Die Zukunft geht uns alle an!

von Lothar Schulze

Vorbemerkung: Der folgende Beitrag ist der etwas gekürzte und überarbeitete öffentliche Vortrag, den ich als 1. Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung von Zukunfts- und Friedensforchung E.V. anläßlich der Hauptversammlung der Gesellschaft am 21. Nov. 1970 in Hannover gehalten habe. Er wurde in dieser Form im Heft 4/1970 unserer Zeitschrift "Zukunfts- und Friedensforschung - Information", S.73-88 abgedruckt. - Vor allem treten die 'unkonventionellen Denkweisen' hervor, die auch später immer wieder eine Rolle spielen.

Meine Damen und Herren,

das Thema meines Vortrages soll lauten: "Die Zukunft geht uns alle an." Trotzdem möchte ich ihn mit einer Reise in die Vergangenheit beginnen. Die Saurier, wie Sie einen auf diesem Bild

Saurier


sehen, gibt es nur noch in Hagenbeck's Tierpark - und zwar in Stein; denn sie sind schon vor langer Zeit ausgestorben, weil sie sich den veränderten Umweltbedingungen nicht anpassen konnten. Sie hatten, wie wir wissen, ein sehr kleines Gehirn und waren einfach nicht in der Lage, sich umzustellen.

Können wir uns aber vorstellen, daß vielleicht einige tausend Jahre nach unserer Zeit einmal Wesen von einer anderen Welt ihren Zuhörern das Bild eines Menschen zeigen und sagen könnten, daß diese Lebewesen aus dem gleichen Grunde ausgestorben seien? Dabei werden sie möglicherweise recht ratlos sein und die Gründe nicht begreifen, denn sie werden festgestellt haben, daß die Menschen ein großes Gehirn hatten und eine hochentwickelte Wissenschaft und Technik besaßen, mit deren Hilfe man eigentlich alle Probleme hätte meistern können. Vielleicht kommen sie darauf, daß eine unbegreifliche Lethargie den wesentlichen Lebensfragen gegenüber vorhanden war und die Menschen auch irgendwelche Drogen nahmen, die zu einer "Bewußtseinserweiterung" führten, aber letzten Endes den Willen zur Lösung der Probleme lahmlegten.

Unsere Existenz ist bedroht

Ob Wesen aus fernen Welten einmal so etwas feststellen werden oder nicht, wissen wir heute nicht. Sie sind aber hierhergekommen, um sich zu informieren, weil sie nicht möchten, daß diese Vision einmal Wirklichkeit wird. Sind Sie aber auch entschlossen, hierfür das Nötige zu tun? - Was ist notwendig? - Meines Erachtens kommt es darauf an, daß wir keine Emotionen aufheizen, sondern unsere Situation klar erkennen. Dann müssen wir aber auch sehen, daß unsere Existenz bedroht ist und zwar durch die stürmische Entwicklung von Naturwissenschaft und Technik, die uns alle Mittel in die Hand gibt, aus dieser Erde ein Paradies, aber vielleicht auch die Hölle zu machen. - Aufstieg oder Untergang - beide Möglichkeiten haben wir einschließlich der Selbstvernichtung der gesamten Menschheit.

Das Gleichgewicht des Lebens ist sehr labil. Das nächste Bild
Gleichgewichtsmodelle
soll das am Modell deutlich machen. Wenn wir uns vorstellen, daß wir der Kugel in der Schüssel einen Stoß geben, so wird sie einige Male hin- und herrollen und schließlich wieder am tiefsten Punkt liegenbleiben. Dieses Modell a) des stabilen Gleichgewichts ist aber nur bei kleinen Stößen richtig. Den Verhältnissen des Lebens entspricht besser das Modell b). Bei einem kleinen Stoß geschieht das gleiche wie im ersten Fall. Hat die Kugel aber durch einen größeren Stoß den Scheitel überwunden, so kommt sie nicht wieder in ihre Ausgangslage zurück, sondern rollt unwiderruflich außen herab. Wir wissen nicht, ob wir vielleicht heute schon den Scheitelpunkt überschritten haben, der Lebensmöglichkeit von Verderben trennt. Dann allerdings wäre die Katastrophe nicht mehr aufzuhalten.

Für unsere Entwicklung ist die sogenannte Exponentialkurve des Fortschritts charakteristisch, die man auch Wachstumskurve nennt.
Wachstumskurve

Ob Sie nun die Produktion von Plastikstoffen nehmen oder andere Produktionszahlen, die Zahl der Wissenschaftler oder der wissenschaftlichen Publikationen, immer wieder werden Sie ähnliche Kurvenverläufe finden.

Was unterscheidet unsere Zeit aber von der Zeit vor 20, 30, 40 oder auch vor 100 Jahren? - Ich möchte folgendes herausstellen: In früherer Zeit konnte man in erster Näherung sagen, morgen wird es genauso sein wie heute. Während wir heute davon ausgehen müssen, daß es morgen anders sein wird. Ich vermute auch, daß man gerade auf diese Tatsache die Verschärfung des Generationenproblems zurückführen kann.
Generationenproblem

Im Jahre 1870 konnte ein Vater seinem Sohn sagen: "Das und das sind meine Lebenserfahrungen. Wenn Du Dich auch danach richtest, wirst Du einigermaßen in Deinem Leben zurechtkommen." Damit konnte der Sohn etwas anfangen, denn die Änderungsgeschwindigkeit der Welt war verhältnismäßig klein. Anders sieht es schon zwischen 1930 und 1950 aus. Die Tangente im Punkt 1930 an die Kurve gezeichnet - gewissermaßen als "der Weisheit letzter Schluß" dieser Generation - weicht 1960 schon erheblich von der tatsächlichen Entwicklung ab. Doch in Zukunft wird dieser Unterschied noch größer werden. Das heißt, daß es zunehmend schwerer wird, unseren Kindern die richtigen Ratschläge zu geben; denn wir sind in einer Zeit zur Schule gegangen, als ganz andere Lehrmethoden üblich waren und ganz andere Dinge für wichtig gehalten wurden. Diese Tatsache müssen wir uns bewußt machen.

