"Systemveränderung hin zur Mitte" - Ein möglicher Weg in eine bessere Zukunft?

"Wir sind die gesamte Menschheit!"


In meinen letzten Artikeln habe ich mich immer wieder auf die verschiedenste Weise mit der Suche nach einem zukunftsfähigen Wirtschaftssystem beschäftigt und bin erschüttert, daß bei den Diskussionen in den Medien der langfristige Aspekt ständig vernachlässigt wird, obwohl betont wird, daß es darum gehe. - Solange aber bei den derzeitigen politischen und wirtschaftlichen Strukturen (der Globalisierung und der wachstumsorientierten kapitalistischen Marktwirtschaft) geblieben wird, ist eine Lösung der Probleme nicht in Sicht. -

Wir brauchen dringend die Systemveränderung - nicht nach rechts, nicht nach links, sondern hin zur Mitte. Die Mitte, die ich meine, ist weder Schröders noch Merkels Mitte. Es ist die wahre Mitte. Es ist die Mitte derer, die nicht den Gegner suchen, sondern den Mitmenschen, den Freund. Es ist die Mitte der Liebe, der Ehrfurcht vor der Natur, der Gerechtigkeit. Es ist die Mitte des 'Wir', in der der Egoismus ausgedient hat.

Ich erwähne die Systemveränderung mit starker Betonung, weil dieser Begriff schon seit Jahrzehnten mit einem Tabu belegt ist. Der 'Systemveränderer' wird heute so ausgegrenzt wie die Leprakranken - oder sagen wir es deutlicher: die Aussätzigen - im Mittelalter. Dabei habe ich schon deutlich gemacht, daß es nicht 'den Systemveränderer' gibt, sondern, daß immer gefragt werden muß, in welcher Richtung die Systemveränderung gehen soll. Die Annahme, daß die westlichen Industrienationen den 'rechten Weg' wissen und die übrige Welt sich danach zu richten habe, ist die Ursache für die Hauptprobleme unserer Zeit.

Versuchen wir doch einmal eine 'Systemveränderung hin zur Mitte'!

Die folgenden Überlegungen greifen im Detail auf verschiedene Artikel zurück, die auch auf dieser Homepage zu finden sind. Um nicht alles wiederholen zu müssen, verweise ich auf folgende Beiträge: 'Die Zukunft geht uns alle an!', 'Die Revolution findet im Computer statt.', ' Organismusmodell - eine Chance optimaler Lebensgestaltung in der Zukunft?', 'Eine andere Welt ist möglich!', 'GESUCHT: Ein zukunftsfähiges Wirtschaftssystem.', 'Team-Work - weltweit', 'Die Klimakatastrophe zwingt uns zur Weltgemeinschaft!', 'Kooperation statt Konkurrenz! - Wie ist die Erde noch zu retten?'.

Es gab schon immer bedeutende Menschen, die bereit waren, neue Wege zu gehen - auch schon in der Geschichte der USA. So schreibt der frühere Vizepräsident der USA und Friedensnobelpreisträger Al Gore in seinem neuesten Buch: 'Angriff auf die Vernunft' auf Seite 284: "Abraham Lincoln sagte einst: In der augenblicklichen Lage türmen sich bis in große Höhen die Schwierigkeiten, an denen wir wachsen müssen. Da wir es mit einem neuen Fall zu tun haben, müssen wir neu denken und neu handeln. Wir müssen uns losreißen. Dann werden wir unser Land retten."

Carl Friedrich von Weizsäcker, der in diesem Frühjahr kurz vor der Vollendung seines 95. Lebensjahres verstorben ist, sagte einmal auf einer Tagung der 'Vereinigung Deutscher Wissenschaftler' in den 1960er Jahren, daß er sich den Weltfrieden nur unter einer Weltregierung vorstellen könne, daß er aber nicht wisse, wie man das erreichen könne. - Die Forderung nach einer 'Weltinnenpolitik' war ihm ein wesentliches Anliegen.

