Verschobene Perspektiven

(veröffentlicht in der Zeitschrift BLICKPUNKT ZUKUNFT, 22. Jahrgang, Ausgabe 38/39, April 2002
Fertigstellung: 24.02.2002)


Dame und Bunker im Hintergrund
    Bildunterschrift: Verschobene Perspektiven: Die attraktive junge Dame fällt auch dem müdesten Mitmenschen auf. Der Bunker im Hintergrund auch ... ?

Das Bild mit der jungen Dame und dem Luftschutzbunker im Hintergrund stammt aus der 'Gewerkschaftspost' Nr. 1/1965. Es illustrierte einen Beitrag von mir mit der gleichen Überschrift. Dieser trug noch den Untertitel: 'Ketzerische Gedanken zur neuen Zivilschutzfibel.' - Und auch hier will ich mich mit 'ketzerischen Gedanken' beschäftigen. -

Schon mehrfach habe ich in meinen Beiträgen auf den Science-Fiction-Roman von George Orwell '1984' hingewiesen und die Definitionen benutzt, die Grundlagen der Diktatur in Orwells Fantasiestaat 'Ozeanien' waren.1 - Ich will versuchen, wenigstens einen Überblick zu geben: Neben der 'Verwandlung der Vergangenheit' - wir würden dazu Geschichtsfälschung sagen - gehört das 'Zwiedenken' zu den heiligen politischen Grundsätzen der Partei. Abweichungen nennt man 'Gedankenverbrechen'. Das sind die schlimmsten Verbrechen, die man im Orwellstaat 'Ozeanien' kennt. Doch davor schützt normalerweise 'Verbrechenstop'.- Er wird im Roman wie folgt beschrieben: "'Verbrechenstop' bedeutet die Fähigkeit, gleichsam instinktiv auf der Schwelle jedes gefährlichen Gedankens halt zu machen. Es schließt die Gabe ein, ähnliche Umschreibungen nicht zu verstehen, außerstande zu sein, logische Irrtümer zu erkennen, die einfachsten Argumente mißzuverstehen, wenn sie engsozfeindlich sind (Engsoz wird die Ideologie Ozeaniens genannt.), und von jedem Gedankengang gelangweilt oder abgestoßen zu werden, der in eine ketzerische Richtung führen könnte. 'Verbrechenstop' bedeutet, kurz gesagt, schützende Dummheit." - Schützt uns nicht auch 'Verbrechenstop' z.B. davor, Zweifel an der derzeitigen Weltpolitik anzumelden? - Begehe ich 'Gedankenverbrechen', wenn ich es tue? -

Der 11. September 2001 ist angeblich der Tag, seit dem nichts mehr so ist wie früher. Deshalb sollten wir dieses zu einem Ansatzpunkt unserer Betrachtungen machen, wohl wissend, daß bis zum Druck dieses Beitrages sich schon vieles anders darstellen kann, daß sich neue Fakten anbieten. - Ich will aber Themen, die heute in den Medien diskutiert werden, auch nur als mögliche Beispiele sehen. Ihre Betrachtung aus unterschiedlichen Blickwinkeln soll uns fähig machen, das Weltgeschehen weitgehend ohne Verschiebung der Perspektiven zu beurteilen.

Zunächst möchte ich ein Thema aufgreifen, das im vergangenen Jahr viel Aufmerksamkeit erlangt hat, nämlich die Diskussion um die embryonalen Stammzellen. Man kann sagen: Der Haufen von wenigen Zellen ist ein werdender Mensch im frühesten Stadium. Das menschliche Leben ist heilig! Wir dürfen den Embryo deshalb nicht umbringen. - Demgegenüber schrieb der Autor eines Leserbriefes an die Hannoversche Allgemeine Zeitung auf die Frage: "Wann beginnt das menschliche Leben?" daß doch erst die Einpflanzung in den Uterus geschehen müsse, ehe sich ein Mensch entwickeln könne. - Die Diskussion muß ernst genommen werden. Wenn aber schon der erste winzige Zellhaufen heilig sein soll, müßten die Vertreter dieser Auffassung mit der gleichen Leidenschaft den Schutz allen menschlichen Lebens fordern. Sie dürften nicht zulassen, daß Kriege geführt werden, bei denen viel größere Zahlen bereits Geborener ums Leben kommen. - Viele Fragen müssen gründlich durchdacht werden, damit Mißbrauch bei der Forschung an embryonalen Stammzellen verhindert wird. Meines Erachtens wäre man besser davor geschützt, wenn mit den Versuchen - außer einem normalen Arbeitslohn - kein Geld verdient werden könnte. Forschungsergebnisse müßten frei veröffentlicht und grundsätzlich keine Patente erteilt werden. Ganz wichtig ist aber auch die Verhinderung irgendwelcher Forschung für militärische Anwendungen und dazu eine Absage an alle Gewalt.