Erschwerend wirkt die Diskrepanz zwischen dem schnellen technologischen Fortschritt und dem langsameren der Gesellschaft.

Diskrepanz zwischen technologischer und gesellschaftlicher Entwicklung


Auf dem Bild sind keine Maßstäbe aufgetragen, und es wäre auch sehr schwer, hier welche anzugeben. Der Unterschied soll nur qualitativ dargestellt werden.

Noch eine Feststellung ist wichtig: Wir können nicht beliebig auf einer Exponentialkurve fortschreiten; denn diese läuft ins Unendliche, während unsere Welt in ihren Mitteln begrenzt ist. Wir können also z. B. nicht beliebig viel Stahl produzieren oder andere Dinge herstellen, sondern merken heute schon, daß hier und da Verknappungen eintreten. Die weitere Entwicklung muß deshalb einer anderen Kurve folgen. Wir nennen dies den Sättigungsverlauf.

Sättigungskurve


Dabei nähert man sich immer langsamer der sogenannten Sättigungsgrenze. Allerdings ist eine Entwicklung, bei der die Zunahme immer geringer wird, schwerer zu stabilisieren als eine Periode exponentiellen Wachstums. Das wissen Wirtschaftsfachleute wahrscheinlich besser als ich. Aber wir kommen nicht darum herum. Der Sättigungsverlauf ist notwendig, und darauf müssen wir uns einstellen.

Die Sicherung der Lebensbedingungen ist die wichtigste Aufgabe

Ich kann die Gefahren, die uns drohen, hier nicht im einzelnen behandeln. Dazu reicht die Zeit nicht. Nur in Stichworten will ich einige Beispiele erwähnen, über die es auch genug Literatur gibt. Da wäre die Bevölkerungsexplosion, das Welt-Hungerproblem, die Kluft zwischen arm und reich, die Umweltvergiftung, aber schließlich auch der mit allen Mitteln geführte Krieg. Wir können nicht so tun, als ob uns das alles gar nichts angehe. Die Sicherung der Lebensbedingungen ist heute als die wichtigste Aufgabe anzusehen. - Haben wir das eigentlich schon erkannt? - Richten wir uns schon danach? - Vieles deutet darauf hin, daß ein sehr großer Teil der Bevölkerung sich für andere Dinge interessiert: für Beruf, Familie, gesellschaftliches Ansehen. Vielleicht auch für die Hilfe und den Einsatz im einzelnen. - Hilfe für Arme, für "Brot für die Welt" oder andere Aktionen. Dabei ist es doch irgendwie unverständlich, daß wir uns große Mühe geben, einzelne zu retten - denken Sie an die Bergwerkskatastrophe von Lengede - aber auch wieder bereit sind, Tausende oder gar Millionen zu vernichten. Wir sind der festen Überzeugung, daß es einfach nicht anders gehe.

Ich behaupte: Wir haben das Steinbeil noch im Jet. Das heißt, wir haben auf der einen Seite die höchste technische Vollendung, sehen uns aber völlig hilflos den menschlichen Problemen gegenüber.

Forschung ist nötig

Geht es denn wirklich nicht? - Was haben wir denn bisher aufgewandt, um die Probleme zu lösen, die uns so auf den Nägeln brennen? - Sie sind schwierig, und man kann nicht mit Patentrezepten kommen. Auch einige Philosophen mit Bleistift und Papier allein können nicht helfen. Die Mittel, die wir brauchen, sind beträchtlich. Das muß als erstes eingesehen werden. - Wie kommen wir aber weiter? - Der amerikanische Friedensforscher Theo F. Lentz hat einmal folgende Behauptung einer größeren Gruppe von Studenten vorgelegt und sie gefragt, ob sie ihr zustimmen oder sie ablehnen. Sie lautete: "Wenn wir nicht wissen, wie ein gesetztes Ziel zu erreichen ist, müssen wir eine entsprechende Forschung unterstützen, d. h., jemanden für die Auffindung eines zum Ziele führenden Weges bezahlen." - Das wurde von den meisten Studenten als richtig angesehen. - In der Behauptung kommt es darauf an, daß es nicht heißt, wir müssen selbst diese Forschung treiben, sondern wir müssen diese Forschung unterstützen. Wir müssen jemanden dafür bezahlen, der als Fachmann dafür in Frage kommt. Wir müssen dafür sorgen, daß wissenschaftliche Arbeit auf diesem Gebiet getrieben werden kann. Und das ist keine leichte Aufgabe. Der Gründer des kanadischen Friedensforschungsinstituts - Dr. Norman Alcock - auch ein Physiker - hat einmal gesagt: Wir brauchen eine "kritische Menge" von Wissenschaftlern, wenn wir Erfolg haben wollen. Dabei versteht er die "kritische Menge" im Sinne der Funktion der Atombombe als eine Mindestmenge von Wissenschaftlern oder von wissenschaftlicher Leistung. Solange wir darunter bleiben, haben wir keine Hoffnung, weiterzukommen.