Und Albert Einstein betonte: "Man kann die Probleme nicht mit den Denkweisen lösen, die zu ihnen geführt haben." - Diese Erkenntnis ist für mich zu einem Leitgedanken für meine Arbeit geworden und ist sicher auch auf der Suche nach einem guten Weg in die Zukunft zu berücksichtigen. - Vielleicht ist dann schon unsere bisherige Fragestellung falsch, wenn wir nach einem 'zukunftsfähigen Wirtschaftssystem' suchen. - Wir müssen weiter ausholen und berücksichtigen, daß die 'Menschheit' nur ein Untersystem der 'Biosphäre' darstellt und vielleicht fragen: "Wie muß dieses Untersystem organisiert werden, damit es sich in das 'Gesamtsystem Biosphäre' (Wir können auch von Gaia, der 'Mutter Erde' sprechen.) störungsfrei einordnet, aber auch möglichst weitgehend die Bedürfnisse der Menschen berücksichtigt?" - Dazu ist wahrscheinlich die weltpolitische Struktur und damit unser Wirtschaftssystem völlig neu zu gestalten und möglicherweise mit ganz neuen Namen zu versehen. Vorbilder gibt es dafür nicht, auch nicht im Bereich des bisherigen Ostblocks und seiner Einflußsphäre.

Charakteristisch für den globalen Kapitalismus ist eine Äußerung eines Porsche-Managers, die am 28.11.07 im Fernsehen gebracht wurde. Er sagte: In der Wirtschaft gebe es heute nur noch Gewinner oder Verlierer. Porsche und VW müßten zu den Gewinnern gehören. - Sein Angriffsziel war Toyota. - In einer menschlichen Gesellschaft, die ums Überleben kämpft, darf es aber nicht mehr Gewinner oder Verlierer geben. Der Kapitalismus ist ein 'Weltbild des Gegeneinander'. Wir brauchen aber das 'Weltbild des Miteinander'. - Der grundsätzliche Gedanke ist, daß alle Menschen sich in erster Linie als Weltbürger fühlen und entsprechend handeln. Erst dahinter kommt das Volk oder die Familie.

Wie ist das zu erreichen?

Das derzeitige Wirtschaftssystem bringt für einen großen Teil der Bevölkerung in den Industrienationen kurzfristig Vorteile zu Lasten der armen Völker. Längerfristig gesehen droht aber auch den Industrienationen der Untergang. Der Weltklimabericht sieht die Gefahr deutlich größer, als sie bisher eingeschätzt wurde. Es wird kaum noch eine Möglichkeit gesehen, wie das Unheil aufzuhalten wäre. Die gesamte Menschheit - und voran die Industrienationen - müssen wohl ihr Verhalten innerhalb des gesamten Ökosystems ganz neu ausrichten und erkennen, daß wir bei weitem nicht mehr alles dürfen, was uns technisch möglich wäre und - nach herkömmlichem Denken - auch wünschenswert zu sein scheint. Wenn also zur Abwendung dieser größten Gefahr Sonderverhalten notwendig wird, kann dieses nur erreicht werden, wenn wir mit einer Art von 'Notstandsgesetzen' arbeiten. - Bisher wurde dann in solchen Fällen 'Kriegsrecht' oder etwas ähnliches eingeführt. - Ich benutze diese harten Ausdrücke, weil es keinen Sinn hat, in Notsituationen 'um den heißen Brei herumzureden'. - Und wir haben eine Notsituation - wenn es auch die meisten nicht wahrhaben wollen!

Wir müssen der Menschheit ein sinnvolles Leben sichern und dem gesamten Ökosystem der Erde das Gleichgewicht erhalten. Für die Menschen sollte es ein befriedigendes Leben sein, wobei den Wünschen eine Grenze gesetzt werden muß. Es können also die Bedürfnisse nur in gewissem Umfange erfüllt werden. Dazu ist von jedem Einsicht erforderlich. - Außerdem muß auch jedem klar sein, daß er im Rahmen seiner Fähigkeiten Aufgaben für das Allgemeinwohl zu erfüllen hat.

