Wie ich zu den Funden kam - Einführung des Herausgebers

(Leseprobe)

Am 18. Mai 1996 klingelte bei mir das Telefon. Es meldete sich eine Männerstimme etwas schwach und undeutlich. Er nannte sich DELPHIN - dies sei ein angenommener Name - und fragte, ob Günther Frisch persönlich am Apparat sei. Als ich das bejahte, sagte er mir, daß ich dringend in eine einsame Gegend des Bayerischen Waldes reisen möge. Er sei - ich möge es glauben oder nicht - der Letzte einer Expedition von Außerirdischen, die die Aufgabe hatten, der Menschheit bei der Lösung ihrer Probleme zu helfen. Sie hofften, mit ihren besseren Fähigkeiten die drohende Vernichtung dieses Planeten vielleicht noch verhindern zu können. Er habe nur noch wenige Stunden zu leben. Ich solle aber das Vermächtnis übernehmen und zum Nutzen der Menschen veröffentlichen. Wegen einer Katastrophe, Krankheit und anderer Probleme sei es nur wenig, was da zu finden sei. Er habe nur noch die Kraft, mir den Ort zu beschreiben, an dem sich das Material befindet. An mir hinge dann die Verantwortung, daß diese gescheiterte Expedition wenigstens etwas bewirken könne.

Während er mir den Fundort beschrieb, wurde seine Stimme noch schwächer, so daß ich schon fürchtete, vielleicht etwas nicht genau verstehen zu können. - Schließlich sagte er mir noch: "Ich wünsche Ihnen für die Übernahme meines Vermächtnisses viel Kraft und Erfolg - im Interesse des Lebens auf dieser Erde, die ich in sechzehn Jahren so liebgewonnen habe." Das war das letzte was ich von ihm hörte. Ich merkte, daß die Verbindung getrennt war.

Als ich den Hörer aufgelegt hatte, glaubte ich zunächst an einen schlechten Scherz. Aber diese Stimme, so schwach und doch so eindringlich, ließ mich nicht mehr los. Ich prüfte, ob alles, was DELPHIN über den angeblichen Fundort gesagt hatte, auch lesbar notiert war und ausreichen dürfte, die Stelle zu finden. Ich wollte der Sache nachgehen. Wenn ich nichts fände, konnte ich dort wenigstens einige Tage Urlaub machen.

Der angegebene Fundort war eine verlassene und schon sehr verfallene Hütte im 'Nationalpark Bayerischer Wald'. Als ich mich ihr näherte, wuchs die Spannung fast ins Unerträgliche. Ich sagte mir immer wieder: "Sei nicht zu erwartungsvoll, sonst kannst du möglicherweise die Enttäuschung nicht verkraften, wenn man dich nur gefoppt hat!" - Als ich eintrat, fand ich alles so, wie es mir beschrieben war. Die Unterlagen befanden sich - wie angegeben - in mehreren sehr stabilen Luftreisekoffern, deren Schlüssel gesondert gut versteckt waren. An anderer Stelle fand ich noch einige Computerdisketten, deren Daten nur mit einem bestimmten Passwort zugänglich waren, das DELPHIN mir am Telefon genannt hatte. Er hatte mich auch darauf hingewiesen, daß nur der in der Lage sei, mit dem übrigen Material etwas anzufangen, der den Inhalt der Disketten erschließen könne. Für einen anderen Finder der Koffer hätte das gesamte Material den Eindruck gemacht, daß es sich um Skizzen eines Science-Fiction-Autors handle. DELPHIN hatte offenbar große Sorgen wegen der Möglichkeit eines Mißbrauchs, traute mir aber zu, daß ich fähig sei, sein Erbe aufzuarbeiten.

Im Koffer befanden sich Tagebücher, Tonbandkassetten, Zeitungsausschnitte und noch vieles ungeordnete Material, dessen Wert nicht so schnell zu überblicken war. Ich konnte mir die Schlüsselinformationen auch erst mit Hilfe meines Notebooks, eines tragbaren Computers, beschaffen, das ich auf die Reise mitgenommen hatte, weil ich von DELPHIN wußte, daß Disketten vorhanden seien. Das Notebook stand aber in meinem Urlaubsquartier. So eilte ich, aufs höchste gespannt, dorthin zurück, um mir mit Hilfe der Computerinformationen den Zugang zu meinem unerwarteten Erbe zu erschließen. - In dieser ersten Nacht im Bayerischen Wald bekam ich keinen Schlaf.

Was ich las, schien mir so unglaublich, daß ich zunächst die Frage ganz vergaß, wo denn der Mann geblieben war, der mich zu Hause angerufen hatte. Dann fand ich einen Hinweis, daß es keinen Sinn habe, nach seinem Leichnam zu suchen. Niemand werde ihn finden, da er dafür gesorgt habe, daß er binnen kürzester Zeit nach seinem Tod zu Staub zerfiele. - Aber warum hatte er gerade mich angerufen? - Die Antwort darauf sollte ich bald finden.