Aufgaben und Möglichkeiten der Wissenschaft

Wie sehen aber die Aufgaben aus? - Was sind unsere Möglichkeiten? - Mit welchen Methoden könnte man vorankommen? - Albert Einstein hat einmal gesagt: "Die freigelassene Kraft des Atoms hat alles geändert, außer unsere Art zu denken. So treiben wir einer Katastrophe ohnegleichen zu. Wir müssen eine fundamental neue Denkweise entwickeln, wenn die Menschheit überleben will." Er fordert also ein Umdenken.

Sehen wir uns die Entwicklung der Physik um die Jahrhundertwende an. Damals stellte man fest, daß bestimmte Experimente zu Ergebnissen führten, die nicht mehr mit der Theorie übereinstimmten. Da hat man es nicht so gemacht, wie man es von Hegel erzählt, der aufgrund von Spekulationen behauptet haben soll: "Es gibt sieben Planeten." Als man ihm sagte: "Dem widersprechen die Tatsachen!" (man hatte inzwischen mehr entdeckt), soll Hegel geantwortet haben: "Umso schlimmer für die Tatsachen." - Um die Jahrhundertwende war man pragmatischer. Man sagte deshalb: Wenn unsere Ergebnisse nicht mehr mit der Theorie übereinstimmen, dann müssen wir eben die Theorie ändern. So hat Max Planck die Quantentheorie geschaffen und wurde zunächst auch angefeindet. Aber heute ist sie selbstverständliches Werkzeug des Physikers.

Ich stehe hier nicht als Prophet, als ein Verkünder irgendeiner neuen Heilslehre. In meinem Labor finden. Sie den folgenden Spruch an der Wand: "Wenige wissen, wie viel man wissen muß, um zu wissen, wie wenig man weiß." - Ich glaube, wenigstens eine Ahnung davon zu haben, wie wenig ich weiß - besonders auf diesem Gebiet. - Wir befinden uns nämlich hier erst am Anfang der wissenschaftlichen Arbeit. Deshalb sollte man nicht jetzt schon fragen: Wie soll das und das gelöst werden? Denn am Anfang können zwar Fragen gestellt werden, aber der Wissenschaftler kann noch keine Antwort darauf geben. Es ist schon sehr viel wert, wenn er in der Lage ist, die richtige Fragestellung zu formulieren. Ich möchte das sogar als eine ganz wesentliche Kunst hinstellen. - Bestenfalls können wir vielleicht Vorschläge machen, wie man die Probleme anpacken könnte.

Es kommt auf den Überblick an

Wichtig ist auch die Erkenntnis, daß Teillösungen häufig fragwürdig sind. Es kommt auf den Überblick an. Man sagt, daß Galilei die Fallgesetze nicht gefunden hätte, wenn er hätte genauer messen können. Er hat nämlich am schiefen Turm von Pisa die Fallversuche gemacht, also im lufterfüllten Raum, und die Fallgesetze gelten zunächst für den luftleeren Raum. Bei genauer Messung wäre der Einfluß des Luftwiderstandes deutlich geworden und Galilei hätte nicht die klare Beziehung herausgefunden.

Es kommt also nicht immer darauf an, alles von Anfang an ganz exakt zu wissen. Häufig ist es besser, zunächst einmal mit einer groben Näherung zu beginnen. Viel wichtiger als die Genauigkeit ist die geeignete Perspektive. Als die Apollo-Besatzung zum Mond flog, hat sie diese Aufnahme der Erde gemacht.

Erde aus dem Weltall


Sie werden meine Auffassung teilen, daß von "da draußen" manches Problem doch anders aussieht, als aus unserer engen Perspektive. Wie schwierig es ist, aus einer Perspektive von innen zu einer richtigen Erklärung zu kommen, will ich Ihnen am nächsten Bild zeigen.

Ausschnitt aus der Milchstraße

Wir sehen hier einen Ausschnitt aus unserer Milchstraße. Wie sie aber aufgebaut ist, hat den Menschen so lange ein Rätsel aufgegeben, bis man andere Bilder mit sehr starken Fernrohren sehen konnte - z. B. dieses.

Andromedanebel


Es ist der Andromeda-Nebel, ein System aus wer weiß wie vielen einzelnen Sternen außerhalb unseres Milchstraßensystems. Von außen sieht man den Aufbau sehr deutlich, und heute weiß man, daß unser Milchstraßensystem (zu dem also auch wir gehören) einen ähnlichen Spiralnebel darstellt. Dieses Beispiel zeigt, wie man verhältnismäßig leicht die begrenzten Probleme lösen kann, wenn erst einmal der Überblick gewonnen ist.

Unkonventionelle Methoden erproben

Lassen Sie uns eine andere Perspektive einmal versuchen, indem wir von einer ganz anderen Seite an unser Problem der Zukunftssicherung herangehen. Wir sollten uns das zunutze machen, was auf anderen Gebieten schon zu großen Erfolgen geführt hat. Nehmen wir z.B. Methoden, die in der Wirtschaft erprobt sind; denn die Wirtschaft wird keine verwenden, deren Nutzen fragwürdig ist. Ich denke an zwei Verfahren - die Systemplanung und die Netzplantechnik - und möchte Ihnen gerade auch da Beispiele für unkonventionelle Betrachtungsweisen geben, denn konventionelle könnten Sie in Zeitschriften oder Büchern finden und brauchten nicht zu diesem Vortrag zu kommen.