Die notwendige Haltung jedes Einzelnen und die Funktion aller Strukturen - Politik, Wirtschaft, Sozialgefüge usw. - muß also ganz neuen Regeln folgen. Doch das, was uns heute in den Medien - nach Art unverrückbarer 'Lehrsätze' - täglich eingetrichtert wird, steht im krassen Gegensatz dazu. Diese Situation erinnert mich sehr stark an den Geschichtsunterricht aus meiner Jugend bei der Beschreibung der Gründe für den Untergang des 'Römischen Reiches' und anderer Staatsgebilde

Die Folgen unserer Fehler sind mit größter Wahrscheinlichkeit bedeutend größer als die früherer Menschheitsgenerationen; denn sie betreffen die gesamte Erde. Wenn wir nur einen Funken längerfristiger Verantwortung in uns spüren, müssen wir versuchen, das Unheil abzuwenden! - Können wir es? -

Andere Denkweisen

Es gibt verschiedene Methoden, mit denen man die Lösung eines schwierigen Problems angehen kann. Meist versucht man eine schrittweise Verbesserung der derzeitigen Positionen, und so wird auch heute - allerdings mit geringem Erfolg - vorgegangen. Eine andere Methode habe ich am 21.11.1970 in einem Vortrag mit dem Titel: 'Die Zukunft geht uns alle an!' vorgestellt. Dieser Vortrag ist auch auf dieser Homepage zu finden. - Zwei Beispiele zur Systemplanung habe ich einem Buch von Gerald Nadler entnommen. Es ist 1969 erschienen und trägt den Titel: "Arbeitsgestaltung - zukunftsbewußt - Entwerfen und Entwickeln von Wirksystemen" Carl Hanser Verlag, 1969.

Es ist wegen der starken Vernetzung der Weltprobleme äußerst fraglich, ob die derzeitige Vorgehensweise, also die einfache Verbesserung unseres derzeitigen Systems, überhaupt schnell genug zu einem tragfähigen Ergebnis führen kann. Klimakonferenzen mit Absichtserklärungen sind viel zu träge. Wir brauchen also die Systemveränderung! Ich schlage deshalb - mich Nadler anschließend - vor, die Lösung von der Spitze aus anzugehen. Dabei rechne ich durchaus mit Empörung und dem Hinweis, daß so etwas völlig utopisch und damit wertlos sei. Es wäre aber nicht das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, daß eine Lösungsmöglichkeit irgendeines Problems zunächst mit Empörung abgelehnt wurde und dann doch zum Erfolg geführt hat. In diesem Zusammenhange erinnere ich an den zitierten Ausspruch von Albert Einstein.

Ich zitiere aus meinem oben genannten Vortrag von 1970: "Dem Buch von NADLER (1969) ist die folgende Darstellung entnommen
Systemplanung nach Nadler

Nadler sagt: Man kann auf zweierlei Weise ein neues System planen. Man kann sich fragen, wie unser System jetzt aussieht und dann in den einzelnen Bereichen Verbesserungen ansetzen, wie es im unteren Teil des Bildes dargestellt ist. Das ist die konventionelle Vorgehensweise. - Man kann aber auch umgekehrt vorgehen, nämlich zunächst ein theoretisches Idealsystem annehmen, das überhaupt nicht zu verwirklichen ist. Von da aus geht man rückwärts zunächst zu einem äußersten Idealsystem, das nur zu verwirklichen wäre, wenn man eine verbesserte Technologie hätte und dann weiter zu einem technologisch durchführbaren Idealsystem, das aber auch noch diese oder jene Schwierigkeit aufweist. Deshalb geht man noch etwas weiter zurück bis zu einem "empfohlenen System". Dieses ist dann immer noch weitaus besser als das verbesserte gegenwärtige System."


Bei der Nadlermethode müssen wir uns zunächst einmal vorzustellen versuchen, wie ein Idealsystem 'Menschheit im Einklang mit der Natur' aussehen müßte. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Menschheit nicht aus geklonten Wesen, sondern aus einer Vielzahl von Individuen in ganz verschiedenen Lebenszusammenhängen besteht, deren berechtigte Bedürfnisse möglichst weitgehend erfüllt werden sollten. Für uns Menschen aus den Industrienationen bedeutet das die Forderung nach mehr Bescheidenheit. Wir müssen lernen, daß sich unsere Lebensqualität nicht verschlechtern muß, wenn wir auf dies oder jenes verzichten. - Das muß schon in den Schulen gelehrt werden.

