Team-Work - weltweit!



Schon seit Jahren bedrängt mich die Frage, ob wir mit unserem gegenwärtigen Wirtschaftssystem die Zukunftsprobleme meistern können. Dazu habe ich mehrere Beiträge geschrieben, die auf dieser Homepage (zuletzt in meinem Artikel 'Gesucht: - Ein zukunftsfähiges Wirtschaftssystem!') und in meinem Buch 'Unternehmen DELPHIN gescheitert - ...' zu finden sind. Ich habe jedoch den Eindruck, daß einige wesentliche Punkte nicht kräftig genug behandelt wurden. - Damit mein neuerlicher Versuch, die Probleme und ihre möglichen Lösungswege aufzuzeigen, nicht zu umfangreich wird und die wesentlichsten Argumente nicht in der Fülle von Stoff untergehen, werde ich hier nicht alles wiederholen, sondern auf die früheren Beiträge verweisen.

Ich bin immer wieder enttäuscht, daß die Politik den Gedanken, daß das Wirtschaftssystem nicht mehr brauchbar sein könnte, völlig ignoriert. Ich bin es doch nicht allein, der diese Auffassung vertritt. Viele kluge Köpfe - und einflußreichere als ich - sprechen oder schreiben darüber. Allerdings wird dieses Wissen immer außerhalb der Wege der allgemeinen Kenntnisnahme gehalten.

Die Erörterung dieses Hauptproblems fällt allerdings unter ein Tabu. - Orwell würde Verbrechenstop dazu sagen. Wir kommen aber nur weiter, wenn wir uns darüber hinwegsetzen. - Zwar haben wir das Recht zur freien Meinungsäußerung, doch der Druck der Politik und der Mächtigen aus der Wirtschaft ist oft so stark, daß kaum ein Verlag oder ein Sender es wagt, heikle Themen beim Namen zu nennen. Kritische Betrachtungen zu solchen Begriffen wie Marktwirtschaft, Konkurrenz, Gewinn und Globalisierung gehören in diesen Tabubereich.

Warnzeichen der Natur

Selbst die konservativen Menschen in den USA beginnen einzusehen, daß der bereits spürbare Klimawandel größtenteils durch uns Menschen gemacht wird. Täglich kommen Meldungen über den Raubbau an der Natur. Ganze Landstriche werden zu Wüsten. Das Abholzen von Wäldern in Bergregionen zwecks Einrichtung von Skipisten führt zum Abrutschen ganzer Hänge. Die Wasserspeicherfähigkeit der Böden geht verloren mit der Folge von Überschwemmungen weiter flußabwärts. Der Boden wird durch alle möglichen Chemikalien verseucht. Pflanzen und Tiere sterben aus. - In einer gesunden Natur existiert ein Gleichgewicht zwischen allen Lebewesen, Pflanzen sowie Tieren. - In den Landschaften, die der Mensch beherrscht, ist die Vielfalt verlorengegangen. Die 'Nützlinge' die vorher die 'Schädlinge' in Schach hielten, sind verschwunden und müssen durch Chemikalien, (Insektizide und Herbizide) ersetzt werden. - Das Verderben unseres Lebensraumes geschieht schneller und schneller. - Mit dem Hinweis "Die Natur braucht uns nicht, aber wir brauchen die Natur!" werden wir gewarnt. - Wer ist bereit, wirklich ernsthaft daraus die Konsequenzen zu ziehen, wenn sie auch seinen Geldbeutel und seine Interessen betreffen? Als Beispiele nenne ich den Kraftfahrzeugverkehr und das Fliegen.

Viel Geld und viele geistige Leistungen sind nötig, um aller dieser Probleme Herr zu werden. Doch wir 'verpulvern' das Geld in Kriegen, die ihre vermeintliche Rechtfertigung verlören, wenn wir die Probleme gelöst hätten. - Was hindert uns daran? - Offenbar sind wir nicht bereit, die eingefahrenen Denkgleise zu verlassen.

Raumschiffdenken erforderlich!