Mit der Systemplanung befaßt sich ein Buch von NADLER (1969). Ihm ist die folgende Darstellung entnommen.

Systemplanung nach Nadler

Nadler sagt: Man kann auf zweierlei Weise ein neues System planen. Man kann sich fragen, wie unser System jetzt aussieht und dann in den einzelnen Bereichen Verbesserungen ansetzen, wie es im unteren Teil des Bildes dargestellt ist. Das ist die konventionelle Vorgehensweise. - Man kann aber auch umgekehrt vorgehen, nämlich zunächst ein theoretisches Idealsystem annehmen, das überhaupt nicht zu verwirklichen ist. Von da aus geht man rückwärts zunächst zu einem äußersten Idealsystem, das nur zu verwirklichen wäre, wenn man eine verbesserte Technologie hätte und dann weiter zu einem technologisch durchführbaren Idealsystem, das aber auch noch diese oder jene Schwierigkeit aufweist. Deshalb geht man noch etwas weiter zurück bis zu einem "empfohlenen System". Dieses ist dann immer noch weitaus besser als das verbesserte gegenwärtige System.

Das ist also ein Beispiel, wie man die Probleme anpacken kann. - Eine weitere Möglichkeit aus dem gleichen Buch ist das sogenannte Trichtersystem. Man kann sich irgendeine Aufgabe vornehmen und sie weiter zergliedern in einzelne Teilaufgaben. Nun sagt Nadler, wir kommen dann am besten zurecht, wenn wir auf der höchstmöglichen Ebene vorgehen.

Planen wir also die Herstellung einer stabilen Welt (dieses Beispiel stammt nicht von Nadler).
Trichtermodell

Abb. 11 soll das Prinzip darstellen: Jede Aufgabe wird also in Teilaufgaben zergliedert, die als Trichter" bezeichnet werden. Nur einer ist jeweils in unserem Beispiel herausgehoben. Die anderen sind durch einen gestrichelten angedeutet. Zur Herstellung einer stabilen Welt benötigen wir, so sei angenommen, ein System der Abschreckung, und dafür müssen u. a. auch Raketen (und natürlich vieles andere mehr) hergestellt werden. Nun könnte man aber - und das ist die Theorie von Nadler - vielleicht weitere Trichter haben, und wenn man sich deren Inhalt ansieht, wäre es immerhin denkbar, daß man eine Möglichkeit fände, eine stabile Welt herzustellen, die das System der Abschreckung überhaupt nicht benötigt.

Das sei noch an einem anderen Beispiel erläutert: Man kann für eine vorgegebene Konstruktion die Produktion einer ganz bestimmten Schraube in allen Einzelheiten entwickeln, kann aber auch die Zweckmäßigkeit der Konstruktion anzweifeln und z.B. durch Übergang auf ein einfaches Klebeverfahren die ganze Schraubenproduktion einsparen.

Es ist noch nicht geklärt, ob es mit einer solchen Denkweise möglich ist, ein System zu finden, das ohne Abschreckung auskommt. Ich will nicht behaupten, daß man es kann. Würde es sich aber lohnen, intensiv an der Frage zu arbeiten? - Bedenken Sie doch, was die Herstellung eines Systems der Abschreckung kostet!

Das nächste Verfahren ist die sogenannte Netzplantechnik. Ich weiß nicht, ob Sie darüber informiert sind, daß der erstaunlich schnelle Bau der Brücke über den Aegidientorplatz in Hannover nur mit dieser Technik möglich war. Man geht so vor, daß man die gesamte Aufgabe zerlegt

Netzplantechnik

(die Striche bedeuten Vorgänge, die Kreise Ereignisse). An den Strichen sind Zeiten angegeben, die man für einen Vorgang (um z. B. vom Ereignis 1 - dem Start - zum Ereignis 2 zu kommen) benötigt, also hier 16 Tage oder 16 Stunden. - Im allgemeinen sind mehrere Vorgänge erforderlich, um zu einem Ereignis zu kommen. Dann richtet sich der Zeitpunkt für das Ereignis nach dem Vorgang, der die längste Zeit braucht. Man spricht vom "kritischen Weg", weil eine Verzögerung hier den gesamten Zeitplan verschiebt (der "kritische Weg" ist in der Abbildung stärker gezeichnet). Die Netzplantechnik gibt uns die Möglichkeit, mit größerer Effektivität zu arbeiten, indem man Arbeitskräfte an unkritischen Stellen abziehen und am kritischen Weg einsetzen kann, wenn dort eine Verzögerung droht. Zur Bearbeitung der Fragen ist im allgemeinen ein Computer nötig. - Könnten wir mit dieser Methode auch den Weg der Menschheit in die Zukunft besser in den Griff bekommen?

Dieses Problem ist erheblich schwerer zu lösen. Es ist nämlich ein wesentlicher Unterschied zu üblichen Fertigungsaufgaben vorhanden. Bei der Brücke weiß ich, was am Ende stehen muß, nämlich die fertige Brücke - aber die fertige Welt gibt es nicht. Sie ist immer in der Entwicklung. Es müßte also die Frage gestellt werden, ob man auch für offene Systeme - die also keinen Abschluß haben, ein solches Verfahren anwenden kann. - Immerhin gibt es viele Beispiele aus der Praxis dafür, daß man ein Verfahren, das zunächst in einem engeren Bereich galt, durchaus später in einer Erweiterung anwenden konnte.