Als Beispiel (von beliebig vielen, die man finden kann) denke ich an eine Überschrift aus der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 17.11.2007, Beilage 'Reise & Urlaub': Hauptüberschrift: "Stimmungsvolle Schnäppchensafari" - Unterüberschrift: "Auf in den Großstadtdschungel: New York ist nicht nur in der Vorweihnachtszeit ein guter Ort für Einkaufstouristen. Also nichts wie hin - übers Wochenende." (Die letzten Worte sind im Original nicht fett gedruckt.) - Ich frage nur: Was ist daran 'Lebensqualität' auf die ich nicht verzichten kann? - Wie kann ein Redakteur heute solche Artikel schreiben, wenn zu gleicher Zeit weltweit von der Klimakatastrophe gesprochen wird und festgestellt wird, wie stark gerade der Luftverkehr an der Luftverschmutzung beteiligt ist? - Ein solcher Ausflug nach New York gehört wohl nicht zu den 'berechtigten Bedürfnissen', die erfüllt werden sollten.



Eine Lösung unserer Probleme ist nur weltweit möglich. Die erforderlichen Maßnahmen müssen also von allen akzeptiert werden. Das geht aber nur, wenn ersichtlich ist, daß bei der Erarbeitung der Pläne keine Einzelinteressen im Spiel waren. Herkömmliche Kongresse der üblichen Art sind immer dadurch belastet, daß die vorgetragenen Argumente so gefaßt werden, daß sie der eigenen Klientel möglichst wenig abfordern, den Schwächeren dafür mehr. Wie können wir dann aber erreichen, daß ein umfassender Plan die Anerkennung aller findet? -

Wir machen es uns zu einfach, wenn wir dann auf demokratische Entscheidungen pochen. Da ist zunächst die Frage zu stellen, was Demokratie heute bedeutet und wodurch sogenannte demokratische Entscheidungen beeinflußt werden. Grundsätzliche Gedanken dazu finden sich in meinem Beitrag über das 'Zwiedenken'. - Ich habe darin vor Jahrzehnten darauf hingewiesen, daß - ohne es zu wollen - eine demokratische Mehrheitsentscheidung den Weltuntergang herbeiführen könnte und über die Fragwürdigkeit der demokratischen Entscheidung gesprochen, die in unserer heute so stark vernetzten Welt noch viel schwieriger zu treffen ist. - D.h. mit einfachen Fragen wie: "Wollt Ihr mehr oder weniger Steuern?" oder ähnliches sind die Weltprobleme nicht zu lösen. Wir müssen heute darauf hinweisen, daß diese Situation nicht nur mit den Atombomben - an die ich damals dachte -, sondern z.B. auch mit dem Klimawandel herbeigeführt werden kann, weil auch die meisten Interessengruppen Ziele haben, die nicht mit unserem Ziel ‘Minderung des Treibhauseffektes' vereinbar sind. -

Dazu kommt, daß wir doch an der 'demokratischen Entscheidung' starke Zweifel haben müssen, wenn immer mehr die 'Talkshows' die Fernsehzuschauer beeinflussen, wenn die Wahl eines 'Staatslenkers' vom Ausgang eines Fernsehduells abhängt und wirklich informative Sendungen entweder auf den späten Abend gelegt werden oder als 'Kontrastprogramm' - z.B. eine Spielshow mit Gewinnversprechen - die Zuschauer zum Umschalten verleitet. - Wo -außer auf dem Papier und in 'Fensterreden' der Politiker - gibt es denn den 'mündigen Bürger', der in der Lage ist, langfristige Entscheidungen verantwortungsbewußt zu beeinflussen?

Wie aber dann?

Meines Erachtens könnte es heute gelingen, wenn wir es zunächst mit einer Computersimulation versuchen, bei der das Programm zur Überprüfung öffentlich zur Verfügung steht und weltweit dazu aufgefordert wird, Fehler zu suchen. Die Weltbürger gibt es dann zunächst im Computermodell. Doch schon da kann sinnvolles Verhalten eingeübt werden. - Ich habe vor Jahren schon einmal 'Kooperationsspiele' unter dem Titel "Alle können gewinnen!" für das Fernsehen vorgeschlagen. Leider ist es bei Vorgespächen geblieben.

Weiter muß auch bei den Computermodellen dafür gesorgt werden, daß bei all den Arbeiten für eine bessere Zukunft keinerlei Geschäftsinteressen eine Rolle spielen dürfen.