Doch zunächst erfuhr ich, warum DELPHIN am Telefon von sechzehn Jahren gesprochen hatte, in denen er die Erde liebgewonnen habe. Als ich von seinem Unglück las, kamen auch mir Erinnerungen an die Ereignisse von damals: Vor sechzehn Jahren - am 18. Mai 1980 explodierte im Nordwesten der USA der Vulkan Mount St. Helens. Es war eine Katastrophe, wie sie in der Menschheitsgeschichte in diesem Ausmaß nur ganz selten vorgekommen ist. Glücklicherweise waren bei dieser Explosion, die ohne Vorwarnung 300 Quadratkilometer Gebirgslandschaft verwüstete, nur 70 Menschen umgekommen. Niemand wußte aber bisher, daß der Vulkan auch eine Expedition von ca. 250 Außerirdischen vernichtete. Es waren 125 Wissenschaftler und deren Frauen, die sie mitgenommen hatten, weil eine Rückkehr zu ihrem Heimatplaneten nicht möglich war. Sie waren in dieser menschenleeren Gegend kurz vorher gelandet, damit sie ihren Kontakt zu den Menschen so steuern konnten, wie sie es für notwendig und richtig hielten. Sie fürchteten - vermutlich zu recht - daß andernfalls ihr größeres Wissen und ihre überragende Technologie nur zum Schaden des Planeten benutzt würden.

So scheiterte dieses 'UNTERNEHMEN DELPHIN' - wie sie es nannten - nur wenige Tage nach der Landung. Es überlebten zunächst nur drei - DELPHIN, der mich angerufen hatte, mit seiner Frau - seinem 'Kätzchen' - und ein Kamerad, der schon bald nach dem Unglück starb. Die drei überlebten, weil sie zufällig auf einer Erkundungsreise in größerer Entfernung vom Vulkan waren, als das Unheil geschah.

Das 'UNTERNEHMEN DELPHIN' hatte die Aufgabe, den Menschen bei der Bewältigung ihrer Probleme zu helfen, um den Planeten Erde vor einer möglichen Zerstörung der Lebensgrundlagen zu bewahren. - Aber warum mußte diese Expedition gerade da landen, wo wenige Tage nach der Landung eine so unwahrscheinliche Katastrophe eintrat? - Dies ist auch ein Beweis, daß Wahrscheinlichkeitsaussagen über die Sicherheit im konkreten Fall nie etwas nützen. - So hat die Explosion des Mount St. Helens möglicherweise zur Folge, daß die einzige Chance, mit Hilfe von Außerirdischen die Erde zu retten, vertan ist; denn es ist äußerst unwahrscheinlich, daß eine zweite Expedition die Erde noch rechtzeitig erreichen könnte. Deshalb hängt sehr viel davon ab, ob es mir gelingt, das Vermächtnis DELPHINs so auszuwerten, daß es - wie er es ausdrückt - möglichst viel 'Hilfe zur Selbsthilfe' gibt, damit wir Erdenmenschen es doch noch aus eigener Kraft schaffen.

Ich bin mir im klaren darüber, daß ein möglicher Erfolg allerdings nicht nur auf diese Arbeit zurückzuführen wäre. - Es ist nur ein winziger Bruchteil von dem, was notwendig ist. - Ohne die vielen anderen engagierten Menschen in Umwelt- und Friedensinitiativen und auch in Forschungsinstituten wäre alle Mühe wohl vergeblich. - Es kommt jetzt auf uns alle an!

Wie sollte ich nun dieses außergewöhnliche Material verwenden, das DELPHIN mir anvertraut hatte? ........ Keinesfalls durfte ich also durch komplizierte wissenschaftliche Ausdrucksweise die Leser verschrecken. Sie sollten ein spannendes Buch bekommen, durch das sie angeregt werden sollten, ihre Probleme aus einer anderen Perspektive - gewissermaßen von außen - zu betrachten. Hatte ich nicht selbst auch schon solche Gedanken gehabt? - Manchmal schien es mir beim Lesen der Texte, als ob ich mit mir Selbstgespräche führte.

Die Erklärung hierfür fand ich, als ich auch erkannte, warum DELPHIN sich gerade an mich gewandt hatte, als er sein Ende kommen fühlte: Im Sommer 1980 hatte ich in einer Vortragsveranstaltung zufällig einen Herrn in etwa gleichem Alter kennengelernt, der wohl in fremden Ländern gelebt zu haben schien und dessen Diskussionsbemerkungen meine Aufmerksamkeit erregten, weil sie so ganz andere Perspektiven aufzeigten. Er hieß Rudolf Freitag. Wir kamen ins Gespräch und freundeten uns bald an. In vielen Unterhaltungen haben wir versucht, die Probleme unserer Welt zu durchleuchten und nach Lösungen zu suchen. - Jetzt fand ich Tonbänder und Notizen mit den Gesprächsaufzeichnungen im Nachlaß DELPHINs. Ich hatte ihn also schon vor sechzehn Jahren unter dem Namen Rolf Freitag kennengelernt. Bereits damals hatte er mich auf einen neuen Weg des Denkens geführt, wobei er bewußt die Tatsache nutzte, daß ich - im Gegensatz zu vielen anderen - für eine solche Art zu denken aufgeschlossen war. Möglicherweise spielte dabei eine Rolle, daß ich mich bereits als Jugendlicher für den Aufbau des Weltalls interessierte und während meines Physik studiums Astrophysik eines meiner Wahlfächer war.