Es gibt viele Methoden der Wissenschaft zur Zukunft- und Friedenssicherung. Ich habe versucht, einmal einige unkonventionelle anzudeuten. Damit wollte ich zeigen, daß Wissen und Verfahren überall verstreut sind, daß man vielleicht ganz plötzlich auf anderen Gebieten zu Gedanken kommen kann, die uns weiterführen und die wir vielleicht immer mißachtet haben, weil wir z. B. sagten: Was geht uns die Wirtschaft an - was gehen uns ihre Planungsmethoden an?

Es ist immer wieder hinderlich, daß Geisteswissenschaftler häufig eine Abneigung gegen die naturwissenschaftliche Denkweise haben. Wir sollten uns allerdings auch nicht einbilden, daß nur der Naturwissenschaftler gefehlt habe, um die Probleme lösen zu können, die der Geisteswissenschaftler bisher nicht lösen konnte. Das wäre anmaßend. Aber nötig ist das Miteinander. Der eine sollte den anderen ernst nehmen und nicht immer nur meinen, daß er recht habe, während der andere im Unrecht sei.

So ist auch über den Begriff "Frieden" sehr viel gestritten worden. Ich möchte hier die Frage stellen, ob wir die Aufgabe der Friedenssicherung als die der dynamischen Stabilisierung der Menschheitsentwicklung sehen dürfen. Ein einfaches Modell zur Erläuterung wäre die Aufgabe, auf einer vereisten Bergstraße bei Wind mit einem Auto zu fahren. Das geht, wenn wir in jedem Augenblick das Richtige tun. Das Richtige ist nur nicht immer das Gleiche, sondern hängt von der Situation ab. Die vielen Ansätze, bei denen man meint, das Rezept zur Friedenssicherung zu besitzen, haben im allgemeinen den Fehler, daß sie endgültige Rezepte sein sollen. Mancher glaubt, die Patentlösung in der Tasche zu haben und macht sich nicht klar, daß das, was er heute tut, zwar heute richtig, aber morgen falsch sein kann. So ist auch ein Streit um Lehrmeinungen fehl am Platze. Ich glaube, daß man einen anderen Weg gehen sollte, einen Weg der gemeinsamen Arbeit und der Achtung der Arbeit und des guten Willens des anderen. Es ist zweckmäßiger und erfolgversprechender, den anderen zu überzeugen als ihn niederzuringen. Möglicherweise sieht er das gleiche nur aus einer anderen Perspektive. Bedenken Sie doch, daß Sie irgendeinen Körper niemals vollständig erfassen können, wenn Sie ihn nur von einer Seite sehen. Sie können sich vielleicht eine gewisse Vorstellung machen. Durch die Betrachtung von einer anderen Seite kommt aber ein neuer Aspekt dazu. Warum sollen wir den von vornherein ausschalten?

Koppelung von Wissenschaft und Gesellschaft

Es ist aber nicht nur wichtig, daß die Friedensforscher zusammenarbeiten, sondern es muß auch eine Koppelung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft erreicht werden. Kann die Forschung auf dem Gebiet der Zukunfts- und Friedenssicherung isoliert betrachtet werden? - Können sich also Wissenschaftler um die Fragen bemühen, ohne daß sich die Gesellschaft darum kümmert? - Ich glaube, nein, denn - indem wir denken, ändern wir bereits die Welt; weil wir bestimmte Entwicklungen dadurch in Gang setzen, daß wir sie denkbar machen. Das gilt in besonderem Maße für die wissenschaftliche Arbeit. Deshalb muß es die Gesellschaft interessieren, was die Wissenschaft tut. Ohne hinreichendes öffentliches Interesse wird sie aber auch nicht arbeiten können. - Wie sieht es denn heute leider immer noch aus? - Es gibt Wissenschaftler, die bestimmte Aufgaben anpacken könnten. Doch sie konnten es bisher nicht, weil die Öffentlichkeit nicht interessiert war und somit kein Geld zur Verfügung stand. Man erwartet andererseits vom Forscher Antworten, ohne ihm vorher die Mittel zur Arbeit gegeben zu haben.

Lösungsmöglichkeiten denkbar machen

Wenn wir etwas erreichen wollen, müssen wir die Lösbarkeit des Problems vorher denkbar machen. - Nehmen wir als Beispiel den Apollo-Mondflug. Vor vielleicht 12 Jahren hielt man es für völlig utopisch, daß Menschen auf dem Mond landen könnten. Wie ist man vorgegangen, um es doch zu erreichen? - Man hat sich zunächst gefragt, unter welchen Voraussetzungen eine Mondlandung denkbar sei. Dazu brauchte man noch nicht die vielen Einzelheiten zu kennen. Die konnten später entwickelt werden. Man ging davon aus, daß mindestens drei Menschen erforderlich seien. Mit dieser Annahme konnte man nun die Massen der technischen Ausrüstung und der Betriebsstoffe abschätzen, die man zum Mond bringen mußte und ebenso die für die Rückkehr, ohne zu wissen, wie die Geräte im einzelnen aussehen würden.