Doch, wenn wir dem Konzept von Nadler folgen, müssen wir - von oben anfangend - zunächst das 'Theoretische Idealsystem' näher beschreiben. - Wir könnten vielleicht sagen: Das Untersystem 'Menschheit' muß so organisiert sein, daß es sich in das 'Gesamtsystem Biosphäre' störungsfrei einordnet und dabei die Bedürfnisse der Menschen berücksichtigt.

Das wird sich in dieser äußerst bestimmten Form nicht realisieren lassen; denn jeder Mensch - ob er will oder nicht - belastet die Biosphäre so, daß ein vollständiges Recycling nicht möglich ist. Selbst die bescheidensten Bedürfnisse erfordern Rohstoffe, die nicht vollständig für die Wiederverwertung zur Verfügung stehen.

Es müßte dann also ein 'äußerstes Idealsystem' definiert werden. - Ich kann nur die Vorgehensweise darstellen; denn jeder dieser Schritte ist mit viel Detailarbeit verbunden, die nur ein Team leisten kann. Als Denkanstoß könnte dabei das 'Raumschiffdenken' und das 'Organismusmodell' dienen, das ich schon vor Jahrzehnten vorgeschlagen habe. - In einer Diskussionsrunde käme man dann wahrscheinlich zu dem 'technologisch durchführbaren Idealzielsystem' und beim Versuch der Realisierung zum 'empfohlenen System'.

Vermutlich gibt es mehrere Modelle, die als 'empfohlenes System' angesehen werden können. Es wären deshalb verschiedene Computermodelle zu untersuchen, bei denen die Entscheidungsstrukturen variieren. Wichtig ist, - wie schon gesagt - daß nur solche Modelle akzeptabel sind, die nicht mit dem Hintergedanken eines Vorteils für eine bestimmte Menschengruppe kostruiert sind. - Programmbausteine gibt es heute genug. - Ich denke z.B. an 'Second World' und ähnliches. Man muß nur die Bereitschaft schaffen, diese für gemeinnützige Zwecke freizugeben. Todfeinde eines guten neuen Gesellschaftsmodells sind Machtstreben und persönliche Bereicherung.

Es ist zu erwarten, daß sehr 'rationale' Lösungen, die von Expertenteams gefunden werden, vielen nicht behagen, weil sie sich benachteiligt fühlen. Dann muß unter allen Umständen verhindert werden, daß diese Lösungen als willkürliche Entscheidungen zu Gunsten einer Interessengruppe gesehen werden können. Der Gedankengang muß deshalb eindeutig nachvollziehbar sein.

Wenn die, die heute 'auf der Sonnenseite leben', sich mit dem Gedanken befassen, daß sie ihre Lebensansprüche herunterschrauben sollen, so werden sie darüber entsetzt sein. Sie sollten sich dann einmal vorzustellen versuchen, wie ihr Leben aussehen könnte, wenn unsere Umweltsünden dazu führen, daß durch Krieg oder Revolution zusätzlich erst einmal ungeheure Zerstörungen angerichtet werden. Dann dürfte Reichtum ein unbekanntes Wort sein. Die zornigen Massen würden sich an denen zu rächen versuchen, die nach ihrer Meinung die größte Schuld am Chaos tragen. - Dann dürfte es zu spät sein, nach Gerechtigkeit zu rufen. Dann geht es nur noch ums Überleben der Stärksten. Und das sind nicht die charakterlich Besten.

'Ichmenschen', wie sie heute gezüchtet werden, haben möglicherweise noch Chancen, ihrem natürlichen Ende entgegenzugehen und in einem Luxussarg begraben zu werden. - Was soll dann aber 'Familienpolitik', wie sie z.Zt. in verstärktem Maße diskutiert wird? - Wir sagen, daß wir alles für unsere Kinder tun wollen. Doch in Wirklichkeit schicken wir sie in eine Welt der Hoffnungslosigkeit, des frühen - möglicherweise grausamen - Todes. Was sagen wir unseren Kindern, wenn sie erkennen, worum es geht und uns deswegen zur Rede stellen? "Wir haben es nicht gewußt" ist eine Schutzbehauptung, eine Lüge. -

Kann es ein Trost sein, daß dies vermutlich erst die nächste Generation trifft? - Jedenfalls muß eines gesagt werden, daß - gegenüber den Vorstellungen eines solchen Schreckensscenarios - alle Einschränkungen, die uns auferlegt werden müßten, um ein solches Geschehen zu vermeiden, harmlos sind.