Doch nun zum 11. September: Die Weltmacht USA wurde durch 3 Terroranschläge mit gekaperten Flugzeugen schwer getroffen. Der vierte - wie zu hören war, mit Ziel Camp David - mißlang. Es gab glücklicherweise - weil in den USA noch früher Morgen war - weniger Tote als zunächst befürchtet. In der normalen Geschäftszeit sollen sich ca. 50 000 Personen im World-Trade-Center aufgehalten haben.

Wir sollten uns doch nichts vormachen. Es kann sich bei den Kamikazeangriffen in den USA nicht um die blindwütiger religiöser Fanatiker handeln. Wir hörten doch, daß die Haupttäter intelligente Menschen, Studenten, waren. Die Tat mußte mit der Koordination von vier Flugzeugeinsätzen gründlich geplant werden. Da wird man sich in diesem Umfeld sicher auch Gedanken über den Hintergrund, die vermeintliche Berechtigung, gemacht haben.

Über die Absicht der Terroristen können wir nur spekulieren. - War es das Ziel, möglichst viele Menschen umzubringen? - Oder sollten die Symbole amerikanischer Macht - Wirtschaft, Militär und Regierung - zerstört werden? - Dies scheint mir eher wahrscheinlich. Wollte man nämlich den Tod von möglichst vielen Menschen, so hätte die Aktion später am Tag durchgeführt werden müssen. - Stimmt dies, so wären die Toten in den vier Flugzeugen, im World-Trade-Center und im Pentagon - um im Jargon der amerikanischen Militärs ein häßliches Wort zu sagen - 'nur' als in den Terroristenaugen leider unvermeidlicher 'Kollateralschaden' anzusehen. - In diesem Zusammenhang wird dieses Wort bei vielen größte Empörung hervorrufen. Ich benutze es, um zu zeigen, wie stark die Perspektiven in der Betrachtung der Weltprobleme verschoben sind. Wenn es nämlich um den Kampf gegen die Terroristen geht, ist jedes Mittel recht. Man will Bin Laden und seine Kumpane vernichten und trifft leider auch viele Zivilisten in Afghanistan. - Ein Kollateralschaden! Hier darf dieses Wort, ohne daß ein weltweiter Aufschrei erfolgt, benutzt werden.

Gewiß verdienen die Angehörigen der Opfer des Terroranschlages unser Mitgefühl. Es muß aber ins richtige Maß gesetzt werden. Da erschien am 4.1.02 in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung eine Mitteilung aus Kopenhagen mit der Überschrift: "Zweite Freiheitsstatue für New York geplant." Darin stand, daß Kopenhagen, zusammen mit anderen europäischen Hauptstädten eine 'neue Freiheitsstatue' in Erinnerung an die Terroranschläge vom 11. September finanzieren wolle. - In der Zeitschrift HÖRZU Nr. 5 vom 25.1.02 wurde unter der Überschrift 'Mahnmal oder Büros?' von Angela Meyer-Barg über die Vorstellungen amerikanischer Architekten berichtet. Sie schreibt u.a.: "Nutzbau oder Mahnmal - die Architekten versuchten sich an beidem. Was in ihren Entwürfen fehlt, ist jede Pose von Stärke und Unverletzbarkeit. Zum Innehalten inspirieren die Entwürfe. Zur Demut. Zur Erinnerung an die Toten und zum Gedenken an den amerikanischen Traum von Unbesiegbarkeit, der nach den Terroranschlägen in Schutt und Asche fiel." - Die abgebildeten Entwürfe zeigen nach meiner Auffassung aber keine Demut, keine Bescheidenheit. Nach dem Umfeld, in dem sie abgebildet sind, dürften sie Ausmaße haben, die dem World-Trade-Center entsprechen. - Wo bleibt das Mahnmal für die Toten, die durch die Ungerechtigkeit unseres aggressiven Wirtschaftssystems ihr Leben verlieren? - Erstmals wurde auf dem Weltwirtschaftsgipfel Anfang Februar 2002 in New York direkt das Problem des Ungleichgewichts angesprochen und Gerechtigkeit gefordert, also nicht nur von den Globalisierungsgegnern. Werden die Mahnungen auch eine Wende einleiten? - Es ist leider zu bezweifeln.