Wenn auch in Zukunft höher entwickeltes menschliches Leben möglich sein soll, benötigen wir für die politische und wirtschaftliche Steuerung das Raumschiffdenken, d.h. wir müssen uns vorstellen, welche Regeln in einer Science-Fiction-Darstellung für ein Raumschiff gelten müßten, das sich mit einer großen Zahl von Menschen auf einer jahrelangen Reise zu anderen Welten befindet. Es lassen sich dann Lebensregeln ableiten, die auch für uns gelten müssen; denn auch die Erde hat keine unbegrenzten Vorräte. -

Erstmals habe ich 1973 in einem Beitrag (Pseudonym: Günther Frisch) Interstellarer Entwicklungsdienst leitet Notprogramm 'Erde' ein. - Ist der Planet Erde noch zu retten? über das Raumschiffdenken geschrieben. Dort sind auch die Regeln aufgeführt. Auch in späteren Artikeln wurde dieses Thema immer wieder angesprochen.

Nachhaltige Wirtschaft notwendig - Gaia-Denken

Wenn wir Erfolg haben wollen, so müssen wir uns zunächst von allen Begriffen lösen, die mit dem derzeitigen Wirtschaftssystem verbunden sind. Einen Zugang finden wir vielleicht mit dem 'Gaia-Denken'.

1979 stellte der englische Kybernetiker James Lovelook die 'Gaia-Hypothese' vor. - Gaia ist in der griechischen Mythologie die 'Mutter Erde'. Nach Lovelooks Hypothese ist die Erde selbst als ein Organismus anzusehen, bei dem alle Organe (Tiere [einschließlich Menschen], Pflanzen, Mikroorganismen und unbelebte Natur) richtig zusammenwirken müssen, damit er am Leben bleibt. Und nur, wenn er am Leben bleibt, werden die Menschen, als ein Teil davon, auch leben können.

Da Gaia die gesamte Erde darstellt, muß auch das System, welches die Regeln für uns Menschen umfaßt, global ausgerichtet sein. Wir brauchen also eine Globalisierung, aber eine völlig andere als die heutige. Die Regeln, nach denen wir als Menschen unser Handeln auszurichten haben, müssen den Anforderungen von Gaia entsprechen.

Der Hauptfehler, der heute unsere weltweiten Probleme bringt, ist der, daß unser Denksystem den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Es wird ein System konstruiert, das sich an den Vorstellungen der Menschen orientiert. Wir sind also mit unseren Denkweisen beim egozentrischen Denken stehengeblieben. Um weiterzukommen erinnere ich an ein Wort von Albert Einstein: "Man kann die Probleme nicht mit den Denkweisen lösen, die zu ihnen geführt haben." - Wenn wir aber die Anforderungen von Gaia als Ausgangspunkt nehmen, so treten ganz andere Bedingungen in den Vordergrund. Nach diesen muß sich auch unser Wirtschaftssystem richten.

Kapitalistisches System mit Konkurrenz ist nicht brauchbar

Das derzeitige kapitalistisch-marktwirtschaftliche System ist zur Lösung unserer Probleme nicht brauchbar. Es basiert auf der Wachstumsideologie und dem Konkurrenzdenken, über deren Problematik ich bereits mehrfach geschrieben habe. Es gilt: "Wachstum, Wachstum über alles!" Dabei ist es gleichgültig, ob wirklich notwendige Dinge produziert werden oder z.B. Waffen, die beim Einsatz die Umwelt weiter zerstören. - Die 'Wirtschaftsweisen' sind stolz darauf, wenn sie hohe Werte des prozentualen Anstiegs prognostizieren können. Ein solches Wachstum führt, wie man leicht ausrechnen kann, ins Unendliche und damit in die Katastrophe; denn die Erde ist nicht unendlich groß. Das System läßt sich nur einigermaßen bei Wachstum stabilisieren. Wir benötigen dagegen Stabilität im Sättigungsbereich und einen umfassenden Schutz der Umwelt.

Zur Versorgung der Menschen unter größtmöglicher Schonung der Umwelt ist Planwirtschaft erforderlich!

Ich benutze für diese Feststellung den Fettdruck, weil dies ein so wesentliches Tabu ist, daß kaum jemand wagt, es deutlich zu sagen. Es muß aber von möglichst vielen eingesehen werden. - Planwirtschaft ist nicht notwendig mit Marxismus verbunden. Sie wird vor allem auch dann eingesetzt, wenn mit Vorräten sparsam umgegangen werden muß und Arbeitskräfte nicht beliebig zur Verfügung stehen. Das ist z.B. in Kriegen der Fall. Aber auch in der ganz normalen Wirtschaft spielt sie eine bedeutende Rolle.