Das Wirtschaftssystem setzt falsche Prioritäten

Ich muß noch einmal deutlich machen, daß die Regeln, nach denen unsere Wirtschaft z.Zt. funktioniert, nicht die Erfordernisse für ein nachhaltiges Wirtschaften erfüllen können. Die Gewinnmaximierung hat Priorität. Es wird versucht, sie im harten Konkurrenzkampf zu erreichen. Da müssen ökologische Gesichtspunkte unberücksichtigt bleiben. Es hilft wohl nur eines: Wir müssen lernen, den ehrlichen Einsatz für das Wohlergehen in der Welt als unsere Pflicht anzusehen, als Dank dafür, daß wir eine Zeitlang auf diesem wunderschönen Planeten Erde leben dürfen und als Dank dafür, daß wir bestimmte Fähigkeiten zur Problemlösung besitzen.

Wir stehen mit unserem Können der Weltgemeinschaft zur Verfügung. Sie sorgt - wie für alle Menschen - auch für uns für den Lebensunterhalt. Der ist aber nicht von der Größe irgendeiner Leistung abhängig. Es ist unsere Pflicht und Ehre, unser Bestes dafür zu geben. - Mehr zu diesen Gedankengängen findet sich u.a. in meinem Beitrag über das Organismusmodell, bei der die Aufgaben der Versorgung von den Möglichkeiten der Entfaltung getrennt werden. Nur so können wir die Entkoppelung vom Gewinnstreben erreichen.

Wahrscheinlich ist es notwendig, alle meine o.g. Beiträge gründlich zu studieren, um die hier vorgebrachten Argumente richtig einordnen zu können. Es kommt darauf an, sich zunächst freizumachen von den heute geltenden Ansichten. Wir müssen das neue Weltbild erst denkbar machen, es vor Augen haben. Dann können wir fragen: "Wie kommen wir dahin?" -

Wenn wir uns aber klarmachen, was uns droht, sollten wir schnellstens den Weg suchen. - Ich zitiere dazu aus meinem diesjährigen Weihnachtsbrief:

"In einer Zeit des drohenden Klimawandels liegt es nahe, sich seine Denkmodelle in den Eiszonen der Erde zu suchen. - In der eisigen Welt des Egoismus, des globalisierten Kapitalismus haben wir uns auf diesem Eis eingerichtet. Es muß tragfähig sein. Wir haben uns an dieses System gewöhnt. Das ganze Leben spielt sich auf dieser Eisdecke ab. - Erst durch die Klimaerwärmung wird uns klar, auf welchem unsicheren Boden wir uns befinden. Wir können uns gar nicht mehr vorstellen, daß wir unter ganz anderen Bedingungen leben könnten. Unsere Eiswelt scheint die einzig mögliche zu sein.

Und doch sagt uns unser Verstand, daß das Eis schmelzen und einmal für immer verschwinden wird. Was dann? -

Wir haben gehört, daß es in weiter Ferne ein Gebiet geben soll, in dem es festen Boden gibt. Es wäre ratsam, sich dahin auf den Weg zu machen. Dann könnten wir aber nur einen geringen Teil von dem mitnehmen, was wir uns in unserer Eiswelt erworben haben. Wir zögern immer wieder, wohl wissend, daß unsere Chance dann immer geringer wird, das Festland rechtzeitig zu erreichen. -

Wenn die Scholle schmilzt, sind auch die Reichen nicht mehr besser dran als die Armen. Auch sie werden die Scholle verlassen müssen und möglicherweise ihr schweres Gepäck - ihr Vermögen - nicht mitnehmen können."
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Werden wir die Wende rechtzeitig schaffen? - Eine 'Gesellschaft der wahren Mitte', wie ich sie eingangs definiert habe, hat alle Voraussetzungen dazu. Ob es gelingen kann, weiß ich nicht. Wenn wir aber von vornherein nicht daran glauben, wird alles umsonst sein. Wenn wir dagegen alle unsere Kräfte dafür einsetzen, haben wir eine Chance. Es lohnt sich, sein Leben danach auszurichten.


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