ergreifend gesagt. Durch diese meditative Übertragung wird uns immer - gleichzeitig mit der Erinnerung an unsere herrliche Fahrt, die ich euch verdanke - die Mahnung auftauchen, daß wir nicht müde werden dürfen in unserem Einsatz für eine bessere Zukunft.

Durch unser Gespräch wißt ihr es schon. Doch ich will es noch einmal zusammenfassen, will noch einmal betonen, was uns bei unseren Bemühungen um eine lebenswerte Welt noch fehlt. - Ich will da auch etwas meditieren. Vielleicht soll das dann mein Schlußwort sein.

Auf der Fahrt zum Mond - vom Weltenraum aus gesehen - haben die Astronauten einen einmaligen Anblick von der Erde gehabt - eine einsame blaue Kugel in der Unendlichkeit des Alls. Und winzig klein waren sie in ihrer Kapsel. Sie alle haben ein anderes Bild von der Welt mit nach Hause gebracht, als sie es vorher hatten. - Und, wenn wir noch in der Lage sind, unsere Umwelt mit all unseren Sinnen aufzunehmen, können auch wir uns dem wunderbaren Gefühl nicht entziehen, das eine schöne Landschaft auf uns ausübt. Die meisten Menschen streben in ihrer Freizeit doch nicht in das Gewühl einer Großstadt, sondern in die freie Natur. - Die Brandung des Meeres, das Rauschen der Blätter in einem Laubwald, das Reh mit einem Kitz auf einer Lichtung, ein Sonnenuntergang, das bleiche Licht des Vollmonds - all das können Erlebnisse sein, die wir - ebenso wie die Liebe - nicht in unseren Erinnerungen missen möchten. - All das ist so gewaltig - und doch so zerbrechlich, wenn die Menschen unachtsam damit umgehen.

Gemessen am Alter der Erde dürfen wir nur eine winzige Zeitspanne auf ihr zu Gast sein. Die sollen wir freudig genießen, uns aber auch wie Gäste benehmen, die daran denken, daß auch noch andere ähnliches Glück empfinden möchten.

Ohne den Einfluß des Menschen hat sich der Planet Erde in einer wundervollen Weise entwickelt. Es hat auch Katastrophen größten Ausmaßes gegeben, durch die aber auch wieder Neues entstanden ist. - Der Mensch hat diese Harmonie zerstört. Er muß, soweit es noch geht, das natürliche Gleichgewicht wiederherstellen. Wir haben gesehen, daß diese Aufgabe so groß ist, daß wir verzweifeln könnten. Wir werden sehr viel Kraft und Ausdauer benötigen. -

Trotz dieser großen Aufgabe brauchen wir aber auch Bescheidenheit in Bezug auf unsere Möglichkeiten; denn die Chaostheorie mahnt uns, daß wir auch damit rechnen müssen, daß wir - bei allem guten Willen - durch unser Handeln genau das Gegenteil von dem bewirken könnten, was unser Ziel ist. -

In diesem Spannungsfeld zwischen der Größe der Aufgabe und unseren bescheidenen Möglichkeiten müssen wir uns einsetzen. Da heißt es natürlich, unseren gesamten Verstand zu nutzen. Aber der muß ein Ziel sehen: Das Herz, die Liebe zur gesamten Schöpfung soll ihm Richtschnur sein.

Was Liebe wirklich ist, können wir wohl kaum mit dem Verstand erfassen. Wir sollten aber ihre Kraft nicht unterschätzen. - Sie spielt bei uns Menschen eine ganz entscheidende Rolle. - Wer irgendwann in seinem Leben einmal wahre Liebe empfunden hat, weiß wie mächtig sie sein kann. Da werden Dinge geschafft, die vorher unmöglich schienen. - Und solche Stärke, das Unmögliche zu erreichen, brauchen wir, wenn wir Chancen bei unserer Aufgabe haben wollen. Wir brauchen also die Liebe - das Herz.

Doch diese Liebe muß weit über die Gattenliebe oder die zu den Kindern, zu Freunden usw. hinausgehen. Sie muß sich auf die gesamte Schöpfung beziehen. - Und zur Liebe gehört - auch das wissen wir - das Verzeihen können, damit es möglich wird, den Kriegen ein Ende zu bereiten.

Ich möchte es in die Welt hinausschreien: Menschen, setzt euren gesamten Verstand ein - aber auf das eine Ziel ausgerichtet, die Welt vor dem Verderben zu bewahren! - Laßt euch vom Herzen leiten, das hoffentlich nicht aus Stein ist sondern von der Liebe ausgefüllt! Laßt euch von der umfassenden Liebe leiten; denn nur, wenn wir die ganze Welt umarmen möchten, werden wir - auch gegen alle Widerstände - die Kraft finden, die nötig ist, um eine Wendung zu einer besseren Zukunft zu bewirken. Setzt euch ein mit Freude, die euch in der 'Antiwelt des Seins' leicht zufallen wird.

Und euch, liebe Barbara und lieber Heiner, möchte ich noch eines mit auf den Weg geben: Denkt daran, daß manchmal nur eine winzige Schneeflocke fehlt, um einen Ast abbrechen zu lassen. - Glaubt nicht, daß ihr allein das Schicksal der Erde wenden könntet. Aber glaubt, daß ihr vielleicht erreichen könnt, daß sich die 'Waage von Gut und Böse' zum Guten neigt. Vielleicht fehlt da nur ein winziges Gewicht. - Ihr seid nicht allein bei diesem Bemühen. Die Zahl der Mitstreiter wächst. Lernt es zu ertragen, wenn man euch als 'bemitleidenswerte Idealisten ohne Realitätssinn' belächelt. - Glaubt an die Macht der Liebe, die auch mir immer wieder hilft, meinen Weg zu gehen! Das Eis muß brechen. Was Sternstunden bewirken können, haben wir erlebt.

Und, wenn ich euch jetzt in meine Arme schließe und damit versuche, euch so viel wie möglich von meiner Kraft der Liebe zu geben, so werden wir dadurch in der 'Antiwelt des Seins' alle reicher. - Ich lege meine Arme um euch, umarme aber in Gedanken die ganze Welt.

Die Europäische Union hat als Hymne den Schlußchor aus Beethovens Neunter Symphonie gewählt. - Es ist Schillers Ode 'An die Freude'. Der Text und die Musik können uns den Mut geben, den wir brauchen. Freude und Liebe können uns aufrichten. Es ist wohl kaum schöner auszudrücken, welcher Gedanke uns leiten soll:

"Seid umschlungen, Millionen! Diesen Kuß der ganzen Welt!"


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