Buchbesprechungen

Ernst Basler: Strategie des Fortschritts, Umweltbelastung, Lebensraumverknappung und Zukunftsforschung. BLV Verlagsgesellschaft, München. 1973, 140 Seiten, 16 grafische Darstel lungen, DM 20, - .

Dieses kurz gefaßte und besonders für naturwissenschaftlich vorgebildete Leser sehr anschauliche Buch befaßt sich mit der Problematik des "Fortschritts". Im Gegensatz zu Forrester und Meadows untersucht Basler kein kompliziertes Weltmodell, sondern die einzelnen Faktoren wie Bevölkerung, Umwelt, Rohstoffvorräte und das Problem des immer enger werdenden Lebensraumes.

Wenn Basler dabei schließlich zu den gleichen Konsequenzen kommt, wie der "Club of Rome", so ist das ein Beweis mehr, daß die Probleme unserer begrenzten Welt nicht weiter auf die lange Bank geschoben werden dürfen. Basler versteht es, dem Leser durch anschauliche Beispiele deutlich zu machen, welche ungeheure Beschleunigung die Entwicklung durch den Menschen bekommen hat (Diskussion eines Zeitraffermodells unserer Welt, bei dem 170 Millionen Jahre auf ein Jahr zusammengedrängt werden (S.15-17)). Basler versucht, in allen Variationen das Wesen exponentieller Entwicklung deutlich zu machen, und kommt u.a. zu dem Schluß: "Was während der ganzen bisherigen Menschheitsgeschichte als sinnvoll galt, wird plötzlich fragwürdig, oft unsinnig". (S.29.) Und "wir werden nicht nur im kriegerischen Sektor, sondern auch im zivilisatorischen Bereich nicht mehr alles tun dürfen, was technisch machbar wäre" (S. 30).

Basler schlägt die Einführung eines "Knappheitsindexes" vor. Das ist eine Maßzahl, die angibt, wann eine bestimmte Rohstoffquelle erschöpft wäre, wenn man eine gleichbleibende Wachstumsrate annimmt. Hierzu wird auch eine Tabelle gebracht. (S. 45).

Basler entwickelt dann Forderungen für eine Raumschiffökonomie und erläutert Begriffe wie z.B. den der "Nachhaltigkeit" (Siehe hierzu auch den Beitrag von Michael Paulitsch in Heft 1/73 unserer Zeitschrift S. 30-40), den "geschlossenen Kreislauf", das "biologische Gleich gewicht", usw.

Im Schlußkapitel fordert Basler eine Umbesinnung auf neue Fortschrittsziele. Er fragt nach neuen Wertvorstellungen, aber auch nach dem "Freiheitsbereich in der Zukunft". Er sagt deutlich: "In Zukunft werden diese Freiheiten begrenzt werden müssen und die vordringliche Frage wird sein: Was dürfen wir verändern, fördern, "entwickeln", ohne unseren beschränkten Lebensraum zu überlasten und die erreichte Wohlfahrt zu beeinträchtigen?" Das Buch ist durch einen Anhang über die mathematischen Hilfsmittel und umfangreiche Literaturhinweise ergänzt. Als besonders lobenswert möchte der Rezensent hervorheben, daß Basler nicht auf ideologi schen Deutungen unserer Welt und ihrer Zukunft aufbaut, sondern auf Zahlenmaterial und mathematische Zusammenhänge, die weder marxistisch noch kapitalistisch, sondern schlicht wahr sind. L.S.

Hans Liebmann: Ein Planet wird unbewohnbar - ein Sündenregister der Menschheit von der Antike bis zur Gegenwart. - R. Piper & Co.-Verlag, München 1973, DM 22,--

Der leider kurz vor dem Erscheinen seines Buches verstorbene Verfasser war Hydrobiologe. Verständlicherweise bekommt somit auch das Wasserproblem eine zentrale Stellung in diesem Werk, das sich in leichtverständlicher Weise an jeden wendet. Die Einleitung sagt deutlich, worauf es dem Verfasser ankommt: "Um die Umweltschäden von heute zu erkennen muß man die Umweltschäden von gestern und vorgestern' studiert haben". Während aber früher die Völker aus den von ihnen selbst zerstörten Landstrichen auswandern konnten, ist das heute nicht mehr möglich. "Die Völkerwanderung' muß deshalb ersetzt werden durch eine Geisteswandlung' .... Allerdings war es leichter, eine Ächtung der Atombombe zu erreichen, als eine Ächtung der Umweltverschmutzung zu Lande, zu Wasser und in der Luft durchsetzen."

In diesem Buch wird u. a. die Empfindlichkeit des biologischen Gleichgewichts gezeigt, wobei der Verfasser viele, teilweise farbige, Schemazeichnungen und viele Fotografien verwen det. Das Prinzip der "Selbstreinigung" der Gewässer wird erklärt und die Faktoren dargestellt, durch die sie verhindert wird. Anhand eines Schemas des Wasserkreislaufes, bezogen auf das Gebiet der Bundesrepublik (S. 57), wird erläutert, daß wir uns die Verschwendung von hygie nisch einwandfreiem Trinkwasser für viele andere Zwecke eigentlich gar nicht leisten können.