Ich stimme, wie gesagt, dem Wort von Albert Einstein zu, wenn er sagt; "Man kann die Probleme nicht mit den Denkweisen lösen, die zu ihnen geführt haben." - Das Denken in den Kategorien des derzeitigen Wirtschaftssystems hat zu unseren weltweiten Problemen von Not, Arbeitslosigkeit, Umweltbelastung, Vernichtung von Rohstoffen, Kriegen usw. geführt. Also ist eine andere Denkweise erforderlich. -

Seit ich mich mit den Problemen der Friedenssicherung befasse, ist militärisches Denken nicht meine normale Denkart. Manchmal kann jedoch diese Denkweise ganz nützlich sein.

Militärstrategisches Denken für friedliche Zwecke

Also versuchen wir es einmal anders, nämlich mit dem militärischen Denken, bei dem charakteristisch ist, daß es sich nicht um Geld kümmert.

Ein Militärstratege wird fragen:

* Was ist meine Aufgabe?
* Was steht mir zur Verfügung?

Menschen
Produktionsmittel
Energie
Rohstoffe

Dann wird er fragen: Kann ich mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln meine Aufgabe bewältigen? - Wenn er dafür sorgen kann, daß alle Beteiligten das zum Leben Notwendige bekommen, braucht er im Grunde kein Geld; denn das ist nur ein Tauschhilfsmittel.

Wir sollten immer daran denken: Geld kann man nicht essen. Und ich kann mit noch soviel Geld das nicht kaufen, was nicht vorhanden ist. Auch in ein "besseres Jenseits" kann ich es nicht mitnehmen. - Ich hörte neulich, daß die Gruppe der Reichen inzwischen soviel Vermögen angesammelt hätte, daß zur Materialisierung auf der Erde gar nicht genug Werte vorhanden seien.

Wenn der Militärstratege seine Aufgabe angehen will, wird er die nötigen Produktionsstätten einfach beschlagnahmen und die Arbeiter dienstverpflichten und natürlich auch alle mit dem Lebensnotwendigen versorgen. - Um Handlungshinweise zu finden, erforscht er nicht die Wirtschaftspolitik in den wenigen sozialistischen Ländern, sondern nimmt als Vorbild die hiesige Industrie.

Der 'Horror' Planwirtschaft - Das Organismusmodell

Zum Begriff 'Planwirtschaft' wird uns eine Horrorvorstellung aufgebaut. 'Diktatur' und 'Unfreiheit' sind damit verbunden. Es wird betont, daß die Freiheit das Wichtigste in unserem Leben sei. - Zwar haben Länder, während sie sozialistisch regiert wurden, häufig eine verbesserte Lebensgestaltung ermöglicht (z.B. Schulbildung und medizinische Versorgung in Kuba). Der Vorwurf aber lautet: Es fehle die persönliche Freiheit. - Um die Fragwürdigkeit solcher Argumente darzustellen, will ich auf einen Beitrag von mir 'Organismusmodell - eine Chance optimaler Lebensgestaltung in der Zukunft?' hinweisen.

Was bedeutet 'Organismusmodell'?

Da dieser Beitrag von 1978 hier auf der Homepage zu finden ist, will ich nur kurz darstellen, was ich mit dem 'Organismusmodell' meine: Wenn wir unseren eigenen Körper betrachten, können wir zwei wesentliche Gruppen von Organen erkennen. Die einen (Herz. Lunge, Leber, Nieren usw.) dienen der Aufrechterhaltung des Lebens, der Versorgung. Sie arbeiten automatisch gesteuert so zusammen, daß dieses Ziel erreicht wird. Eine bewußte Einwirkung von uns ist nicht vorgesehen. - Die anderen (Arme, Beine, Augen, Ohren, Geruch, Tastsinn usw.) können wir bewußt innerhalb bestimmter Grenzen einsetzen. Sie dienen der Entfaltung in unserem Leben.