Nun war die im Vergleich zum Gesamtprojekt einfache Frage zu bearbeiten, ob sich ein Raumfahrzeug nach dem Mehrstufenprinzip bauen ließe, das hinreichend Treibstoff für einen solchen Flug fassen könne. Mit diesen verhältnismäßig einfachen Betrachtungen wurde der Mondflug denkbar gemacht und damit der erste aber wesentliche Schritt zur Lösung getan. Das Folgende war Routine. Die Aufgaben mußten zergliedert und ein Netzplan aufgestellt werden. Ich meine, gehört zu haben, daß die Landung der ersten Menschen auf dem Mond nur um einige Sekunden verzögert war gegenüber der Zeit, die man 10 Jahre vorher ausgerechnet hatte. So genau war also der Netzplan eingehalten worden.

Am Anfang jeder solchen Aufgabe steht also das Denkbarmachen. Erst dann kann man weiterkommen. Dabei muß genügend umfassend gearbeitet werden. Teillösungen sind meines Erachtens nur Scheinlösungen. Irgendwelche klugen Ideen, wie wir den Frieden sichern können, reichen z.B. nicht aus, wenn wir nicht gleichzeitig auch eine Wirkung auf das politische Handeln erreichen. Es wird häufig übersehen, daß so viele Teilaufgaben zur Gesamtkonzeption gehören, die weit über das Gebiet der reinen Friedensforschung hinausreichen.

Wenn ich z.B. eine Erfindung gemacht habe, die ich nicht verkaufen will, wenn ich also den Artikel selbst produzieren möchte, dann genügt die Erfindung allein nicht. Ich muß nun die Produktionsstätte schaffen, muß dafür sorgen, daß das nötige Geld herankommt, um sie aufbauen und betreiben zu können. Letzten Endes muß ich mich auch noch um die Werbung kümmern, damit ich meinen Artikel absetzen kann. Das sind alles Aufgaben, die zunächst nichts mit der Erfindung direkt zu tun haben, die aber ebenfalls gelöst werden müssen. Auch bei der Zukunfts- und Friedenssicherung ist viel mehr in die Problematik hereinzunehmen, als bisher getan wird. Dafür brauchen wir Mut zu Experimenten und Mut zu neuen Denkansätzen.

Ich hoffe, Sie haben ihn, wenn ich Ihnen nun einen Gedankenflug ins Weltall zumute. Ich nenne das Projekt "B-Alpha-Centauri". Es könnte aber auch anders heißen. Alpha-Centauri ist der nächste Fixstern - vierundeinhalb Lichtjahre entfernt - und "B" soll ein Planet dieses Fixsterns sein. - Ich gehe von folgender Feststellung aus: Wir haben die größten Schwierigkeiten, wenn wir auf der Erde etwas entscheidend ändern wollen. Im Prinzip sieht man ein, daß etwas geändert werden muß. Aber die Verwirklichung klappt nicht. Die meisten Menschen sehen schon die Vorteile für die Allgemeinheit, fürchten aber für sich persönliche Nachteile und die wollen sie nicht in Kauf nehmen.

Das sehen Sie z.B. bei Bemühungen um eine Änderung des Prüfungsverfahrens an Hochschulen. Man ist sich darüber einig, daß die Zahl der Prüfungen herabgesetzt werden muß, wobei aber jeder Dozent möchte, daß sein Fach eher noch aufgewertet wird. - Weil jeder so denkt, kommt man eben nicht weiter.

Das Problem vom Eigeninteresse lösen

Diese Schwierigkeiten kann man umgehen, wenn man sich zunächst einmal spielerisch mit einer anderen Welt befaßt - z.B. mit dem Planeten "B". Auf ihm sollen Lebewesen existieren, die uns ähnlich sind, die auch die gleichen Schwächen haben wie wir. Lediglich ihren Verstand können sie etwas besser nutzen. Nun fragen wir uns, wie denn diese "Sternmenschen" ihre Probleme gelöst haben könnten. Dabei sind wir ganz frei in unseren Gedanken, denn was vierundeinhalb Lichtjahre entfernt passiert, stört uns doch nicht. Somit können wir unserer Phantasie freien Lauf lassen und werden sicher zu verblüffenden Ergebnissen kommen. Dann können wir uns hinterher fragen, warum es bei uns nicht so geht, welche Schwierigkeiten dem entgegenstehen.

Vielleicht sind einige leicht zu überwinden, vielleicht auch andere schwer und einige vielleicht auch gar nicht. In diesem Fall, daß sie nicht zu überwinden wären, wäre allerdings unser Modell nicht brauchbar. Dann müßten wir versuchen, ein neues zu schaffen. Aber ich glaube, daß es gelingen könnte, nach der Methode von NADLER rückwärts von diesem Idealsystem aus ein realisierbares System zu schaffen, das alle Befürchtungen überflüssig macht, die wir vorher gehabt haben.

In diesem Zusammenhang taucht die Frage auf, wie groß eigentlich der Wirkungsgrad unseres Systems ist. Dabei muß ich natürlich definieren, was wir unter Wirkungsgrad verstehen wollen.
Wirkungsgrad der Gesellschaft