Am gleichen Tag, also dem 25.1.02 druckte die Hannoversche Allgemeine Zeitung einen Leitartikel von Susanne Iden mit der Überschrift: "Guantanamo - Recht im Krieg". Hier geht es um die 148 gefangenen Taliban- und Al-Qaida-Kämpfer, die im amerikanischen Stützpunkt auf Kuba in Drahtkäfigen eingesperrt sind. Susanne Iden spricht u.a. über die Stimmung in den USA und schreibt: "... Die große Mehrzahl der Amerikaner aber denkt den Umfragen zufolge nur an Vergeltung. ... Niemand kann die amerikanische Öffentlichkeit dazu zwingen, Mitleid mit den Häftlingen zu haben. Wahrscheinlich ist das sogar zu viel verlangt von den Menschen, die die Verletzungen der Terroranschläge noch längst nicht verwunden haben. ..." - Hierüber sollten wir nachdenken. Wen soll denn die Vergeltung treffen? Es müßte doch zunächst in einem ordentlichen Gerichtsverfahren den Angeklagten die Schuld zugeordnet werden können. Aber gerade das verweigert die amerikanische Regierung, die kurz nach dem 11. September öffentlich erklärt hat, daß in der 'Operation unendliche Gerechtigkeit' nötigenfalls auch gelogen werden müsse.

Die USA und die mit ihnen verbündeten Staaten wollen den Kampf für die 'unendliche Gerechtigkeit' führen. Es wäre wundervoll, wenn wir sie dann bald hätten. Eine wesentliche Triebfeder für Terrortaten scheint mir nämlich der bereits erwähnte Mangel an Gerechtigkeit in der Welt zu sein. Doch den gab es schon viel früher.

1972, also vor 30 Jahren zeigte das ZDF eine interessante Fernsehserie in sieben Teilen mit dem Titel: 'Tribunal 1982 - Zwei Welten im Zeugenstand'. Es ging um die Verantwortung der Industrienationen für das Leid in der sogenannten 'Dritten Welt'. (In Wirklichkeit gibt es nur die eine Welt!) Vieles, was damals gesagt wurde, könnte uns sehr zum Nachdenken über unsere derzeitige Situation bringen. Da wurden vor 30 Jahren in dem Spiel Beispiele gebracht und in einem Begleitbuch mit Quellenangaben abgesichert2. Es wurde gezeigt, wie der Westen - oder früher die weißen Kolonialmächte - oft unter dem Vorwand humanitärer Hilfe, sich die Vorherrschaft in der Welt sicherten. - Wir haben seinerzeit als Schüler in der Nazizeit nur gehört, wie segensvoll der Einsatz des Deutschen Reiches in seinen Kolonien gewesen wäre. Da wurde uns nicht klar, daß der große Hunger - abgesehen von Naturkatastrophen - dadurch zustande kam, daß das wertvollste Ackerland für die Produktion der Exportgüter benötigt wurde. Das waren Baumwolle, Kautschuk und weitere, die wir als 'Kolonialwaren' bei uns günstig kaufen konnten. Für die Ernährung der einheimischen Bevölkerung blieb dann nicht genug übrig. Eine Teufelsspirale wurde in Gang gesetzt. Es war intensiverer Ackerbau und ggf. auch künstliche Bewässerung erforderlich, um ausreichend Nahrung zu erzeugen. Die dazu nötigen Geräte mußten teuer aus den Industrienationen importiert werden. Für die Güter aus dem Süden hielt der Weltmarkt dagegen die Erlöse niedrig. - Die Abhängigkeit der sogenannten Entwicklungsländer von den Industrienationen wurde immer größer. Schließlich müssen heute viele dieser Länder die meisten ihrer Güter nur dafür exportieren, daß sie die Zinsen für ihre Kredite bezahlen können.

Weiter sicherten sich vor allem die USA den Zugang zu den meisten Öl- und Gasquellen. Zwar wurden auch die Herrscher in den Ölländern dadurch reich, doch der einfachen Bevölkerung war damit nicht gedient. - Wenn man weiß, daß eine Pipeline durch das westliche Afghanistan geplant ist, fragt man sich ggf. auch, ob die Vernichtung des Taliban-Regimes durch die USA wirklich nur wegen der vermuteten Mitschuld am Terror vom 11. September erfolgte. - Die Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 11.2.02 brachte eine Besprechung des Buches "Die verbotene Wahrheit. Die Verstrickungen der USA mit Osama bin Laden" von Jean-Charles Brisard und Guillaume Dasquié. Darin kann man lesen, daß fast alle Mitglieder der derzeitigen US-Regierung - einschließlich des Präsidenten - ihre Karriere in der Energie- bzw. Ölbranche begannen.