Sicher wären wir nicht glücklicher, wenn wir uns ständig um das richtige Zusammenspiel der Versorgungsorgane (von Herz, Lunge usw.) bewußt kümmern müßten. Hier vertrauen wir darauf, daß die Regelung unbewußt richtig funktioniert. Unser Freiheitsbedürfnis liegt im Bereich der Entfaltung. - Ich habe damals von 'Versorgungs- und Entfaltungswelt' gesprochen.

Wenn wir nun erreichen könnten, daß der Zeitaufwand für unsere Arbeit in der 'Versorgungswelt' möglichst klein wird und wir viel Zeit für unsere persönlichen Vorstellungen gewinnen könnten, so müßte doch jeder mit dieser Lebensweise sehr zufrieden sein.

Auch in unserem Wirtschaftssystem gibt es Planwirtschaft

Was wir für ein sinnvolles Wirtschaftssystem brauchen, wird von der Politik und den Leitern großer Konzerne abgelehnt, nämlich die Planwirtschaft. Sie wird aber exakt in ihrem Machtbereich durchgeführt, wobei auf die Menschen keine Rücksicht genommen wird. Hauptsache ist, daß das Ergebnis stimmt. Kein Produkt (z.B. Auto) wird erfolgreich hergestellt werden können, wenn die Fertigung nicht genau geplant ist. Das schließt - und das ist zu beachten - die Zulieferbetriebe ein; denn die einzelnen Bauteile müssen exakt zu einer bestimmten Zeit am Montageort eintreffen, wenn sie für die spezielle Modellausführung benötigt werden..

Die in der Produktion arbeitende Bevölkerung ist also in einer 'Planwirtschaft' beschäftigt. Nur wird das verschleiert, weil dieser Begriff 'Unfreiheit' suggeriert. - Doch denken wir noch einmal an das 'Organismusmodell', also an unseren eigenen Körper. - Wie schön ist es, daß da alles, was mit der Versorgung, der Aufrechterhaltung der Lebensfunktionen, zusammenhängt, automatisch abläuft. Deshalb fühlen wir uns nicht unfrei! Unser Lebensinhalt liegt im Bereich der Entfaltung. Da wollen wir möglichst viel Freiheit haben!

Ziele nur mit weltweiter Zusammenarbeit erreichbar (Team-Work)

Die Planwirtschaft kann aber nur erfolgreich sein, wenn sie mit dem Gaia-Denken verbunden ist. Wenn wir nur auf eine Optimierung in unserem Bereich achten, können sich die Maßnahmen in anderen Gebieten der Erde sogar schädlich auswirken. Wir brauchen also eine weltweite Abstimmung und Zusammenarbeit. - Das dürfte die größte Schwierigkeit bei der Umsetzung unseres Planes werden.

Die Aufgabe, eine lebenswerte Welt zu erhalten, kann die Menschheit nur gemeinsam lösen. - Team-Work muß im Mittelpunkt unserer Überlegungen stehen. Es wird allerdings ungeheuer schwer sein, die gesamte Menschheit zur Teamarbeit zu bringen, ohne daß diese als Sklavenarbeit und die Organisation als Diktatur empfunden wird.

Überall in der Wirtschaftswelt spielt sie heute eine große Rolle. Diese Form der Zusammenarbeit ist aus keinem Betrieb mehr wegzudenken. Auch in der Forschung sind es heute meist nicht mehr Einzelne, die sich um eine Fragestellung kümmern. Wissenschaftliche Veröffentlichungen nennen meist mehrere Namen als Verfasser. Jeder Mitarbeiter trägt mit seinem Wissen und seinen besonderen Fähigkeiten zum Erfolg bei. Team-Work ist die erfolgreichste Methode zur Lösung schwieriger Probleme!

Voraussetzung für einen Erfolg bei unserer Aufgabe ist meines Erachtens, daß von allen Beteiligten die Erfordernisse erkannt werden, daß die Menschen begreifen, daß es nicht anders geht, daß die Logik der Regelungen akzeptiert wird und jeder seine eigene Verantwortung erkennt - und zwar für das Ganze, nicht nur für das eigene Leben. - Wir müssen also ein völlig neues System schaffen, das so überzeugend ist, daß alle vernünftigen Menschen zustimmen können und bereit sein müssen, nach den neuen Grundsätzen zu leben.