Ich gehe von der Entwicklung und ihren Möglichkeiten aus. Wir fragen uns: Welchen Kurvenverlauf bekommen wir, wenn wir die bisherige Entwicklung extrapolieren? Dann ermitteln wir mittels Computerprogramm das Maximum unserer Möglichkeiten für den gleichen Zeitraum und bekommen einen anderen Kurvenverlauf mit einer stärkeren Änderung. Wenn wir die kleine Veränderung bei der Extrapolation zur größtmöglichen ins Verhältnis setzen, dann haben Sie das, was ich unter Wirkungsgrad verstehen möchte. Um diesen Wirkungsgrad zu finden, ist ein beträchtlicher Aufwand erforderlich. Ich möchte das Programm "Projekt 10/00" nennen, nicht weil ich meine, daß unser Wirkungsgrad 10/00 ist, sondern weil wir versuchen sollten, mit 10/00 der eigentlich nötigen Information eine Annäherung an eine solche Optimierung zu finden, die uns hinreichend deutlich macht, wie weit wir vom Maximum unserer Möglichkeiten entfernt sind. Dazu muß man sich möglichst viele Informationen über unsere ganze Welt beschaffen - wirtschaftliche, politische, gesellschaftliche, usw. Vielleicht ergibt es sich, daß kein Computer groß genug ist, um das Problem lösen zu können. Aber wer hat sich denn darüber schon Gedanken gemacht? - Ich glaube, keiner von uns hat eine Vorstellung über die Größe eines Computers, der ein solches Optimierungsproblem lösen könnte. Wenn wir aber mit einem solchen Projekt vorankämen, könnte das Ergebnis die Erkenntnis sein, daß alle unsere Probleme leichter zu lösen sind als wir glauben, wenn wir es nur richtig und genügend umfassend anfangen.

Voraussetzungen und Aufgaben für wirksame Arbeit

Wir sollten uns nun mit der Frage befassen, wie wir die wissenschaftlichen Ergebnisse unserer Arbeit wirksam machen können. Meines Erachtens müssen wir folgende wesentliche Voraussetzungen erfüllen:
1. müssen wir die Lösbarkeit von Fragen der Zukunfts- und Friedenssicherung mittels wissenschaftlicher Methoden denkbar machen, und zwar sowohl bei Wissenschaftlern als auch bei Politikern, bei möglichen Geldgebern und auch in der Öffentlichkeit;
2. müssen die wissenschaftlichen Einzelleistungen in hinreichender Zahl erbracht werden. Es muß also eine "kritische Menge" von wissenschaftlicher Arbeit erreicht und überschritten werden;
3. müssen die Einzelergebnisse in ihrem funktionalen Zusammenhang innerhalb der Gesamtaufgabe erkannt, eingeordnet und in geeigneter Weise zur Wirkung gebracht werden. Wie das geschehen kann, muß ebenfalls Gegenstand der Forschung sein.

Welche praktischen Aufgaben ergeben sich nun aus der Erfüllung dieser Voraussetzungen? -
1. müssen Informationen gesammelt und leicht kommunizierbar gemacht werden;
2. brauchen wir eine Koordination der Einzelarbeiten, um Doppelarbeit zu vermeiden, was ja gerade bei den begrenzten Mitteln an Menschen und Geld sehr wichtig ist. Gleichzeitig gewinnen wir aber auch einen Überblick;
3. müssen wir die notwendigen Voraussetzungen für eine erfolgversprechende Forschungsarbeit ermitteln. Das ist eine Aufgabe der Systemplanung, von der ich vorhin schon sprach. Wir haben das Schlagwort "Apollo ZFF" für diese Aufgabe gewählt. Apollo soll an das Beispiel des Mondfluges erinnern und ZFF heißt Zukunfts- und Friedensforschung;
4. müssen wir Wissenschaftler von solchen Aufgaben entlasten, die kein Fachwissen erfordern und von spezialisierten Einrichtungen leichter zu bewältigen sind. Dazu gehört z.B. die Errichtung eines Archivs, einer Datenbank, die Vorbereitung und technische Durchführung von Tagungen und Kongressen u. dgl., und schließlich auch die Öffentlichkeitsarbeit im Sinne des Denkbarmachens, denn Sie wissen selbst, daß nur wenige Wissenschaftler bereit und in der Lage sind, sich so auszudrücken, daß der durchschnittlich Gebildete sie auch verstehen kann.

Informations- und Koordinationszentrum füllt Bedarfslücken 1)

Das von unserer Gesellschaft geplante Informations- und Koordinationszentrum für Zukunfts- und Friedensforschung soll gerade die Bedarfslücken schließen, die ich eben erwähnt habe. Von der Gründung unserer Gesellschaft vor fast sieben Jahren bis zu dieser Konzeption war es ein weiter Weg. Aber er war folgerichtig. Da es 1964 noch keine Forschung auf diesem Gebiet gab, haben wir deren Förderung als Satzungsziel gewählt. Auch heute wollen wir keinem Hochschulinstitut mit der Bearbeitung von Details Konkurrenz machen. Wir werden uns aber immer um die Zusammenschau bemühen und wollen versuchen, Lücken zu füllen.

Das nächste Bild soll Ihnen zeigen, wie unsere Konzeption aussieht.

Informations- und Koordinationszentrum

Es soll zeigen, daß wir alle die Bereiche zusammengefaßt haben, die sinnvoll zusammengehören. Da haben wir zunächst die Dokumentation und Information. Hier soll alles gesammelt und in geeigneter Weise wieder zur Verfügung gestellt werden, was andere erarbeitet haben.

Wo verschiedenes Wissen zusammenläuft, kann die Systemplanung am effektivsten arbeiten; denn die Zugriffszeiten zur Information sind kurz. Systemplanung soll den für die Forschung notwendigen Aufwand verringern helfen, indem der Wirkungsgrad verbessert wird.

Da die Vorbereitung und Durchführung von Tagungen die kostbare Zeit des Wissenschaftlers unnötig verbraucht, so daß der Institutsleiter häufig nicht mehr zur eigenen wissenschaftlichen Arbeit kommt, soll das Zentrum diese Aufgabe ebenfalls übernehmen. Es wird sich dabei im wesentlichen auf die technischen Dinge beschränken und den wissenschaftlichen Inhalt den Fachleuten überlassen.