Es ist unmöglich, hier auf all das wertvolle Zahlenmaterial und die Informationen ein zugehen, die dieses reichbebilderte Buch bietet. Wer weiß z. B., daß ein Doppelzentner Getreide zum Wachstum die 55fache Menge seines eigenen Gewichtes an Wasser bedarf? usw. Das Kapitel "Auf dem Wege in die Umweltkatastrophe" dürfte manchen Zweckoptimismus beträcht lich dämpfen; denn es wird dargestellt, daß nicht nur Flüsse und Seen, sondern auch das Meer in Gefahr gerät, aus dem biologischen Gleichgewicht zu kommen.

Natürlich ist es nicht nur das verschmutzte Wasser, das die Existenz des Menschen bedroht. Deshalb finden sich auch Angaben über den Müll, die Luftverschmutzung, den Lärm und das Gift, das Schädlinge bekämpfen soll, dabei aber das Leben des Menschen ebenfalls gefährdet.

Der Verfasser hat die alten Kulturen des Mittelmeerraumes gründlich studiert und zeigt anhand vieler Beispiele und Bilder, daß man sich damals des Wertes von gutem Wasser wohl bewußt war. Es wurde viel Aufwand getrieben, um in trockenen Gebieten auch den Tau zur Wasserversorgung nutzen zu können. Quellwasser wurde durch lange Rohrleitungen und Aquädukte herangeführt. Was man allerdings damals nicht erkannte, war die Bedeutung des Waldes für den Wasserhaushalt. Das führte zu katastrophalen Folgen, die bis heute noch nicht beseitigt sind. Durch den Raubbau am Wald wird die Humusdecke fortgeschwemmt, was die Verkarstung der Gebirge nach sich zieht. In einem weiteren Kapitel zeigt der Verfasser, wie im Mittelalter durch die Mißachtung der wichtigsten hygienischen Grundsätze das Leben in den Städten erheblich ungesunder wurde. Seuchen großen Ausmaßes waren damals die Regel, während sie im Altertum unbekannt waren. An vielen Beispielen wird klar, daß die Fehler von früher und heute gar nicht so unterschiedlich sind. Die Folgen können jetzt aber erheblich schlimmer werden.

Der Verfasser ist kein Pessimist. So versucht er im letzten Kapitel, Auswege aus der Umweltkatastrophe zu zeigen, wobei er als wichtigsten Ansatzpunkt die Steuerung des Bevölke rungswachstums sieht. Die Natur leistet zur Erhaltung der Lebensbedingungen weit mehr, als der Mensch mit technischen Anlagen zu schaffen in der Lage ist. Sie kann es aber nur, wenn hinreichend viele und hinreichend große Flächen einer natürlichen Landschaft übrigbleiben, und wenn der Mensch selbst darauf achtet, daß die Lebewesen, die für das Gleichgewicht in der Natur sorgen, nicht durch unsere Abfälle vergiftet werden.

Ein nützliches Buch zum Umweltproblem und hochinteressant, besonders für die Leser, die etwas über die geschichtlichen Entwicklungen wissen wollen. L.S.

Helmut Swoboda: Die Qualität des Lebens. Vom Wohlstand zum Wohlbefinden, dva informa tiv, Stuttgart 1973, 168 S., DM 20, - .

Die Forderung "Verbesserung der Qualität des Lebens!" ist heute in aller Munde. Was ist aber darunter zu verstehen? Was versteht man unter Lebensstandard, was unter Bruttosozial produkt? - Ist ein hohes Bruttosozialprodukt pro Kopf ein Maß für die Qualität des Lebens?

Für den Leser, der nicht Volkswirtschaft studiert hat, ist es meist selbstverständlich, daß man mit dem Bruttosozialprodukt operiert. Swoboda zeigt an vielen Beispielen, mit welcher Vorsicht man mit diesem Begriff arbeiten muß, will man nicht vollständig in die Irre gehen. (Mehr Tabak, mehr Alkohol, mehr Arzneimittel = höherer Lebensstandard!?)

Der Wachstumszwang wird als Folge einer allzu materiell eingeschätzten Forderung nach höherem Lebensstandard deutlich. Swoboda sucht nach Wegen, auch die Dinge in unserem Leben faßbar und meßbar zu machen, die vielleicht mehr als Maß für die Qualität des Lebens zu gelten haben, die einer Messung aber schwer zugänglich sind. - Läßt sich der Wert einer Urlaubsreise durch den Benzinverbrauch bestimmen? (s. S. 113.)

Die Bewertungsversuche der Lebensqualität durch eine Studie des Zentrums für Zukunftsforschung (ZBZ) werden beschrieben.

Swoboda warnt vor der Fortsetzung des Konsumdenkens und seiner Folgen: "Wir ver prassen unser Erbe und trösten uns damit, daß unsere Nachkommen schon Mittel und Wege finden werden, es neu zu erwerben und dann über die Sünden ihrer Väter den Schleier christli cher Barmherzigkeit breiten werden". (S. 150.) Er fordert den Mut zur Utopie, sieht aber auch die Schwierigkeiten, die im politischen Bereich einer Lösung der Probleme entgegenstehen: "In vereinzelten Fällen ist sie (die Regierung) bestrebt, Probleme von heute mit den Methoden von gestern zu lösen, zumeist wird aber emsig daran gearbeitet, die Probleme von gestern mit den Methoden von vorgestern zu lösen. Das war noch selten so deutlich wie in unseren Tagen, wo Probleme von 1960 in aller Welt mit den Methoden von 1930 behandelt werden und wo das Allheilmittel immer noch 'Wirtschaftswachstum' und 'Produktivitätssteigerung' lautet" (S. 163).

Ein wichtiges Buch, das allerdings mehr Probleme aufzeigt, als es Lösungen bieten kann.

L.S.


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