Als ganz wichtig muß dabei festgehalten werden: Team-Work funktioniert nur, wenn jeder sich mit vollem Einsatz und voller Überzeugung für das gemeinsame Ziel einsetzt. Das Mißlingen ist programmiert, wenn einer oder mehrere versuchen, besondere Vorteile für sich daraus zu ziehen. Und hier liegt das - schier unüberwindbare - Hauptproblem, wenn wir fordern, daß Team-Work weltweit erfolgen soll.

Wie könnte das normale Leben aber aussehen, wenn für uns das 'Wohlbefinden von Gaia', also das Gleichgewicht in der Tier- und Pflanzenwelt und auch in der unbelebten Natur (z.B. CO2 in der Atmosphäre) und auch das friedliche Zusammenleben der Menschen weltweit Richtschnur wäre? -

Die Probleme des weltweiten Systems (Bienenstaat)

Läßt sich überhaupt eine Institution aufbauen, die in der Lage wäre, alle notwendigen Maßnahmen zu koordinieren? - Um diese Frage zu beantworten müssen wir uns vollständig vom herkömmlichen Denken freimachen. Wir sollten vielleicht nach dem Konzept der 'Zukunftswerkstätten' von Robert Jungk vorgehen. -

Wenn wir die UNO an die Spitze stellen, so benötigt sie eine völlig neue Verfassung. Nicht die Macht, sondern der Verstand und die Unparteilichkeit müssen regieren. D.h., daß es auch kein Vetorecht einiger Großmächte geben darf. Von Macht darf überhaupt keine Rede sein.

Vielleicht finden wir Anregungen durch Beobachtung der Natur. Dabei können wir allerdings nicht alles kritiklos übernehmen. Es muß den Bedingungen der Menschen angepaßt werden.

Am 17.11.06 wurde in der Fernsehsendung 'nano' (3sat) im Zusammenhang mit der Klimakonferenz in Nairobi die Notwendigkeit einer völligen Umorientierung in der Politik als dringend notwendig dargestellt. Als Beispiel wurde der Bienenstaat erwähnt. Dabei sei die 'Selbstorganisation' wichtig. Die Königin gibt nicht die Kommandos. Je nach Bedarf werden die Bienen für bestimmte Aufgaben umprogrammiert. Wie das zustandekommt, ist allerdings noch nicht klar.

Im Bienenstaat scheint alles ziemlich homogen zu sein. Das können wir bei den Menschen nicht finden. Es gibt eine ungeheure kulturelle Vielfalt und weit gefächerte Entwicklungsstufen. Dabei sollten wir nicht davon ausgehen, daß unsere westliche Art der Lebensgestaltung Vorbild sein sollte. Wir müssen bereit sein, auch von anderen Völkern zu lernen.

Je umfassender ein System ist, desto schwerer ist es, die Zusammenhänge bzw. Koppelungen zu durchschauen. Unser Dilemma besteht wohl darin, daß die Menschheit vermutlich das Wissen hat, wie unsere Probleme zu lösen wären, aber die Menschen selbst nicht reif genug sind, es sinnvoll anzuwenden.

Untersysteme schaffen. Sie funktionieren nur auf Vertrauensbasis.

Möglicherweise sollten wir Untersysteme schaffen, welche für ihren Bereich Lösungen erarbeiten, aber dabei sich strikt - nach dem Prinzip 'Team-Work - weltweit!' - an die Vorgaben der 'neuen UNO' halten. - Das dürfte aber nur gelingen, wenn die Regeln so geschaffen werden, daß niemand durch die Wahl seines Verhaltens persönliche Vorteile oder solche für seinen Bereich erlangen kann. Verbesserungen für den kleinen Bereich kann es nur geben, wenn sie nicht mit den Interessen und Lebensgrundlagen im Gesamtsystem Erde im Widerspruch stehen. Das gesamte Lenkungssystem muß auf Vertrauensbasis funktionieren. Niemand darf auch nur den leisesten begründeten Verdacht haben, daß er bei irgendeiner Maßnahme 'über den Tisch gezogen werden soll'.