Das vierte Gebiet ist schließlich die Öffentlichkeitsarbeit. Mit unserer Zeitschrift haben wir angefangen. Wenn das Zentrum arbeitet, sollen u.a. auch Seminare veranstaltet werden. Es gibt darüber hinaus noch viele andere Möglichkeiten. Wichtig ist immer das Bemühen um Allgemeinverständlichkeit.

Zwischen allen Teilbereichen sollen die Pfeile den Austausch andeuten, der für die Effektivität wichtig ist. Jeder Bereich steht aber selbst auch im Austausch mit der Außenwelt, so daß das Ganze kein steriles Gebilde darstellt, sondern anderen Gruppen wertvolle Hilfe geben kann.

Um diese Pläne realisieren zu können, brauchen wir die Unterstützung vieler. Bisher konnte unsere Gesellschaft mit nebenberuflichen Kräften nur improvisieren. Sie hat schon viel getan, aber sehr viel mehr ist noch zu tun. Wir geben eine kleine Vierteljahreszeitschrift heraus. Sie nennt sich "Zukunfts- und Friedensforschung - Information".

Wir haben aber auch viele internationale Verbindungen geschaffen und werden in Kürze mit einem Literaturberatungsdienst beginnen können, der die in Kanada erstellten Peace Research Abstracts erst sinnvoll nutzbar macht, indem der Computer die Sucharbeit übernimmt. Die Peace Research Abstracts enthalten bisher über 60.000 Zusammenfassungen von Arbeiten, die für die Friedensforschung interessant sind. Bei diesem Projekt arbeiten wir mit den kanadischen Herausgebern und mit dem Lehrstuhl und Seminar für Wissenschaft von der Politik der Technischen Universität Hannover zusammen. Der Beratungsdienst wird den Wissenschaftlern in aller Welt zur Verfügung stehen. Bei einem Computerlauf werden wir bis zu 50 verschiedene Fragestellungen gleichzeitig beantworten können.

Weiter haben wir erreicht, daß die Bundesrepublik nach den USA und Kanada an der dritten Stelle der Abonnenten der Peace Research Abstracts steht, obwohl sie bisher keine offiziell geförderte Friedensforschung hatte. Wir haben auch viel zur Denkbarmachung von Lösungsmöglichkeiten beigetragen, aber wir können nicht immer improvisieren. Für das Ihnen vorgestellte geplante Zentrum ist eine erhebliche Summe Geldes nötig. Die Effektivität wird dabei steigen, und zwar sprunghaft steigen, wenn man bestimmte Schwellen überschreiten kann. Ich habe versucht, das hier einmal darzustellen.

Effektivität des Zentrums

Solange man nur mit nebenberuflichen Kräften arbeitet, geht es nur langsam bergauf. Wenn man aber hauptberufliche Mitarbeiter einsetzen kann, kommen wir nicht nur schneller voran, sondern wir überspringen ein Stück, weil wir eine positive Rückkopplung bekommen. Wenn nämlich einer Geld gibt und man eine Wirkung sieht, dann geben es auch andere. Das gleiche geschieht noch einmal, wenn wir moderne technische Hilfsmittel - also z.B. Computer - einsetzen können. Das Bild verdeutlicht das, was Alcock mit der "kritischen Masse" meint, nämlich die Kettenreaktion.

Wir werden später einmal in der Bundesrepublik Milliarden für die Zukunftssicherung aufwenden müssen. - Man wird dann überall ähnliche Kommunikationszentren brauchen, wie wir es hier in Hannover schaffen wollen. Ich meine, wir sollten es als eine lohnende Aufgabe ansehen, daß in Hannover ein Modell entwickelt wird mit allen Schwächen, die erste Versuchsmuster haben. Die es uns später nachmachen, werden es leichter haben. Die Stadt Hannover kann dann aber den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, die Pionierleistung ermöglicht zu haben.

"Die Zukunft geht uns alle an" lautete das Thema meines Vortrages. Wenn ich lediglich erreicht hätte, daß Sie ihn vielleicht interessant fanden, aber dann wieder nach Hause gehen, ohne sich auch zu engagieren, dann wäre dieser Abend wenig erfolgreich gewesen. Es geht ums Leben schlechthin, wenn es um unsere Zukunft geht. Sie haben sie alle in der Hand. Die Jugend muß sich dafür noch mehr interessieren als wir Älteren. - Ob wir allerdings unser Ziel erreichen werden, können wir nicht sagen. Aber Sie alle können den Stein mit ins Rollen bringen. Sie können positiv dazu beitragen, daß wir vorankommen - durch Meinungsbildung und vieles andere mehr. Es ist unser aller Engagement und wir brauchen dazu Mut, nämlich Mut zu Experimenten für den Frieden.

Literatur
Lockyer, K.G.: Einführung in die Netzplantechnik, Verlagsgesellschaft Rudolf Müller, Köln-Braunsfeld, 1968
Nadler, Gerald: Arbeitsgestaltung - zukunftsbewußt. - Entwerfen und Entwickeln von Wirksystemen. Herausgegeben von Hubert Hugo Hilf, Carl Hanser Verlag, München, 1969

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1) Die Konzeption des Informations- und Koordinationszentrums für Zukunfts- und Friedensforschung wird im Heft 1 des Jahrgangs 1971 unserer Zeitschrift veröffentlicht.


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