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Je mehr ich aber das Material studierte, begann auch bei mir ein Wandel im Denken. Ich bemerkte, daß die Ungenauigkeiten sich ja gar nicht auf die wesentlichen Dinge bezogen, sondern für das, worauf es jeweils ankam, völlig unerheblich waren. Das gesamte Material erschien mir allmählich wie das Gemälde eines großen Meisters oder das Bild eines guten Fotografen, deren Kunst es war, durch die Bildgestaltung, nämlich durch bewußte Unschärfe im Nebensächlichen, die Aussagekraft für die Botschaft, die übermittelt werden sollte, zu erhöhen. Es war nicht meine Aufgabe, über die Expedition der Außerirdischen eine Doktorarbeit mit der besten Note anzufertigen, sondern die Phantasie meiner Mitmenschen anzuregen. Sie sollten fähig gemacht werden, Lösungen zu finden, die außerhalb aller Ideologien liegen.

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Mancher Leser mag sich daran stoßen, daß vielzuviele Gedanken aufgegriffen werden, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. - Das ist sicher eine besondere Schwierigkeit, da wir heute eine 'Welt der Spezialisten' haben, denen die Verbindung von ihrem Fachwissen zu den anderen Gebieten abgerissen ist. Wenn wir aber von DELPHIN etwas lernen wollen, müssen wir uns das 'vernetzte Denken' aneignen, wie es z.B. auch Frederic Vester mit Nachdruck verlangt. - Es ist aber nicht nur die Verbindung der verschiedenen Wissensgebiete, die von DELPHIN immer wieder gefordert wird, sondern auch die von Herz und Verstand. Nur so scheint ihm eine Wende zum besseren möglich zu sein. - Das ist eins von DELPHINs Hauptanliegen, und ich habe versucht, dies durch die Auswahl der Beiträge deutlich zu machen, also auch solche berücksichtigt, bei denen das Gefühl angesprochen wird. - Auf diese Weise wird hoffentlich auch mancher Leserin und manchem Leser deutlich, daß sie selbst auch ihr Teil beitragen können, daß nicht nur Spezialisten gefragt sind.

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Es war für mich sehr schwer, die bestmögliche Gestaltung für das Buch zu finden; denn ich spürte, daß es wohl nur dann die gewünschte Wirkung haben könnte, wenn es mir gelänge, die ganze Persönlichkeit DELPHINs mit seinen Sorgen, seinen Zweifeln, aber auch mit seiner Hoffnung und seiner grenzenlosen Liebe zum Planeten 'Erde' erlebbar zu machen und nicht nur das Wissen, das ja zu einem großen Teil in dieser und jener Form auch schon anderweitig vorhanden ist. Fakten über sein Leben sind, wie schon gesagt, kaum zu finden. Aber in mancher Tagebuchnotiz und auch in den Gesprächen können wir seine Persönlichkeit erahnen. Ich hoffe, daß es mir gelingen möge, den Lesern 'den Menschen DELPHIN' nahezubringen.

Die Materialien DELPHINs sind von mir in der Form, aber nicht in ihrem Inhalt bearbeitet. D.h. ich habe die Gesprächstexte von Zwischenbemerkungen befreit, die nicht zum Thema gehören, aber den wesentlichen Inhalt nicht verändert. Da ich nur eine Auswahl von Einzelgesprächen, Tagebuchaufzeichnungen usw. bringen konnte, deren Reihenfolge zeitlich bedingt ist, und die damit nicht in einem logischen Zusammenhang stehen, habe ich einige verbindende Texte geschrieben - gewissermaßen als 'roter Faden' - damit ein besseres Verständnis möglich wird. Ich habe diese durch eine andere Schriftart und meinen Namen besonders kenntlich gemacht. -

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Ehe ich aber nun DELPHIN mit seinem erschütternden Bericht und seinen alternativen Denkansätzen selbst zu Wort kommen lasse, muß ich noch eine Bemerkung anschließen: Ich habe mich immer wieder gefragt, wie es ihm möglich sein konnte zu sterben, ohne die geringste Spur zu hinterlassen. - Sollte er vielleicht nur untergetaucht sein? - Wollte er, daß sein bisheriges Material schon veröffentlicht werden sollte, weil die Zeit drängt? - Taucht er vielleicht an anderer Stelle wieder einmal auf? - Es wird wohl vieles über diesen Außerirdischen mit so menschlichen Zügen ein Rätsel bleiben.

Günther Frisch


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