Denken wir an die vielen Toten, die durch die sogenannte 'Strukturelle Gewalt' unseres auf grenzenlosem Eigennutz basierenden Wirtschaftssystems ihr Leben verlieren, sei es durch Hunger, Krankheiten, Kälte usw. Nach einer Information des 'Umweltfonds' (Nr. 13 vom November 2001) kommen täglich 24 000 Menschen in aller Welt durch Hunger um. - Gegenüber diesen Opfern sind die Toten in Amerika eine geringe Zahl. - Wo bleibt da die richtige Perspektive in der Trauer einer ganzen Nation und ihrer Verbündeten? - Man zeigt uns immer wieder die Bilder des Grauens. - Gedenkminuten (z.B. bei der Eröffnung der Olypischen Winterspiele) erinnern an das Leid das durch den Terror in den USA ausgelöst wurde. - Wir finden es aber überall. - Jeder Tote, ganz gleich wo auf der Welt, hinterläßt trauernde Angehörige und Freunde. Überall sterben Menschen (Tiere und Pflanzen) eines gewaltsamen Todes. -

Der Generation unserer Eltern wurde nach Kriegsende vorgeworfen, daß sie Hitler nicht rechtzeitig bekämpft hätten, daß sie die vielen Ungerechtigkeiten hingenommen hätten. Es habe ihnen an Mut gefehlt, die Wahrheit zu äußern. - Ist es heute anders? - Gibt es in unserer Zeit überhaupt eine Perspektive, einen Fluchtpunkt, der unser Leben sinnvoll erscheinen läßt? - Die Menschen in den Industrienationen wollen immer mehr Besitz, immer mehr Reichtum. Das Streben nach dem eigenen Vorteil wird als Leitidee vertreten. Das Handeln im Bewußtsein der Verantwortung für das Ganze und für die sozial Schwächeren wird belächelt. 'Gutmensch' ist zum Schimpfwort geworden.

Die sozialen Bande werden immer weiter aufgebrochen. Die Möglichkeit, mit Arbeit im herkömmlichen Sinne, mit Arbeit, die für die Mitmenschen Nutzen bringt, Geld zu verdienen oder gar Reichtum zu erwerben, wird immer geringer. Dabei ist es gleichgültig, ob es sich um körperliche oder geistige Arbeit handelt. Aktienspekulation ist der Tip. Dazu muß der Kurswert der Aktie, der 'Shareholder Value', hochgetrieben werden. Wer dies in der globalisierten Welt am besten beherrscht und auch 'ein bißchen' Glück hat, steht an der Spitze im Ansehen. Dann gibt es für ihn vielleicht auch einen Verdienstorden; denn er hat gut verdient. - Sollte ein solcher Orden nicht eher an Ärmere verliehen werden, die sich ehrenamtlich für das Allgemeinwohl eingesetzt haben?

Wie sieht es aus, wenn jemand, der nur nach dem 'Shareholder Value' geschaut hat, sterben muß? - Dann verliert alles, was ihm im Leben wichtig war, seinen Sinn. Die letzte Frage lautet nämlich für uns alle: "Was hast Du getan als Dank dafür, daß Du auf diesem wunderschönen Planeten leben durftest? - Hast Du nur empfangen oder auch gegeben?" - Dann kann nichts mehr nachgeholt werden. - Als Symbol für den Zusammenbruch des 'Haben- Denkens' können wir den 11. September sehen. Da standen stolz die Türme des World-Trade-Centers, und kurze Zeit später war es nur noch ein kümmerlicher Trümmerhaufen. - Vielleicht kommt der Tod überraschend und schnell, vielleicht ist es aber auch ein Dahinsiechen, und dem Sterbenden kommt immer wieder die Frage nach dem Sinn seines Lebens. - Ganz gleich, welche religiöse Auffassung er hat, es wird keine Fortsetzung oder Belohnung des eigennützigen Verhaltens nach dem Tode geben. -