Solche Regeln mögen 'der menschlichen Natur widersprechen'. Das ist die größte Schwierigkeit für unser Vorhaben. - Ehe wir uns aber dagegen stemmen, sollten wir zur Kenntnis nehmen, daß in der Milliarden Jahre dauernden Entwicklung des Lebens auf der Erde die Lebewesen ausgemerzt wurden, die sich den sich ändernden Bedingungen des Umfelds nicht anpassen konnten. Wenn wir es also nicht schaffen, muß - wie ein kluger Kopf einmal formulierte - "der ungeheuer geduldige Versuch der Natur, ein denkendes Lebewesen hervorzubringen, als gescheitert angesehen werden."

'Die Revolution findet im Computer statt.'

In den 70er Jahren gab es mehrere Computerstudien zum Thema 'Die Grenzen des Wachstums'. Sie erregten viel Aufsehen; denn es waren nicht nur Warnungen, daß wir zu einer anderen Lebensweise kommen müßten, sondern Zahlen und Kurvendarstellungen zeigten es ganz deutlich. - Heute denkt man nicht mehr daran. Das 'Wachstum unser' wird wieder von fast allen 'Wirtschaftsweisen' und Politikern gebetet.

Der Computer wurde damals eingesetzt, um zu errechnen, was geschehen würde, wenn man so weitermachte wie bisher. Allerdings konnte man in diesen Jahren - wegen der geringen Leistungsfähigkeit der Computer nur relativ einfache Beziehungsnetze aufstellen. Man konnte aber auch Szenarien untersuchen, die unter ganz anderen Bedingungen der Vernetzung arbeiten. Man hätte z.B. ein anderes Wirtschaftssystem voraussetzen können. Doch hier fehlte der Mut und fehlt auch heute noch. - Auf diese Möglichkeiten habe ich damals in einem Leitartikel "Die Revolution findet im Computer statt." (1974) hingewiesen. Zwei Sätze will ich aus diesem Artikel zitieren: "Noch kann die Revolution im Computer stattfinden. Sie kostet nur unsere geistige Anstrengung und Rechenzeit aber kein Blut." -

Ein neues Denken ist in Bezug auf das Wirtschaftssystem notwendig. Kooperation statt Konkurrenz sollte schon die Jugend lernen. Vielleicht lassen sich mit der heute möglichen größeren Rechenkapazität spannende Computerspiele entwickeln, welche z.B. die nötige Kooperation einüben, und die Jugend auf Gewaltspiele mit ihren fragwürdigen Folgen verzichten lassen. -

Es ist erstaunlich, daß damals - also vor mehr als 30 Jahren - Probleme viel deutlicher angesprochen wurden als heute. Damals wurde man sich weltweit der Grenzen des Wachstums bewußt. Heute ist das alles wieder vergessen.

Wie ich schon gezeigt habe, müßten eine große Zahl von Forderungen erfüllt sein, wenn unser Wirtschaftssystem zukunftsfähig sein soll. Völlig unmöglich ist ein Weg, auf dem wir weltweit ('aus dem Stand heraus') ein neues System einführen könnten. - Wie aber dann? -

Wir müssen das neue System denkbar machen, zeigen, daß es funktionieren könnte, darlegen, welche Bedingungen erfüllt sein müßten. Vor allem aber müßten wir zeigen können, daß es ein 'menschliches' System sein kann, lebenswert für alle. - Um eine Modellvorstellung zu schaffen, bietet sich zunächst der Computer an. Doch der ist nicht allwissend. Er gibt nur gute Antworten, wenn das Programm stimmt.

Wir können nicht sofort erkennen, ob eine Entscheidung gut oder schlecht ist. Manche Maßnahme wurde voller Zuversicht gestartet. Und später stellte sich erst heraus, daß die Ergebnisse eher schädlich als nützlich sind. - Ein eher zurückhaltender Umgang mit dem Fortschritt ist also angebracht.

Demokratie Ja - aber wie?

Unser Grundgesetz fordert das Bekenntnis zur 'freiheitlich- demokratischen Grundordnung'. Wird aber hinterfragt, was darunter zu verstehen ist? Haben wir sie wirklich in unserer 'westlichen Welt'?

Die Verfassungen der einzelnen Staaten, die angeblich Demokratien sind, sehen sehr unterschiedlich aus. Außerdem drängt sich die Frage auf, ob denn die Praxis den Forderungen genügt. Ich will nur kurz die Fragwürdigkeiten andeuten. - Ist es mit der Demokratie vereinbar, wenn bei Wahlen die Entscheidung davon abhängt, wer in einer Fernsehdiskussion den besten Eindruck gemacht hat. Da wird möglicherweise der 'Macher', der angeblich alles kann und weiß, bevorzugt. Mir scheint allerdings jemand, wie z.B. die Abgeordnete aus den neuen Ländern - Ingrid Köppe - Anfang der 90er Jahre, die bessere Wahl zu sein. Sie antwortete damals in einem Fernsehinterview auf eine schwierige Frage, sie müsse darüber nachdenken.

Oder kann eine Demokratie zustandekommen, wenn, wie in den USA, nur der als Präsidentschaftskandidat überhaupt eine Chance hat, der genügend Vermögen besitzt, um den Wahlkampf zu bestreiten? - Die Reichen, die ihn finanzieren, wollen doch, daß die Politik in ihrem Sinne gemacht wird.

In einer wirklichen Demokratie sollten alle die, die von den Entscheidungen mitbetroffen sind, auch mitentscheiden können. Da heutige Entscheidungen räumlich und zeitlich äußerst weitreichend sein können, wären es auch die späteren Generationen und Menschen in aller Welt, die für diese Wahl gar kein Wahlrecht haben. - Mehr dazu findet sich in meinem Artikel über das Zwiedenken.

Ein neues Menschenbild

Wir sehen uns ziemlich ratlos. - Eine völlig andere Politik soll gemacht werden. Aber es ist nicht zu erkennen, wie unsere derzeitige menschliche Gesellschaft das schaffen könnte. Wir sollten uns aber fragen, ob Zeitgenossen Goethes - also Menschen vor 200 Jahren - damals einen Science-Fiction-Roman, der unsere Lebensweise von heute beschreibt, für realisierbar gehalten hätten. - Da die Entwicklung heute viel schneller geht als damals, könnte vielleicht bereits in 30 Jahren eine Welt existieren, die für uns heute undenkbar scheint. - An uns liegt es, ob es eine Welt ohne Krieg mit einem wundervollen Zusammenspiel aller sein wird, oder ob es eine Welt sein wird, in der Menschen keine Rolle mehr spielen. -

Erfolgreich wird die neue Weltpolitik, die wir anstreben, nur sein, wenn ein anderes Denken die Menschen erfaßt, ein Denken, bei dem das Sein und nicht das Haben maßgebend ist. In Zukunft sollte gelten: Jeder soll für seine Arbeit einen angemessenen Lohn erhalten, aber nicht - möglicherweise ganz ohne Arbeit - irgendwelche Gewinne erzielen! Es darf nicht aus allem ein Geschäft gemacht werden. - Mir tut es weh, wenn ich vom 'Markt' im Gesundheitswesen höre, wenn es einen 'Wettbewerb' zwischen Ärzten oder Krankenhäusern geben soll. Auch die Entwicklung von Medikamenten dürfte nicht vom Markt abhängig sein! Wieviele Menschen müssen vorzeitig sterben, weil ihre Krankheit zu selten ist, die Entwicklung eines Medikaments sich deswegen nicht lohnt? -

Wilhelm Conrad Röntgen hat sich seine Entdeckung nicht patentieren lassen. - Wie viele Patente werden heute auf dem Sektor des Lebens (Saatgut, Medikamente usw.) erteilt, die zu Lasten der Menschen die Gewinne der Unternehmen steigern?

Wo liegt der richtige Weg? - Ich weiß es nicht und bin zu alt, um ihn noch zu finden! - Ich weiß aber, daß es nur ein Weg des Friedens sein kann. Und auf diesem Weg muß die Liebe eine große Rolle spielen, nicht die Liebe zu uns selbst, sondern zu allem Leben auf dieser wunderschönen Erde!

Die Zeit drängt! - Haben wir die Kraft und den Mut mit der Änderung zu beginnen! Und denken wir an ein Gesetz, das in der Physik, aber auch im menschlichen Handeln gilt: 'Die Haftreibung ist größer als die Gleitreibung.' - Wenn wir erst einmal etwas Bewegung in die Denkstruktur gebracht haben, wird der Wandel sich beschleunigen können.

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(Einiges mehr zum Thema findet sich in anderen Artikeln auf dieser Homepage und in meinem Buch.)


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