Der Schriftsteller Manfred Kyber (1880 - 1933) hat in den zwanziger Jahren wundervolle Tiergeschichten geschrieben. In einer mit der Überschrift 'Nachruhm' beschreibt er den Tod eines 'großen Forschers', der durch Tierversuche seinen Ruhm, seine Orden und Titel erworben hat. - Kyber zitiert das Bibelwort "Und ihre Werke folgen ihnen nach!" - So ist in dieser Geschichte der berühmte Mann im Jenseits auf immer von seinen geschundenen Tieren umgeben. - Ähnlich könnte das Sterben für unseren Top-Manager zum Albtraum werden. - Vielleicht sitzt er da auf seiner Yacht und fährt über das Meer der Toten, die durch seine Wirtschaftspolitik ihr Leben lassen mußten. -

Immer wieder hören und lesen wir von der Notwendigkeit der Bekämpfung des Terrors. Doch was ist Terror? - Im Duden Fremdwörterbuch findet man: Schreckens-, Gewaltherrschaft, rücksichtsloses Vorgehen, Bedrohung, Einschüchterung, Unterdrückung. - So betrachtet, gibt es nicht nur den Terror bei Bin Laden und seinen Gefolgsleuten. - Die derzeit einzige Supermacht hat es erreicht, daß kaum ein offizieller Vertreter eines anderen Staates es wagt, den Maßnahmen der USA in Bezug auf die 'Terrorbekämpfung' zu widersprechen. Präsident Bush sagte ganz deutlich: "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns!" - Für ihn gibt es nur schwarz oder weiß, keine Zwischentöne. -

Man muß nicht amerikafeindlich sein, wenn man das kritisiert und auch kein Antisemit, wenn man die Politik Scharons für nicht akzeptabel ansieht. - 'Auge um Auge! - Zahn um Zahn!' entspricht nicht der christlichen Ethik, die in diesem Punkt auch von anderen Religionen anerkannt wird. Es ist kein Ende des Konflikts abzusehen, solange Israelis und Palästinenser danach verfahren. - Geht es bei den Israelis nicht sogar nach der Regel: 'Zehn Augen um ein Auge!'? - Glücklicherweise können wir heute aber schon feststellen, daß es nicht nur bei uns sondern sowohl in den USA als auch in Israel zunehmend lautstarke Proteste gegen die Politik ihrer Regierungen gibt. -

Was sehen wir, wenn wir die Perspektive geraderücken wollen? - Die USA lassen für sich in wesentlichen Fragen nicht die internationalen Normen gelten. Was sie von anderen fordern, gilt nicht für sie. Weltweit anerkannte Umweltmaßnahmen werden nicht akzeptiert. Die eigene Wirtschaft hat Vorrang. - Diese Haltung findet sich allerdings auch in vielen Beispielen in der EU. Eines ist die Ablehnung der Tabakrichtlinien für den Export von Zigaretten in Drittländer u.a. auch durch die Bundesrepublik Deutschland. - Die USA fordern z.B. 'unendliche Gerechtigkeit', lehnen aber den Beitritt zu einem internationalen Strafgerichtshof ab, der unabhängig vom Druck einer Nation Recht sprechen soll. -

Das Bild unserer Welt gerade in Bezug auf Gerechtigkeit ist bedrückend. Wenn wir aber unsere Verantwortung für die Zukunft erkennen und eine Welt haben wollen, in der sich auch die folgenden Generationen wohlfühlen sollen, müssen wir endlich den Mut haben, die bisherigen Strukturen aufzubrechen. Der wirklichen Gerechtigkeit für alle muß der Boden bereitet und aller Gewalt eine Absage erteilt werden. Den Blick hierfür zu schärfen, ist der Sinn meines Beitrages. - Folgen wir den mutigen Menschen in Gruppen wie Greenpeace, Robin Wood, Attac und vielen anderen! - Ihr Einsatz gibt Mut, daß noch nicht alles verloren ist.

Anmerkungen

1) Orwell, George: 1984, Ullstein Buch Nr. 3253, 1982 - Ein Kapitel dazu auch in meinem Buch: "'Unternehmen DELPHIN gescheitert' - Es kommt jetzt auf uns alle an! - Notizen und Gespräche über Gegenwart und Zukunft unseres Planeten"

2) Der Text der Serie wurde veröffentlicht: Fritz Puhl, Zwei Welten im Zeugenstand, Lesestück zur Fernsehserie Tribunal 1982, Laetare Verlag Stein/Nürnberg, 1972. - Die Materialien erschienen unter dem Titel: Hrsg.: Heiner Michel, Tribunal 1982 - Materialien zu einem kommenden Prozeß, Schroedel-Diesterweg-Schöningh, Hannover - Frankfurt - Paderborn, 1972


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